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Ehrgeizige Kuschelmonster

Wenn Oma über Fleiß und Ehrgeiz spricht, dann schnauben ihre Enkel heute nicht mehr verächtlich durch die Nase. Im Gegenteil: Keine Altersgruppe hält die altmodischen Tugenden so hoch wie die 20- bis 29-Jährigen.
Bei den 60- bis 69-Jährigen sind es mit 74 Prozent etwas weniger; am schlechtesten kam die Aussage mit 68 Prozent bei den 40- bis 49-Jährigen an. Das hat eine Sonderauswertung nach Altersgruppen für karriere ergeben. Auch fordern die Twentysomethings deutlicher als jede andere Altersgruppe: ?Wer viel leistet, der sollte viel stärker belohnt werden als heute.?

Gleichzeitig wünschen sich die Jungen aber nicht mehr Selbstverantwortung, sondern lieber einen kuscheligen Versorgungsstaat: 48 Prozent der 20- bis 29-Jährigen möchten, dass der Staat mehr Lebensrisiken als heute trägt ? ein Widerspruch, der auch die Macher der Umfrage verblüfft hat: ?Die Leute sind durchaus zu Leistung bereit?, erklärt Thomas von Mitschke, Direktor bei der Unternehmensberatung McKinsey, die die Umfrage initiiert hat. ?Aber sie wollen nicht, dass die sozial Schwächeren auf der Strecke bleiben.?

Die besten Jobs von allen


Schirmherr Richard von Weizsäcker sieht in dem gleichzeitigen Wunsch nach Leistung und sozialer Absicherung sogar einen neuen Trend: ?Diese Kombination von links und rechts, dieses Sowohl-als-auch statt des polarisierenden Entweder-oder kennzeichnet eine neue Entwicklung ? die soziale Leistungsgesellschaft." (bdo)
Dieser Artikel ist erschienen am 26.05.2006