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Drei Amigos für ein Halleluja

Von Frank Siering, Los Angeles
Es war ein Schwelgen und ein Jubeln, damals, 1994. ?Drei Amigos? nannte man das Team, das in Hollywood alles anders machen wollte: Jeffrey Katzenberg, Steven Spielberg, David Geffen. Helden ihrer Branche, unschlagbar, alle drei Milliardäre. Doch zehn Jahre später stehen die Entertainment-Stars vor den Trümmern ihres Studio Dreamworks.
SKG Dreamworks trug die Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen im Titel, es sollte das Spielzeug dreier Entertainment-Manager werden, die alles erreicht hatten und deshalb nur gewinnen konnten. Filme mit Niveau, richtige Geschichten, keine Gewalt, wenig Action, das sollte Dreamworks schaffen. ?Ein Traum wird wahr?, titelten die Branchenblätter.Zeitensprung ? elf Jahre später. Die Amigos sitzen noch immer gemeinsam in ihren Feng-Shui-Büros im kalifornischen Glendale. Der Springbrunnen im Garten plätschert friedlich vor sich hin. Aber hinter den Türen der Executive Offices kriselt es: der erhoffte Sommerhit ?Madagascar? gefloppt, zwei Gewinnwarnungen der börsennotierten Trickfilm-Tochter in drei Monaten, schlappe DVD-Verkäufe, Untersuchungen der Börsenaufsicht SEC. Der Umsatz fiel innerhalb von zwei Jahren um rund ein Drittel auf 1,78 Milliarden Dollar.

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Steven Spielberg, Hollywoods mächtigster Filmregisseur, möchte von alldem am liebsten gar nichts wissen. Er arbeitet wie ein Pferd, hat gerade mit Tom Cruise ?War of the Worlds? in die Kinos gebracht und ist gleich weiter nach Europa geflüchtet, um in München den Anschlag auf die Olympischen Spiele von 1972 in einen Hollywood-Blockbuster zu verwandeln.Der Herr der großen Filme ist es nicht gewohnt, mit Skandalen in Verbindung gebracht zu werden. Er möchte zu den Problemen bei Dreamworks nichts sagen. Das überlässt er anderen. David Geffen, Musik-Mogul ohne Uniabschluss, Gründer von Geffen Music und Duz-Freund von Bill Clinton, hat bis vor kurzem mit ganz anderen Schwierigkeiten kämpfen müssen. Nach 22 Jahren und unzähligen Gerichtsprozessen musste der als Dickkopf bekannte Geffen die Tore seines Privatstrands in Malibu der Öffentlichkeit öffnen.?Der Beißer?, wie er in Hollywood gerufen wird, soll hinter den Kulissen mit dem Finger auf Jeffrey Katzenberg zeigen. Ein Schuldiger muss her. Bei Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf. Also ist alles klar: Jeffrey Katzenberg also hat Schuld. Als Querkopf ist er ja bekannt, seit er mit Michael Eisner von Paramount zu Disney ging und Eisner dann, als der schon Chef des Mauskonzerns war, Mitte der 80er auf 250 Millionen Dollar verklagte, weil er ihn nicht beförderte. Oder?Katzenberg zumindest soll seinen Geschäftsfreunden eine gehörige Portion des Schlamassels eingebrockt haben. Während das Stammhaus weiter in privater Hand liegt, brachte Katzenberg ohne rechte Absprache mit Spielberg und Geffen die Animations-Abteilung im Herbst 2004 an die Börse. Angeblich, weil der Ausstoß an Zeichentrickfilmen so immens war, dass nur eine eigene Firma das Risiko tragen konnte. Zum Teil zehn Streifen gleichzeitig ließ Katzenberg produzieren, angespornt durch den Erfolg von ?Shreck?. Zwölf Filmveröffentlichungen sind für die nächsten fünf Jahre geplant bei Dreamworks Animation. Im Vergleich: Disney bringt in der Regel alle zwei Jahre einen Zeichentrickfilm auf den Markt, Pixar bringt es in 18 Monaten auf einen Streifen. ?Das Tempo ist höllisch schnell. Zu schnell?, heißt es hinter vorgehaltener Hand aus dem Dreamworks-Management.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Aktie stürzte von 40 auf 24 DollarSchon im Frühjahr wurde klar, dass etwas nicht stimmt: Die DVD-Verkäufe von ?Shrek? und ?Shrek II? waren enttäuschend, die Aktie stürzte von 40 auf 24 Dollar. Und dann die Geschichte mit Paul Allen. Der Mitbegründer von Microsoft und enge Spielberg-Freund ist einer der Hauptinvestoren bei Dreamworks. Im November vergangenen Jahres verkaufte Allen mehr als vier Millionen Anteile der Animationsabteilung für 137 Millionen Dollar. Wusste er, dass der Kurs fallen würde? Zum Beispiel, weil die angekündigten Verkaufszahlen der ?Shrek II?-DVD vollkommen überzogen waren? Ebenso wie einige Dreamworks-Führungskräfte, die wenige Wochen vor Bekanntgabe der miesen Zahlen verkauften? Die SEC versucht, diese Fragen zu beantworten.In Hollywood rumort es: Mit der Freundschaft der drei Amigos soll es vorbei sein , zerbrochen am übertriebenen Arbeitseifer Katzenbergs in Sachen Trickfilm. ?Blödsinn?, faucht Katzenberg. ?Sicher, was wir vorhaben, hat zuvor noch niemals jemand gewagt. Aber ich habe immer gesagt: Zeig mir das Unmögliche, und ich mache es möglich.? Es sind die Töne eines Feldherrn. Töne, die einer wie Spielberg nicht mag. Er bevorzugt den leisen Umgang mit Worten, die Bescheidenheit der Violine und nicht das laute Posaunen der Trompete.Nun allerdings scheint auch einer wie Spielberg plötzlich nervös zu werden. Am Donnerstag startet in den deutschen Kinos ?Die Insel? von Action-Regisseur Michael Bay (?Pearl Harbor?). Ein Streifen, der so überhaupt nicht dem Geschäftsmodell von Dreamworks entspricht: Action pur, plumpe 9/11 -Referenzen, computergenerierte Effekte. ?Ein Debakel?, ätzt Kritiker Roger Friedman von Fox News. Der Film fällt eigentlich in den Bereich von Geffen, der unter Aufsicht von Steven Spielberg die Live-Action-Abteilung verantwortet. Aus der kamen bisher Filme wie ?Gladiator? oder ?American Beauty?, die von Kritik wie Publikum gleichermaßen bejubelt wurden.Geffen und Spielberg seien angeblich vor der Produktion von ?Die Insel? im Streit auseinander gegangen, ist aus dem Hause Dreamworks zu hören. Wollte Spielberg doch den Film nicht unterstützen. Beißer Geffen hat sich anscheinend durchgesetzt und weitere Reibungsfläche geschaffen. Und so wartet die klatschfreudige Filmmetropole Los Angeles mit Spannung auf diese Woche. Am Freitag nämlich wurde der Verwaltungsrat von General Electric über den Verhandlungsstand eines Großprojektes seiner Filmtochter NBC Universal informiert: den Kauf von SKG Dreamworks für eine Milliarde Dollar.Der Traum der drei Amigos, anders zu sein als andere, scheint vorbei. Ihr Baby könnte in die Geschichte eingehen als großer Name, der nach einer Fusion verschwand. So wie viele andere zuvor.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.08.2005