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Weg durch den Floskel-Dschungel
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Arbeitszeugnis

Durchblick im Floskel-Dschungel

Lisa Rossel, wiwo.de
Egal ob sie Praktikanten, Angestellte oder Führungskräfte beschreiben: Arbeitszeugnisse geben oft Rätsel auf. Was die typischen Floskeln bedeuten.
Mal naht das Ende eines Praktikums, mal der letzte Arbeitstag beim bisherigen Arbeitgeber – ein bisschen Bammel vor dem Arbeitszeugnis hat jeder. Egal, wie gut die Leistung war.

Denn das Dokument kann großen Einfluss auf künftige Anstellungen haben. Und dann erst diese typische Zeugnissprache voller Floskeln.

Es ist immer dasselbe: Arbeitnehmer nutzen bestimmte Formulierungen, um die Leistung ihrer Mitarbeiter zu beurteilen. Wie so oft steckt der Teufel jedoch im Detail. Kleine Nuancen bedeuten oft große Unterschiede.

Ein Beispiel:


  • "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit": Dahinter verbirgt sich eine sehr gute Leistung.
  • "stets zu unserer vollen Zufriedenheit": Hier hat jemand nur gute Arbeit geleistet.
  • "zu unserer vollen Zufriedenheit" ist der Ausdruck für eine befriedigend verrichtete Arbeit.
  • "zu unserer Zufriedenheit" klingt nicht schlecht, beschreibt aber nur eine ausreichende Leistung.
  • "insgesamt zu unserer Zufriedenheit": Das ist die Floskel für eine mangelhafte Leistung.

Rechtliche Regeln


Nun soll das Zeugnis eigentlich ein zutreffendes Bild des Arbeitnehmers und seiner Leistungen vermitteln. "Wir gehen vom wohlwollenden Arbeitgeber aus, der den Arbeitnehmer in seiner beruflichen Weiterentwicklung nicht behindert", erklärt Volker Görzel, Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Rechtlich geregelt sind auch die Formalitäten. So muss das Zeugnis auf Deutsch erstellt werden und darf keine Rechtschreibfehler enthalten. Es muss außerdem auf fleckenfreies Geschäftspapier gedruckt werden. Verschickt der Arbeitgeber es per Post, darf er es nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes knicken.

Als Ausstellungsdatum gilt der letzte Tag des Arbeitsverhältnisses. Stellt der Arbeitgeber es erst später aus, beispielsweise wegen eines längeren Rechtsstreits, muss er es zurückdatieren. Unterzeichnet wird es vom Vorgesetzten.

Nicht zufrieden?


Doch immer wieder kommt es vor, dass die Betroffenen unzufrieden mit ihrer Bewertung sind. In diesem Fall könnte man versuchen, den Arbeitgeber zu einem besseren Zeugnis zu überreden. Falls das nicht klappt, bleiben noch ein paar Möglichkeiten.

Bei Streitigkeiten innerhalb des Unternehmens können Sie den Betriebsrat einschalten. Wenn Sie die Firma verlassen, können Sie beim Arbeitsgericht eine Berichtigungsklage einreichen. Sie tragen dann allerdings die Beweislast, dass Sie ein überdurchschnittliches Zeugnis verdienen. Umgekehrt muss der Arbeitgeber auch beweisen, dass Sie nur eine unterdurchschnittliche Note verdienen.

Görzel rät aber von einer Klage ab: "Es ist sehr aufwändig und kompliziert, einen Richter davon zu überzeugen, warum man ein gutes oder schlechtes Zeugnis verdient hat."

Zur Freude der Arbeitnehmer stellen Arbeitgeber meistens aber ohnehin ein gutes Zeugnis aus – um Ärger und hohe Prozesskosten zu vermeiden.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de



Dieser Artikel ist erschienen am 28.10.2014