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Ein Banker auf Konfrontationskurs

Von Caspar Busse, Handelsblatt
Gerhard Randa attackiert nach seinem Rausschmiss die Hypo-Vereinsbank und gefährdet seinen guten Ruf.
MÜNCHEN. Die Attacken dürften dem Österreicher mehr schaden als nutzen. Jetzt, nach seinem Rauswurf aus dem Vorstand, ist auch sein Wechsel in den Aufsichtsrat der zweitgrößten deutschen Bank völlig offen.?Ich bin gegen Gummiwände gerannt?, berichtet der 60-Jährige im österreichischen Magazin ?Format? ungewohnt offen über seine bisherige Zeit als HVB-Vorstand in München. Und er fügt an: ?Ich dachte mir, mit meiner Erfahrung und meinem beruflichen Background werde ich doch auch in Bayern Veränderungen bewirken können. Das ist aber nicht der Fall.? Mit seinen Bemühungen, den Konzern auf mehr Ertrag zu trimmen, sei er ?ständig auf passiven Widerstand? gestoßen. ?Im Vorstand waren alle sehr freundlich zu mir?, fügt er süffisant an.

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Die Vorwürfe sind harter Tobak. Denn im Kern attestiert Randa der Münchener Großbank mangelndes Ertrags- und Effizienzbewusstsein. Und das vor dem Hintergrund, dass die HVB im wichtigen Deutschland-Geschäft nicht aus den roten Zahlen kommt, während in Österreich und Osteuropa ? das Geschäft verantwortet Randa auch ? die Gewinne sprudeln. Einen offiziellen Kommentar zu seinen Äußerungen gab die HVB am Freitag nicht.Offenbar waren die Auseinandersetzungen um den Sparkurs zwischen Konzernchef Dieter Rampl und Randa, in seiner Rolle als Chief Operating Officer (COO) für alle Abläufe im Konzern zuständig, härter als bisher angenommen.Den Machtkampf haben letzte Woche die Münchener für sich entschieden: Der bisherige Deutschland-Chef Michael Mendel soll ab Mitte Mai 2005 Randas Zuständigkeit für Österreich und Osteuropa übernehmen. Schon am Montag vor einer Woche wurde das Zerwürfnis nur mühsam kaschiert. Randa sei von seinen ?Aufgaben entbunden? worden, teilte die Bank nach der Aufsichtsratssitzung mit. Das klingt alles andere als nach einer einvernehmlichen Trennung, auch wenn Rampl ausdrücklich Randas Verdienste um die Bank lobt. Vor vier Jahren hatten Randa, der als einer der mächtigsten Manager Österreichs gilt, und der damalige HVB-Chef Albrecht Schmidt die erste große grenzüberschreitende Bankenfusion eingefädelt. Die Münchener übernahmen die Bank Austria (BA), die größte Bank Österreichs ? und stiegen damit im Wachstumsmarkt Osteuropa zu den großen Playern auf. Randa saß fortan im HVB-Vorstand. Dem Motorradfan, der sich am Wochenende gern in Lederkluft auf seine Harley-Davidson setzt, sei es aber nie gelungen, sich in die Münchener Hierarchie einzuordnen, berichtet ein HVB-Aufsichtsrat.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Führungsstil Randas galt schon immer als ruppigImmer wieder geriet der streitbare Randa, der sich auch Hoffnungen auf die Konzernspitze machte, mit den Münchener Kollegen aneinander, ob es um die Autonomie der Österreicher ging oder um das Sparprogramm im Konzern. Schließlich holte ihn der neue HVB-Chef Rampl Anfang 2003 ganz nach München.Randa konnte Erfolge aufweisen: Im Konzern drückte er die Kosten um 1,5 Milliarden Euro. Der Börsengang der Bank Austria brachte 2003 die dringend benötigte Kapitalspritze. Die Analysten liebten den Macher Randa.Angesichts der Erfolge wiegte sich der gebürtige Wiener offenbar in Sicherheit. Umso überraschender kam nun für ihn selbst der Rausschmiss. Doch der Führungsstil Randas galt schon immer als ruppig. Er regiere wie ein ?Feudalherrscher?, heißt es in Wien. Teamgeist sei ihm fremd. Der ?Niki Lauda der Bankbranche? (?Der Standard?), der immer schneller sein wollte als andere, schreckte auch vor brutalen Aktionen nicht zurück. Nach nur zehn Monaten schickte er Anfang des Jahres seinen langjährigen Weggefährten Karl Samstag in die Wüste und installierte Erich Hampel als neuen Chef der Wiener Konzerntochter.Randas Verdienste sind unumstritten: Seit 1990 hat er die zersplitterte österreichische Bankenwelt mit mehreren Fusionen konsolidiert. Aber er hat sich auch viele Feinde gemacht. ?Das ist für die österreichische und internationale Bankenwelt kein besonderer Verlust?, wird etwa der Ex-Banker und Rivale Heinrich Treichl zum Abgang Randas zitiert. Ex-Finanzminister Hannes Androsch wirft ihm noch heute ?wirtschaftlichen Hochverrat? vor, weil er die Bank Austria nach Deutschland verkauft hat. Auch die Mitarbeiter waren zuletzt nicht gut auf ihn zu sprechen, weil er die Tarifverträge kündigte.Trotz aller Anfeindungen leidet Randa, der in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs und früh seine Mutter verlor, nicht an mangelndem Selbstbewusstsein. ?Alles, was wir mit der BA hingestellt haben, geht schon auf meine Kappe?, proklamiert er die Erfolge der Wiener HVB-Tochter nur für sich. Wenn der grauhaarige Manager mit der stattlichen Statur in prunkvollen Wiener Sälen Pressekonferenzen veranstaltete, konnte man meinen, ein König halte Hof. Seinen 60. Geburtstag feierte er vor knapp drei Monaten mit viel Prominenz in der Wiener Hofburg.Ob der Jazz-Fan angesichts seiner Attacken noch wie geplant bis Mitte Mai 2005 im HVB-Vorstand bleibt, ist offen. Auch der vorgesehene Wechsel in den Aufsichtsrat ist unwahrscheinlich. Randa prahlt unterdessen: ?Ich bekam diese Woche schon zwei Angebote ? von Konzernen, die größer sind als die HVB.?
Dieser Artikel ist erschienen am 06.12.2004