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EADS holt Technologievorstand

Von Markus Fasse
EADS bekommt einen neuen Technologiechef. Der Amerikaner Jean J. Botti soll sich in Zukunft um die technische Entwicklung und die Innovationskraft des größten europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns kümmern. Doch sein Posten muss erst noch eingerichtet werden.
MÜNCHEN. Der 49-Jährige wird von München aus arbeiten. EADS Co-Chef Tom Enders hatte am Wochenende angekündigt, einen solchen Posten einzurichten. ?Mit der Berufung von Botti verstärkt die EADS ihre Konzentration auf Technologie und Innovation deutlich?, sagten die beiden EADS-Vorstandschefs Enders und Noël Forgeard. Botti kommt vom Autozulieferer Delphi, wo er eine ähnliche Aufgabe hatte.Seine Laufbahn begann er 1978 bei Renault. Später blieb er in Frankreich und studierte an der Universität von Toulouse, bevor er in die USA ging. Dort blieb er 17 Jahre lang und hatte bei Delphi zahlreiche Führungsaufgaben in Konstruktion und Entwicklung inne. Im Jahr 2002 übernahm er dort als Chef-Technologe die Leitung des neu gegründeten Innovationszentrums für Antriebe. Mittlerweile ist die Zukunft des weltgrößten Automobilzulieferers höchst ungewiss. Delphi hat Insolvenz angemeldet.

Die besten Jobs von allen

Bei EADS erwarten den Neuen andere Probleme. Der Konzern hat Aufträge in Höhe von rund 250 Milliarden Euro in den Büchern und ist rechnerisch auf Jahre hinaus ausgelastet. Die Aufträge stapeln sich vor allem bei der Flugzeugtochter Airbus, aber auch bei Eurocopter und der Verteidigungssparte. ?Unsere Aufgabe ist es, dieses Auftragsbuch in profitables Wachstum umzusetzen?, sagte jüngst Co-Konzernchef Enders, der sich effizientere Prozesse im Konzern wünscht.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kooperationen mit Russland und China sollen die Ressourcen mittelfristig erweitern ? allerdings ohne zu viel Technologie preiszugeben.Airbus produziert zwar effizienter als der amerikanische Erzrivale Boeing, bekommt aber zunehmend Schwierigkeiten, die engen Zeitpläne einzuhalten. So wird das Flaggschiff, der Riesenairbus A380, erst Ende des Jahres ausgeliefert, sechs Monate später als geplant. Vor allem die Entwickler kommen mit der Arbeit kaum noch nach. Nach harscher Kundenkritik will Airbus nun auch sein Großraumflugzeug A 350 noch einmal überarbeiten.Zusätzlich entwickelt der Konzern den Militärtransporter A400 M und baut den Eurofighter für die Bundeswehr. ?Wir suchen händeringend Ingenieure?, klagt Enders. Kooperationen mit Russland und China sollen die Ressourcen der EADS mittelfristig erweitern ? allerdings ohne zu viel Technologie preiszugeben.Zum anderen soll der neue Technologiechef Botti die Forschung koordinieren. Umweltauflagen und steigende Spritpreise sind für die Flugzeughersteller die Herausforderungen der Zukunft. So lösen Verbundstoffe den traditionellen Werkstoff Aluminium derzeit ab.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.04.2006