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Ein Auslandseinsatz macht reich

Die Fragen stellte Ulrike Heitze, Illustration: Sabine Kobel, Foto: PR.
?Wenn ich mich für ein, zwei Jahre ins Ausland versetzen lasse, dann verdiene ich mir dort eine goldene Nase.? Diese hübsche Idee hält sich unter Berufseinsteigern wie ein hartnäckiger Schnupfen. PwC-Berater Ulrich Buschermöhle kennt die Realität.
Bedeutet ein Auslandseinsatz für den Entsandten tatsächlich die Lizenz zum Gelddrucken?

Ulrich Buschermöhle: Das glauben tatsächlich viele Auslandskandidaten. Und wer zum Beispiel auf die Ölfelder nach Nigeria oder auf eine Baustelle im Sudan versetzt wird, kann sicherlich mit Erschwerniszulagen oder Risikozuschlägen rechnen. Da kann man dann in der Tat viel verdienen. Dies ist jedoch eher die Ausnahme als die Regel.

Warum glauben dann so viele Leute trotzdem daran?

So etwas hält sich zum einen durch Gerüchte ? ein Freund kennt einen Freund, dessen Freund erzählt hat und so weiter. Zum anderen handhaben Unternehmen Auslandseinsätze äußerst unterschiedlich. Manche kalkulieren länderbedingte Steuervorteile ihres Expats gleich bei der Höhe des Gehalts mit ein, andere überlassen sie dem Mitarbeiter. So etwas könnte dann, verglichen mit dem Gehalt im Heimatland, zu einem deutlich höheren Einkommen führen.

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Aus welchen Teilen besteht denn so ein Expat-Gehalt?

Zunächst mal gibt?s wie zu Hause das Grundgehalt plus Bonus. Dann kommen meist eine Auslandszulage und ein Zuschuss für die Lebenshaltungskosten hinzu. Und oftmals beteiligt sich das Unternehmen auch an Umzugskosten, Schulgeld oder eventuellen steuerlichen Mehrbelastungen.

Wie groß ist überhaupt der Verhandlungsspielraum für einen Auslandswilligen?

Das ist neben der persönlichen Qualifikation auch vom Zielland abhängig: Für eine Stelle in New York oder Hongkong stehen die Bewerber Schlange. Da muss die Firma keine zusätzlichen Aufschläge auf das Gehalt zahlen. Je herausfordernder die Zielländer sind, desto höher fällt der Motivationszuschlag aus.

Ein Auslandseinsatz als Zuzahlgeschäft für den Expat ? Gibt?s das?

Wer in Eigeninitiative zum Jobben ins Ausland geht, kann tatsächlich schon mal Pech haben und ? zumindest finanziell ? draufzahlen. Bei einem Konzerntransfer passiert das eher selten. Die Unternehmen bemühen sich, einen Ausgleich für den zusätzlichen Aufwand ihres Expats hinzubekommen.
Probleme kann es natürlich geben, wenn der Kandidat luxuriöser lebt als die Firma bei den Zuschüssen zu den Lebenshaltungskosten eingeplant hat.



Ulrich Buschermöhle ist Experte für Mitarbeiterentsendungen und leitet das Competence Center Sozialversicherung bei der Wirtschafts- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Er berät Arbeitgeber wie Arbeitnehmer bei der Vorbereitung von Auslandseinsätzen.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.08.2007