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EADS bindet Airbus enger an den Konzern

Der EADS-Konzern hat die Führung bei seiner Tochter Airbus weiter gestärkt und den europäischen Flugzeughersteller personell noch kürzer angebunden. Airbus-Chef Leo Gallois, der zugleich EADS-Co-Chef ist, erhält Unterstützung, um den Flugzeugbauer aus der Krise zu führen.
dpa PARIS/AMSTERDAM. Der EADS-Konzern hat die Führung bei seiner Tochter Airbus weiter gestärkt und den europäischen Flugzeughersteller personell noch kürzer angebunden. Airbus-Chef Leo Gallois, der zugleich EADS-Co-Chef ist, erhält Unterstützung, um den Flugzeugbauer aus der Krise zu führen.Im Tagesgeschäft hat der bisherige Eurocopter-Chef Fabrice Brégier die Leitung übernommen. Zudem wird EADS-Finanzchef Hans Peter Ring (55) mit Wirkung zum 1. Januar 2007 auch das Finanzressort von Airbus führen.

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Die Verzögerungen bei der Auslieferung des weltgrößten Passagierflugzeugs A380 unter anderem wegen Schwierigkeiten bei der Verkabelung reißen ein Milliardenloch in die Airbus-Kassen. Zudem profitiert Erzkonkurrent Boeing von ersten Ausweichbestellungen. Bei dem Super-Airbus stehen die letzten Tests vor der technischen Zulassung an. Dazu gehört ein Flug um die Welt unter Aufsicht von Piloten der europäischen und amerikanischen Zulassungsbehörden. Als erste Fluggesellschaft soll Singapore Airlines den A380-Jet nunmehr im Oktober 2007 erhalten.Der 45-jährige Brégier, der seit 2003 an der Spitze des Hubschrauberherstellers Eurocopter stand, war bereits als Nachfolger der beiden letzten Airbus-Chefs, Noël Forgeard und Gustav Humbert, im Gespräch gewesen. Allerdings stand seinem Aufstieg an die Airbus- Spitze bisher der Wunsch der Franzosen entgegen, die Führung von Eurocopter nicht an die deutsche Seite abgeben zu müssen. Christian Streiff, der zurückgetretene Vorgänger von Gallois, hatte den Posten als Airbus-Chef nach nur drei Monaten wieder aufgegeben ohne einen Geschäftsführer zu ernennen. Der neue Eurocopter-Chef ist nun Lutz Bertling (44), der erst im April Eurocopter-Deutschland-Chef wurde.Die veränderten Managementstrukturen sollen die Transparenz erhöhen und die Berichterstattungsmängel zwischen EADS und Airbus abstellen, die zu dem A380-Debakel beigetragen haben. Seit kurzem ist EADS alleiniger Eigentümer von Airbus, was die Anbindung an den Konzern erleichtert. Als Konsequenz aus der Krise werden künftig auch die beiden EADS-Co-Chefs Thomas Enders und Gallois den EADS- Verwaltungsratsvorsitzenden Manfred Bischoff und Arnaud Lagardère regelmäßig über den Fortgang aller wichtigen Projekte, Programme und wichtiger Angelegenheiten im Konzern berichten. Dem bisherigen Airbus-Finanzchef, Andreas Sperl (59), soll innerhalb der EADS-Gruppe eine neue Verantwortung übertragen werden.Airbus startet am 13. November seine letzte Testphase vor der technischen Zulassung des Großraumflugzeugs A380. Der Riesenjet muss verschiedene Funktions- und Sicherheitstests bestehen und insgesamt 150 Flugstunden absolvieren, teilte Airbus in Toulouse mit. Die Tests werden mit vier A380-Maschinen geflogen, die zehn Flughäfen anfliegen werden, darunter Singapur, Seoul, Hongkong, Peking und Schanghai. Bei dem letzten Test handelt es sich um einen Flug um die Welt, der am 26. November von Toulouse nach Johannesburg, Sydney und Vancouver startet. An den Versuchen nähmen Piloten der Zulassungsbehörden Easa und FAA teil. Die vier Testflugzeuge haben bisher rund 2 300 Flugstunden absolviert. Bisher wurden 176 A380-Maschinen von 16 Kunden fest bestellt.
Dieser Artikel ist erschienen am 31.10.2006