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Drei Beispiel für Nebenjobber

Diana Dorow - 1. Job: Lehrerin, 2. Job: Double
Stefan Klähne - 1. Job: Bankberater im Privatkundengeschäft, 2. Job: Dozent, Moderator von Tanzveranstaltungen
Nadja Hummer - 1. Job: Management-Assistentin, 2. Job: selbstständige Anbieterin von Kochkursen
Diana Dorow

1. Job: Lehrerin, 2. Job: Double


Die besten Jobs von allen


Zwei Pistolen aus dem Real-Markt, ein wenig Krafttraining und etwas Tönung für die Haare - viel investieren für ihren Nebenjob musste Diana Dorow nicht. Den Rest bringt die Tochter einer Deutschen und eines Halbmongolen von Natur aus mit: dunkelbraune Augen, hohe Wangenknochen, geschwungene Augenbrauen. Die Lehrerin für Deutsch an der Fachschule für Informatik in Heidelberg doubelt in ihrer Freizeit Lara Croft.

Zuerst hatten ihre Schüler die Berlinerin auf die verblüffende Ähnlichkeit hingewiesen. Eine Freundin arrangierte den ersten Termin im Ludwigshafener Mediamarkt. Per Mundpropaganda ging's weiter. Inzwischen vermittelt auch eine Agentur das Double: "Wir treten oft im Dreierpack auf, Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger und ich." Die Aufgabe ist eher schlicht: für Fotos posieren, Autogramme schreiben.

Das kann allerdings schon mal anstrengend werden, wie bei der Spielemesse Game Convention in Leipzig 2002, die 90.000 Besucher zählte. "Da hatte ich nicht mal Zeit, auf Toilette zu gehen." Es war der Höhepunkt ihrer Double-Karriere, denn hier präsentierte sie der Spielehersteller Eidos als "unsere echte" Lara Croft in Deutschland, obwohl der internationale Konzern eigentlich ein eigenes Lara-Model aus den Niederlanden hat.

Und was sagen ihre Schüler dazu, allesamt Erwachsene, die am Berufsförderungswerk umschulen? "Anfangs hatte ich Angst, dass die Autorität leiden könnte", sagt Diana. "Das ist aber überhaupt nicht der Fall, im Gegenteil, die prahlen bei ihren Familien damit, dass sie von Lara Croft unterrichtet werden." Und damit die Autorität erhalten bleibt, lehnt sie Auftritte auf Erotikmessen strikt ab - "das würde sowieso nicht zu Lara passen." Stefan Klähne

1. Job: Bankberater im Privatkundengeschäft, 2. Job: Dozent, Moderator von Tanzveranstaltungen


Wasseruhren ablesen, kellnern, kassieren - schon als Schüler hat Stefen Klähne ständig gejobbt. Und gelernt, seine Zeit gut zu organisieren. Er kriegt alles auf die Reihe: Hauptjob, nebenberufliches Studium, Nebenjobs - "und dann geh ich natürlich auch noch mit meinen Freunden Siedler spielen"

Der 27-Jährige arbeitet im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank in Mainz. Während er selbst noch nebenbei BWL an der FH Mainz studierte, stand er bei der Bankakademie schon mit dem Rücken zur Tafel und unterrichtete Volkswirtschaft: sechs Mal drei Schulstunden pro Semester, jeweils freitagabends. Seit ein paar Monaten hat er sein Diplom und unterrichtet nun auch noch an der Hochschule für Bankwirtschaft in Frankfurt und an der FH Mainz. Finanziell ist das nicht uninteressant. Vor allem aber "macht es Spaß. Und ich bin gezwungen, mich ständig auf dem Laufenden zu halten. Sonst ist es eher schwierig, sich nach einem langen Arbeitstag wirklich noch mit Fachliteratur zu beschäftigen, statt einfach abzuhängen.

Ganz ohne Honorar macht Klähne noch einen Nebenjob: Er moderiert Tanzveranstaltungen. Schon mit 17 Jahren war er kaum aus der Tanzschule wegzubekommen, obwohl er deshalb beinahe sitzengeblieben wäre. "Auf einen Jungen kamen damals drei tanzwütige Mädchen. Und noch immer ist es eine gute Gelegenheit, jemanden kennen zu lernen." Nadja Hummer

1. Job: Management-Assistentin, 2. Job: selbstständige Anbieterin von Kochkursen


Turbulent geht es schon in Nadja Hummers Hauptjob zu. Ihr Chef ist Manager der Toten Hosen und betreibt außerdem noch die beiden In-Places Malkasten und MK2 in Düsseldorf. Aber der Bürojob reicht der 32-Jährigen, die bei der AEG in Essen Industriekauffrau gelernt hat, trotzdem nicht. "Ich hab mir mehr Handwerklichkeit gewünscht", sagt sie. Darum zeigt sie seit zwei Jahren in ihrem eigenen Kochshop in Düsseldorf, wie man Lachsforelle und Perlhuhnbrust in Köstlichkeiten verwandelt

Ergeben hat sich das eher zufällig: "Bei mir in der Gegend ist ein Ladenlokal frei geworden, und ich habe mich gefragt, ob man daraus nicht was machen könnte."

Sie hat das Geschäft angemietet, obwohl sie es nur ein bis zweimal die Woche am Abend nutzt. Inzwischen sind die Kurse auf Monate im voraus ausgebucht. Die Einnahmen reichen dennoch gerade, um die Kosten zu decken. Warum macht sie es dann? "Aus Spaß" - auch wenn es Nadja Hummer, die keine Frühaufsteherin ist, manchmal hart ankommt, morgens schon vor der Büroarbeit für das Kochen einzukaufen

Ihren Hauptjob will sie auf keinen Fall reduzieren, weil ihr auch der viel Spaß macht. Eher kann sie sich vorstellen, ihr Nebengeschäft mit den Kochkursen noch auszubauen, und dafür einen Partner mit in die Küche zu nehmen

Dieser Artikel ist erschienen am 28.03.2003