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Ein Fahrrad für das ganze Leben

Von Patrick Mönnighoff, Handelsblatt
Die Lebenszyklen fast aller Produkte ? vom Computer über Toaster bis eben hin zum Fahrrad ? werden immer kürzer. Bernd Lemser, Professor an der Fachhochschule Nordhausen untersucht, wie Produkte langlebiger gestaltet werden können.
HB DÜSSELDORF. Denn die Lebenszyklen fast aller Produkte ? vom Computer über Toaster bis eben hin zum Fahrrad ? werden immer kürzer. Mit weit reichenden Folgen: Rohstoffe werden knapp und teuer, Müllberge wachsen und die Umweltverschmutzung nimmt zu. ?Dieser Trend muss sich bald umkehren?, sagt Lemser.Am Beispiel des Fahrrads untersucht er daher, wie Produkte langlebiger gestaltet werden können. Im Prinzip sei das ganz einfach, sagt der Professor. Die Produkte müssten eben mit den Bedürfnissen der Nutzer wachsen. Im Klartext heißt das: Es muss einfach sein, das jeweilige Produkt den neuen Lebenssituationen und Modetrends anzupassen.

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Lemser entwickelt daher mit drei seiner ehemaligen Studenten, die mittlerweile das Projekt hauptberuflich betreuen und dabei gleichzeitig ihre Doktorarbeit schreiben, ein Modell für ein langlebiges Fahrrad. Ziel ist es ein ?Alltagsrad? zu konzipieren und die auftretenden Planungs- und Umsetzungsprobleme zu lösen. Dieses Zweirad soll mit weniger kleinen Einzelteilen hergestellt werden, so dass sich einzelne Elemente wie etwa die Schaltung leicht austauschen lassen.Das Fahrrad ist dabei nur ein Modellfall. ?Im Endeffekt lassen sich die Projektergebnisse auch auf zahlreiche andere Produkte übertragen?, sagt Lemser. Entscheidend sei es aber, an einem Beispiel zu zeigen, dass ?langlebige Produkte? nicht teuer sein müssen und dennoch den gängigen Qualitätsanforderungen entsprechen. ?Um dies zu belegen, soll am Ende der dreijährigen Projektphase ein solches Fahrrad auch tatsächlich entwickelt und hergestellt werden?, sagt Lemser.Finanziell unterstützt wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Zudem arbeiten die Forscher bei der technischen Umsetzung mit den Ingenieuren der Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa) in Sangerhausen zusammen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) liefert Informationen über den Markt.Langfristiges und nachhaltiges Denken ist an vielen Fachbereichen der Fachhochschule Nordhausen erwünscht. Und das, obwohl die Hochschule mit ihrer erst achtjährigen Geschichte die jüngste in Thüringen ist. Im aktuellen Wintersemester sind insgesamt rund 1 200 Studenten in Nordhausen eingeschrieben, von denen zwei Drittel Wirtschafts- oder Sozialwissenschaften studieren. Betreut werden die angehenden Akademiker von 52 Professoren. Die Hochschule unterhält Partnerschaften mit 25 Universitäten in Europa und den USA. Der erste Absolventenjahrgang wurde 2002 verabschiedet.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.12.2004