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Eigenlob

So nennt man es, wenn jemand seine eigenen Qualitäten und Taten permanent betont und herausstellt. Damit ist Eigenlob ein enger Verwandter der Eitelkeit. Im Privatleben fällt Eigenlob sofort unangenehm auf. Es wird automatisch als Zeichen für Eitelkeit oder für mangelndes Selbstbewusstein gewertet.
So nennt man es, wenn jemand seine eigenen Qualitäten und Taten permanent betont und herausstellt. Damit ist Eigenlob ein enger Verwandter der Eitelkeit. Im Privatleben fällt Eigenlob sofort unangenehm auf. Es wird automatisch als Zeichen für Eitelkeit oder für mangelndes Selbstbewusstein gewertet. Beides nicht unbedingt attraktive menschliche Eigenschaften. Nicht umsonst heißt es "Eigenlob stinkt".Im Berufsleben kann die Sache allerdings anders aussehen. Ein ganzes Buch dreht sich nur um die Theorie, dass ein gewisses Maß an Eigenlob ganz entscheidend für das berufliche Weiterkommen ist: "Eigenlob stimmt. Erfolg durch Selbst-PR". Autorin Sabine Asgodom bezeichnet darin Bescheidenheit als "Karrierekiller Nummer eins": "Bescheidenheit ist eine Zier? Mit dieser Einstellung werden Sie nicht Karriere machen. Denn Ihre Beförderung hängt kaum von der Qualität Ihrer Leistung ab. Gefragt ist die Kunst der Selbstdarstellung." (Sabine Asgodom: Eigenlob stimmt, S. 2)

Die besten Jobs von allen

Eigenlob für die Selbstdarstellung. Selbstdarstellung heißt "Tue Gutes und sprich drüber". Wer vornehm darauf verzichtet und stattdessen hofft, dass gute Leistung für sich selbst spricht, der hat die Erkenntnisse der Psychologen gegen sich. Die haben nämlich festgestellt, dass eine Beförderung nur zu zehn Prozent (!) von der Qualität der Arbeit abhängt. Dreißig Prozent werden vom Image, also von Auftreten, Ruf und Erscheinungsbild, beeinflusst. Und zu nicht weniger als sechzig Prozent ist eine Beförderung davon abhängig, wie gut der Beförderungskandidat seine Vorgesetzten auf sich und seine Leistungen aufmerksam machen kann. (S. Asgodom, S. 9)Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn Sie Ihre Chefs nicht ständig auf mehr oder weniger diskrete Weise auf Ihre Leistungen aufmerksam machen, werden sie sie möglicherweise gar nicht bemerken, sie als selbstverständlich ansehen oder, auch ein Klassiker, das Lob dafür selbst einstecken.Ungeschicktes Eigenlob ist es, wenn man diese Überlegungen als Aufforderung versteht, ungefragt bei jeder sich bietenden Gelegenheit sein ganzes heldenhaftes Leben vor seinen Zuhörern auszubreiten. Abiturdurchschnitt sehr gut, Studienabschluss summa cum laude, Goldmedaillen im Skispringen und dazu noch Schützenkönig. Es kann schon sein, dass der Generalsekretär Sie durch solche Informationen nun viel mehr zu schätzen weiß und sich in Zukunft für Sie verwenden wird. Es kann allerdings auch sein, dass er Sie nun für einen eitlen Schwätzer hält. Vor allem, wenn er selbst gerne von summa cum und Goldmedaillen erzählen würde.Geschicktes Eigenlob. Am elegantesten ist es, wenn bei Ihrem Vorgesetzten von dritter Seite Lob über Sie eingeht. Das können Sie selbst einfädeln, wenn jemand sich anerkennend über Ihre Arbeit äußert: "Sagen Sie das doch einfach mal meinem Chef." Und wenn Sie endlich einmal selbst die Anerkennung für alle Ihre guten Ideen und Projekte kassieren wollen, dann ist Eigenlob in Form von regelmäßigen Aktennotizen und Protokollen über den Stand der Dinge das Instrument der Wahl.Alle anderen empfehlenswerten Formen des Eigenlobs haben weniger damit zu tun, sich selbst zu loben, als vielmehr damit, aktiv alle sich bietenden Bühnen der Selbstdarstellung zu nutzen: Telefonate, persönliche Gespräche, Konferenzen, Messen, Vorträge und sogar Hauszeitschriften. Immer geht es darum, wie Sie durch Ihr Auftreten und Ihr Erscheinungsbild den wichtigen ersten Eindruck über Sie positiv gestalten können.Das alles setzt ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein voraus. Und in der Tat die Erkenntnis, dass es heutzutage nicht mehr unfein, sondern notwendig ist, sich auch mal ganz gezielt in den Mittelpunkt zu stellen, anstatt ein Leben lang das Mauerblümchen zu spielen. Damit jedoch tun sich laut Asgodom gerade die Frauen ziemlich schwer. Und vielleicht ist das einer der Gründe dafür, dass es so wenige davon in Spitzenpositionen gibt.
Dieser Artikel ist erschienen am 17.05.2004