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Ein eher trübes Finale

Von Steffi Augter und Ingo Reich, Handelsblatt
Der mächtigste Brause-Boss der Welt geht in den Ruhestand: Nach nur fünf Jahren im Amt will Coca-Cola-Chef Douglas Daft Ende 2004 abtreten. Dafts Rückzug von der Spitze der Coca-Cola Company hat die Mitarbeiter nicht wirklich überrascht.
DÜSSELDORF. Offiziell heißt es, Daft trete auf ?eigenen Wunsch? zurück. Kollegen gegenüber äußerte Daft, er wolle in Zukunft öfter angeln gehen.Daft hinterlässt ein Unternehmen mit vielen Problemen ? und bisher ohne Kandidaten für seine Nachfolge. Die größten Chancen auf den Chefsessel werden innerhalb des Konzerns dem bisherigen Vize Steve Heyer eingeräumt. Mit der externen Suche nach einem Nachfolger wurde eine Headhunter-Firma beauftragt, teilte der Softdrink-Konzern aus Atlanta im US-Bundesstaat Georgia mit.

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Daft geht bald angeln, den Ärger wird sein Nachfolger am Hals haben. Gegen den Konzern ermitteln das US-Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC wegen Betrugs. Ein ehemaliger Angestellter hatte den Getränkehersteller verklagt und behauptet, bei der Firma seien Marketingtests gefälscht und Geld auf unzulässige Weise verschoben worden. Doch es gibt noch weit mehr Baustellen im Konzern. Das macht sich auch am Aktienkurs fest. Als Daft den Chefposten übernahm, kostete ein Coca-Cola-Papier 52,31 Dollar, heute sind es nur noch 51.Böse Zungen behaupten deshalb, der zunehmende Ärger habe Daft in die Rente getrieben. ?Die Fülle rechtlicher und geschäftlicher Probleme haben ihm das Leben schwer gemacht?, sagte der unabhängige Berater Manny Goldman. Er kritisiert, dass Daft die Brocken hinschmeiße, bevor er die Probleme gelöst habe. Dies sei der falsche Zeitpunkt, die Firma zu verlassen. ?Daft tritt vermutlich nicht aus freien Stücken zurück?, vermutet Goldman deshalb. Coca-Cola bestreitet jedoch einen Zusammenhang zwischen den Ermittlungen und dem offensichtlich von langer Hand geplanten Rücktritt des Vormanns.Bei der Ankündigung seines Rücktritts tritt Daft nicht als Verlierer auf. Vielmehr erinnert er an die Erfolge seiner vergleichsweise kurzen Amtszeit: Die Verschlankung des Unternehmens mit dem Abbau Tausender von Stellen, gleichzeitig seien neue Produkte auf den Markt gekommen wie etwa Vanilla-Coke. ?Ich bin sehr stolz darauf, was wir erreicht haben. Besonders zufrieden bin ich mit unserem letzten Jahresergebnis und den sehr guten Aussichten für 2004.? Dafts Fazit: Das Unternehmen sei gewachsen, das Marketingsystem gesunder und die Marken seien heute stärker.Als der kleine, eher unscheinbare Mann, der eine milde, väterliche Autorität ausstrahlt, das weltweite Coca-Cola-Geschäft im Februar 2000 von seinem Vorgänger Douglas Ivester übernahm, steckte der Marktführer bereits in Schwierigkeiten. Kurz zuvor waren in Belgien und Frankreich verunreinigte Cola-Dosen in Umlauf gekommen. Der Imageschaden war gewaltig, als bekannt wurde, dass zwei schlampig arbeitende Abfüllbetriebe schuld am Skandal waren. Als Folge brach der Absatz in diesen wichtigen Regionen ein. Wenig imagefördernd war auch die Klagedrohung afro-amerikanischer Mitarbeiter wegen Rassendiskriminierung. Der Konzern konnte die Klage nur abwenden, weil er 192 Millionen Dollar an die Betroffenen zahlte.Verglichen mit Ivester, hat sich Daft hingegen schon lange an der Spitze gehalten, sein Vorgänger brachte es nur auf zwei Jahre im Chefsessel. Das mag auch an der offenen Art liegen, die Daft ins Haus brachte. Denn im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der als ziemlich unnahbar galt, begann Daft nach der Umbildung der Konzernspitze in Atlanta sofort mit seinem ?Management by walking around.? Auch in Deutschland machte Daft häufig Station, besonders seit das Deutschlandgeschäft den Konzern jährlich mit dreistelligen Millionenbeträgen belastet.Als gebürtigem Australier lag Daft etwas daran, die Marke, die häufig noch als Symbol für den US-Imperialismus herhalten musste, ?politisch korrekt? zu positionieren. In einer viel beachteten Rede vor der American Academy in Berlin stellte sich der eher britisch wirkende Konzernchef im Irak-Krieg offen auf die Seite der Kriegsgegner.Nach Dafts Ausscheiden aus dem Hause Coca-Cola, das weltweit jährlich mehr als 20 Milliarden Dollar umsetzt, gilt sein bisheriger Vize Steve Heyer als einer der Nachfolge-Favoriten. Der 51-Jährige gilt als guter Stratege und genießt im Unternehmen hohes Ansehen. Heyer wäre allerdings nach 118 Jahren Firmengeschichte der erste Chef, der sich seine Meriten hauptsächlich außerhalb des Konzerns verdient hat: beim Medienkonzern AOL Time Warner und als Berater bei Booz Allen Hamilton. Erst seit März 2001 arbeitet er für den Getränkehersteller, bereits Ende 2002 wurde er COO der Company.?Als Neuer an der Spitze wird er nicht von allen akzeptiert werden?, sagt prompt Fondsmanager Douglas Lane von Douglas C. Lane & Associates in New York. Andere dagegen sehen in ihm den natürlichen Nachfolger von Daft. Der hatte vor knapp drei Jahren bei Heyers Antritt als neuer Marketing-Chef von Coca-Cola selbst gesagt: ?Wir brauchen jemanden, der unser traditionelles Denken in Frage stellt.? Dafür macht Daft jetzt Platz.
Vita: Douglas N. Daft1943 wird er in Sydney geboren. Er studiert an der University of New England Mathematik und an der University of New South Wales Wirtschaft.
1969 startet er seine Karriere bei Coca-Cola. Er arbeitet für den Getränkekonzern lange im Raum Pazifik, zunächst in Australien, Indonesien und dann in Hongkong. 1988 steigt Daft zum Präsidenten der Coca-Cola Japan Co. Ltd. und der North Pacific Division auf.
1991 wechselt er in die US-Konzernzentrale nach Atlanta und führt dort das gesamte Geschäft der Region Pazifik.
1995 übernimmt er die Verantwortung für die Region Mittlerer und Ferner Osten.
2000 wird er im Februar Chairman und Chief Executive Officer des Coca-Cola-Konzerns.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.02.2004