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Ein Bauunternehmer und seine Kicker

Von Stefanie Müller, Handelsblatt
Das Ziel des neuen Präsidenten war klar: Florentino Pérez wollte aus Real Madrid die erfolgreichste Sportmarke der Welt machen. Doch längst hat der 57-jährige Bauunternehmer sich bei den ?Königlichen" verzettelt.
MADRID. So gerät das Ziel des 57-jährigen Bauunternehmers in Gefahr, aus Real Madrid die erfolgreichste Sportmarke der Welt zu machen. Und das, obwohl Pérez in seiner vierjährigen Amtszeit jede Menge Superstars nach Madrid geholt hat.Bislang hat sich Pérez aus solch kritischen Situationen immer retten können. Denn der nur 1,70 Meter große Präsident gilt als Fuchs im Baugeschäft und blendender Verkäufer. Vor vier Jahren gelang es dem Chef von Spaniens größtem Baukonzern ACS/Dragados, den Traditionsclub vor dem finanziellen Aus zu retten ? vor allem dank seiner guten Verbindungen zur lokalen Politik.

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Pérez schaffte es in Windeseile, die Trainingsanlage in Madrid für rund eine halbe Milliarde Euro an die Stadt zu verkaufen und so einen Gewinn von 350 Millionen Euro zu machen. Damit konnte er einen großen Teil der Vereinsschulden tilgen. Doch manch einer hat Zweifel, ob das Geschäft korrekt war. Jetzt drohen ihm Untersuchungsverfahren. Trotzdem wählten ihn die 65 000 Vereinsmitglieder in diesem Sommer auch mangels Alternativen für weitere vier Jahre zum Präsidenten.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wer das Konzept nicht stützt, wird abserviertSeine Zukunft an der Spitze von Real Madrid ist gleichwohl unsicher. Die vielen Titel, die der Club in den ersten zwei Jahren seiner Präsidentschaft holte, geraten immer mehr in Vergessenheit. Und Niederlagen schaden dem Image. Das weiß keiner besser als Pérez. Er investierte 220 Millionen Euro in die Mannschaft und kaufte Stars wie Luis Figo, Zinédine Zidane, Ronaldo und David Beckham. Sie verpflichteten sich, rund die Hälfte ihrer Werbeeinnahmen an den Club abzuführen. ?Finanziell ist diese Rechnung aufgegangen?, sagt María Jesús Grande, Finanzexpertin bei der spanischen Businessschule Iese. Aber sie zweifelt, ob die Strategie langfristig funktioniert: ?Letztendlich hängt der Wert des Clubs doch von seinen Leistungen ab und nicht vom Bekanntheitsgrad der Spieler.?Wer sein Konzept nicht stützt, wird schon mal abserviert. ?Fotoaufnahme- und Pressetermine scheinen den Spielern wichtiger zu sein als mein Training?, kritisierte etwa José Antonio Camacho, den Pérez erst im Sommer als Trainer verpflichtet hatte und der den Verein schon wieder verlassen hat.Viele Feinde schaffte sich Pérez, der gebürtige Madrider und gelernte Straßenbauingenieur, im vergangenen Jahr, als er den beliebten und erfolgreichen Trainer Vicente del Bosque feuerte. Man brauche bei Real Madrid ?medienwirksamere Persönlichkeiten?, argumentierte der Präsident.Inzwischen hat er einen Kaufstopp für Superstars angekündigt. Aber ganz ohne Superlative kann Pérez nicht leben. So will er das Santiago-Bernabéu-Stadion in Madrid für 30 Millionen Euro herausputzen: ?Es soll die modernste Fußball-Arena der Welt werden.?
Dieser Artikel ist erschienen am 23.11.2004