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Du sollst nicht langweilen

Auf lieblose Mappen, langatmige Lebenslaufprosa und Wischiwaschi im Vorstellungsgespräch reagieren Personaler allergisch. Die sieben Todsünden der Bewerber und wie Sie es besser machen.
Sie nehmen Urlaub vom Bewerben
Der arbeitende Partner von Franziska M. meint, um die Weihnachtszeit sei anzeigenmäßig sowieso nichts los. Zwei Wochen Skispaß in Reit im Winkl seien da allemal drin.

Arbeitslose nehmen in ihrem Urlaubs- und Freizeitverhalten gern an den Beschäftigten Maß. Doch Zeiten, in denen sich anscheinend niemand bewirbt, sind Zeiten, wo die Ansprechpartner in Firmen eher erreichbar sind und Jobsuchenden ein bisschen mehr Aufmerksamkeit widmen. Nutzen Sie die Bewerberflaute. Dass die Konkurrenz sich auf der Skipiste tummelt, könnte Ihre Chance sein


Sie vernachlässigen Ihre Mappe
193 Minuten saß Diplom-Volkswirtin Lena F. an ihren Bewerbungsunterlagen, die sie schon seit 63 Tagen unverändert einsetzt.

Die telefonische Ansprache von Jobanbietern klappt von Mal zu Mal besser. Mit dem Gespräch vorab ist der Individualität Genüge getan, denken sich viele. Wozu dann noch die schriftlichen Unterlagen mühsam umsortieren? "Die passen sowieso", denkt sich auch Lena und tütet gedankenlos ein. Effektiv bewerben aber heißt, seine Präsentation jedem Unternehmen neu anzupassen, sie zu justieren und exakt auf die jeweiligen Erwartungen zuzuschneiden

Die besten Jobs von allen



Sie bringen sich nicht auf den Punkt
Auf die Frage, was sie denn beruflich so macht, antwortet die frisch gebackene Kommunikationswissenschaftlerin Ilka M.: "Ich bin arbeitslos."

Was jemand macht, bestimmt die berufliche Identität. Für Dritte ist Ilka erst einmal das, was sie sagt, wer sie ist. Personaler fragen Bewerber nach ihrer Tätigkeit, um sie einzuordnen. Und sie erwarten eine ebenso knappe wie klare Antwort. Sagen Sie also nicht: "Ich bin arbeitslos." Auch nicht: "Ich bin arbeitsloser Marketingexperte." Sagen Sie mit fester Stimme: "Ich bin Marketingexperte." Arbeitslosigkeit ist kein Beruf.
Regel zwei: Problematisieren Sie nicht. Wer Bewerber nach ihrem Berufsprofil fragt, will nicht über kryptischen Antworten brüten. "Ich bin eigentlich Biochemikerin, aber zurzeit helfe ich im Sekretariat aus" signalisiert, dass Sie weder Biochemikerin noch Sekretärin sind.
Gute Selbstvermarkter definieren sich unmissverständlich und kurz. Jedes Ego lässt sich auf einen Drei-Worte-Satz verdichten. Und warum nicht als Studierende verkünden: "Ich bin angehende Kauffrau.


Sie haben keine Story
Aufgefordert, von sich zu erzählen, leiert Rechtsanwalt Ulrich D. im Vorstellungsgespräch die Stationen seines Lebenslaufs herunter.

Keine erfolgreiche Selbstvermarktung ohne eigene Story. Wer nach dem bisherigen Werdegang fragt, verlangt nach Held oder Heldin, nach einer durchgehenden Linie, nach Spannung, Witz und einem prima Ende. Aussichtsreiche Kandidaten starten mit einem kritischen Moment der Entscheidung und landen stets im Hier und Jetzt des Jobinterviews


Sie lassen sich ansprechen
Jungingenieur Jonathan B. startet seine Charme-Offensive gern mit "Ihr Jobangebot hat mich besonders angesprochen".

Jonathan leistet den verbalen Offenbarungseid als Selbstvermarkter. Echte Leistungsanbieter reagieren nicht auf Anforderungsprofile mit dem Hinweis, dass sie darauf passen. Sie gehen von ihrem Leistungsprofil aus und extrahieren daraus ihr Angebot an den potenziellen Arbeitgeber. Es ist der Jobanbieter, der nicht umhin kann, sich angesprochen zu fühlen. Vielleicht bewerben Sie sich ja auf eine Offerte - doch der Arbeitgeber soll erkennen, dass Sie die Initiative ergreifen


Sie sehen die andere Seite nicht
Elke W., Absolventin der Ravensburger Berufsakademie, setzt allen Ehrgeiz daran, eine kreative Bewerbung zu verfassen, die sich unheimlich abhebt.

Alles, was Bewerbern einfällt, haben Personaler schon gesehen. Wer sichtet eine Präsentation zuerst? Eine überarbeitete Führungskraft, die keine Zeit hat. Oder eine angelernte Hilfe, die auf Stichworte trainiert ist. Für wen man auch schreibt: Jede aufgeblasene Bewerbung platzt. Bewerben ist einfach nur zuarbeiten. Der servicebezogene Bewerber weiß, was Personaler wünschen. Er liefert umstandslos Informationen, die der Jobanbieter mühelos erfassen und abgleichen kann. Führen Sie sich nicht auf. Sagen Sie, was Sache ist


Sie verspielen Ihren Kredit
Peter H. ist beruflich so im Stress, dass er sein Jobinterview wie eine lästige Pflichtübung behandelt.

Sie lassen einen Termin platzen oder kommen zu spät. Sie haben im Interview Ihren Lebenslauf nicht im Kopf. Sie haben vergessen oder stehen nicht zu dem, was Sie vorab verkündet haben. Sie lassen spüren, dass Sie nicht gut drauf sind. Sie haben nichts über die Organisation recherchiert. Sie haben keine Ideen und keine Fragen. Wer seine eigene Bewerbung so wenig ernst nimmt, verspielt leichtfertig Jobchancen


Gerhard Winkler ist Bewerbungsberater. Er betreibt die Karriere-Webseite jova-nova.com und ist Autor von "Anders bewerben" und "Anders antworten", erschienen bei Smartbooks.
Dieser Artikel ist erschienen am 25.01.2005