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Ein britischer Preuße

Dirk Heilmann
Diszipliniert, kühl und autoritär ? so führt John Browne nicht nur seine Pressekonferenzen, sondern auch den nach Börsenwert größten Konzern Europas. Diszipliniert und vorausschauend hat er BP in den vergangenen zehn Jahren strategisch an die Spitze der Branche geführt. Geradezu preußische Tugenden schreiben ihm Mitarbeiter und Analysten zu. Diszipliniert, ruhig und klarsichtig führe Browne den Konzern. Doch der BP-Chef strebt nicht nur nach schierer Größe. Er beweist auch strategischen Weitblick.
HB LONDON. Browne verschwendet keine Zeit, stellt sich ans Rednerpult, das wegen seiner relativ geringen Körpergröße ein gutes Stück niedriger ist als das des Finanzchefs. Sein dunkler Anzug sitzt wie immer perfekt. Mit leicht näselndem Oberschicht-Englisch liest er Wort für Wort der Präsentation ab, jeden Satz betonend. Dann ruft er die Fragen auf. Schön der Reihe nach, erst die eine Hälfte des Auditoriums, dann die andere. Die Antworten formuliert er druckreif selber oder gibt sie an den zuständigen Vorstand weiter.Nichts kann ihn aus der Ruhe bringen, auch nicht die provokative Frage, wie er die ?obszönen Gewinne? des Ölkonzerns rechtfertige ? im vergangenen Jahr knapp 20 Milliarden Dollar. Kühl verweist er darauf, dass jeder sechste Dollar als Dividende in britische Pensionskassen fließe, obwohl BP nur noch jeden 25. Dollar im Heimatland verdiene.

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Diszipliniert, kühl und autoritär ? so führt Browne nicht nur seine Pressekonferenzen, sondern auch den nach Börsenwert größten Konzern Europas. Diszipliniert und vorausschauend, hat er BP in den vergangenen zehn Jahren strategisch an die Spitze der Branche geführt.Browne, der 1948 als Sohn eines britischen Offiziers und BP-Mitarbeiters und einer osteuropäischen Übersetzerin in Hamburg geboren wird, kommt bereits mit 18 Jahren als Student erstmals zum Konzern und durchläuft viele Stationen, anfangs vor allem in den USA. Als er im Juni 1995 schließlich Chief Executive Officer wird, ist er mit 47 Jahren der bis dahin jüngste Mann auf dem Posten. Damals ist der Konzern rund 20 Milliarden Pfund wert, heute sind es 132,7 Milliarden Pfund.Der neue Vorstandschef nutzt eine Phase schwacher Ölpreise und formt einen wahrhaft globalen Konzern. Im August 1998 vereinbart er die Fusion mit dem US-Ölriesen Amoco. Bei dem Aktientausch behalten die BP-Aktionäre mit 60 Prozent das Sagen. Kaum ein Jahr später schluckt BP für 27 Milliarden Dollar die kalifornische Arco, und im Jahr 2000 rundet Browne seine Einkaufstour mit dem Kauf des britischen Schmierstoffherstellers Burmah Castrol für knapp fünf Milliarden Dollar ab. Nun steht der Konzern auf Augenhöhe mit dem europäischen Rivalen Shell und dem US-Konkurrenten Exxon, der mit Mobil fusioniert.Der BP-Chef strebt nicht nur nach schierer Größe. Er beweist auch strategischen Weitblick, indem er BP als ?den grünen Ölkonzern? positioniert. Nach den drei Fusionen investiert er eine dreistellige Millionensumme in ein neues Erscheinungsbild. Die grüne Sonnenblume und der Slogan ?Beyond Petroleum? erregen zwar zunächst den Zorn von Umweltschützern, die das Kürzel BP lieber als ?Burning the Planet? übersetzen, aber langfristig zahlt sich die Imagekorrektur aus.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Browne positioniert sich auch persönlich als vorausdenkender Energiemanager.Und zwar, weil sie mit einer Kurskorrektur einhergeht. Browne investiert massiv in erneuerbare Energien und macht den Konzern so zum heute größten Betreiber von Sonnenenergie-Anlagen. Browne positioniert sich auch persönlich als vorausdenkender Energiemanager. Im Gegensatz zur US-Ölindustrie akzeptiert er schon Ende der neunziger Jahre die Gefahr des Klimawandels. Das macht ihn zum Gesprächspartner nicht nur der britischen Regierung. Er verpflichtet den Konzern, seine Kohlendioxid-Emissionen bis 2010 um zehn Prozent zu senken, und führt einen internen Emissionshandel ein. ?Wir sind stolz, der Grüne unter den Ölmultis zu sein?, fasst er seine Haltung zusammen.Geradezu preußische Tugenden schreiben ihm Mitarbeiter und Analysten zu. Diszipliniert, ruhig und klarsichtig führe Browne den Konzern. Rund ein Drittel seiner Arbeitszeit verbringe er auf Reisen. Er arbeite regelmäßig 70 bis 80 Stunden in der Woche, heißt es. Auch anderen verlangt er ein entsprechendes Pensum ab.Viel Privatleben scheint er nicht zu haben. Browne ist unverheiratet, bei offiziellen Anlässen hat ihn bis zu ihrem Tod seine Mutter begleitet. Zu der Frau, die als Einzige ihrer Familie nicht in Auschwitz ermordet wurde, hatte er ein sehr enges Verhältnis.In seiner raren Freizeit geht Browne ins Theater und in die Oper, gönnt sich feine Zigarren und hält sich mit Schwimmen fit. Er hat einen Ruf als Kunstliebhaber, sammelt moderne Maler und Fotografen ebenso wie kolumbianische Artefakte und antike Möbel. Er hat zahlreiche Ehrenämter. Das reicht von Posten bei seinen Universitäten Cambridge und Stanford über Prinz Charles? Business Leaders Forum bis zum Chicago Symphony Orchestra.Dreimal in Folge ? 2000 bis 2002 ? wählten ihn die Manager-Kollegen in der Umfrage des britischen Magazins ?Management Today? zum meistbewunderten Unternehmensführer. Mit einem Jahresgehalt von zuletzt 3,7 Millionen Pfund plus Aktien und Optionen im Millionenwert zählt er zu den höchstbezahlten Chefs. Doch angesichts der Milliarden, die BP an die Aktionäre ausschüttet, gibt es dazu keine Kritik.
Lord Browne1948 Er wird am 20. Februar in Hamburg geboren. Er macht seinen Abschluss in Physik an der Universität von Cambridge und in Wirtschaft an der Stanford University/Kalifornien.1966 Er startet seine Karriere bei BP und arbeitet später im Bereich Förderung und Produktion. 1984 wird er Chef von BP Finance International sowie 1986 Finanzvorstand der The Standard Oil Company in Cleveland, Ohio.1987 Nach der Fusion von BP und Standard wird er Finanzvorstand von BP America und Vorstandschef der Standard Oil Production Company.1995 Er wird am 10. Juni Vorstandschef der BP-Gruppe.1998 Nach dem Zusammenschluss von BP und Amoco wird er am 31. Dezember Vorstandschef der Gruppe BP Amoco.
Dieser Artikel ist erschienen am 08.02.2006