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Ein Deutscher soll Barrosos Image polieren

Von Michael Scheerer
José Manuel Barroso hatte keinen glücklichen Start in Brüssel. Seit Monaten schlägt dem vor einem Jahr ins Amt gekommenen Präsidenten der EU-Kommission Skepsis, ja Ablehnung entgegen. Nun soll der Deutsche Johannes Laitenberger als neuer Pressesprecher die Öffentlichkeit von den Entscheidungen Barrosos überzeugen.
HB BRÜSSEL. Die Presse war schnell enttäuscht von dem Portugiesen, der zwar brillant in mehreren Sprachen parlieren kann, aber als Kommunikator dennoch bislang versagt hat. Barroso, so das einhellige Urteil, schafft es nicht, stringente Botschaften zu vermitteln und in schwieriger Zeit Führerschaft zu zeigen.Am Mittwoch kam aus Barrosos Amtssitz erstmals ein Ich-habe-verstanden-Signal. Der Chef der Brüsseler EU-Behörde berief einen neuen Pressesprecher. Der Deutsche Johannes Laitenberger, bislang Mitglied in Barrosos Führungsstab, hat nun die anspruchsvolle Aufgabe, der Öffentlichkeit die Absichten und Entscheidungen des Kommissionspräsidenten mitzuteilen.

Die besten Jobs von allen

Laitenbergers Vorgängerin, die Französin Françoise Le Bail, war an dieser Herausforderung gescheitert. Statt das segensreiche Wirken ihres Chefs professionell zu vermitteln, lag sie im Dauerclinch mit den EU-Korrespondenten, meistens über Petitessen wie den Zugang der Journalisten zur Kommissionskantine. Barroso selbst igelte sich derweil in seinen Diensträumen im 13. Stockwerk des Berlaymont-Gebäudes ein und nahm die Prügel der Presse hin wie ein waidwunder Hirsch.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Laitenberger soll die Außendarstellung des Chef-Eurokraten verbessern.Jetzt soll Laitenberger die Außendarstellung des Chef-Eurokraten verbessern. Dem 41-jährigen Hamburger dürfte dabei zugute kommen, dass er ebenso polyglott formulieren kann wie sein Vorgesetzter. Der studierte Jurist spricht vier Sprachen, darunter auch die des Kommissionschefs. In Barrosos 12-köpfigem Führungsteam war Laitenberger für juristische Fragen und für die Wettbewerbskontrolle zuständig. Zuvor hatte er im Leitungsstab der Luxemburger EU-Kommissarin Viviane Reding gearbeitet.EU-Beamte, die Laitenberger lange kennen, attestieren dem neuen Chefsprecher der EU-Kommission eine schnelle Auffassungsgabe und exzellente Kenntnis der komplizierten Machtverhältnisse in der Riesenbehörde. Dass er zudem über gute Kontakte zu den demnächst in Berlin mitregierenden CDU/CSU-Kreisen verfügt, wird ihm zumindest den Umgang mit der deutschen Presse erleichtern.Die glücklose Françoise Le Bail ereilt ein vergleichsweise erträgliches Schicksal. Weil die EU-Kommission nun einmal grundsätzlich erfolgreich arbeitet und Versagen im Amt nicht vorkommt, lobte gestern ein Barroso-Vertrauter die Französin über die Maßen für den ?hervorragenden Job?, den sie ein Jahr lang an der Seite des Präsidenten geleistet habe. Le Bail wird also nicht etwa strafversetzt, sondern gesichtswahrend auf einen weniger exponierten Spitzenposten befördert. Zur Belohnung für geleistete Dienste darf sie künftig als Vize-Generaldirektorin die Industriepolitik des deutschen Kommissars Günter Verheugen mitgestalten.
Dieser Artikel ist erschienen am 10.11.2005