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Dormann will bei ABB weiter mitmischen

Von Oliver Stock
ABB-Chef Jürgen Dormann wird ab 2005 seinen Posten als Konzernchef an Fred Kindle übergeben. Als Verwaltungsratchef möchte er jedoch besonders bei Akquisitionen weiter mitreden.
ZÜRICH. Die Aufgabe als CEO wird er aber zum Jahreswechsel an Fred Kindle übergeben. Kindle ist bislang Chef des deutlich kleineren Industriegüterkonzerns Sulzer. Er wird im September sein Büro bei ABB beziehen.Über strategische Fragen führe er mit Kindle bereits jetzt einen Dialog, sagte Dormann. Für ihn diese Zusammenarbeit selbstverständlich: ?In einer Schweizer Gesellschaft hat der Präsident des Verwaltungsrats natürlich Einfluss auf strategische Entscheidungen.?

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ABB hatte in den vorigen drei Jahren unter der schwachen Konjunktur und wiederholten Restrukturierungen gelitten und hohe Verluste ausgewiesen. Im ersten Quartal 2004 zeigte ein bescheidener Nettogewinn von vier Mill. Dollar, dass die Wende immerhin geschafft ist. Dormann ist für das zweite Quartal optimistisch und peilt für das Gesamtjahr schwarze Zahlen an.Trotz der Besserung schlägt Dormann beim Thema Zukäufe vorerst einen vorsichtigen Kurs ein. Dies erwartet er auch von seinem Nachfolger. ?Die nächsten zwei Jahre gibt es keine größeren Akquisitionen?, sagte er. Zunächst wolle er vier Quartale hintereinander positive Zahlen schreiben, das Rating verbessern, und schließlich hätten auch die Aktionäre Anspruch auf eine Dividende.Was das Rating anbelangt, kommt ABB Dormanns Zielvorstellungen ein Stück näher: Die Ratingagentur Moody's hat ihre langfristige Einschätzung für die Schweizer jüngst von Ba3 auf Ba2 hochgestuft. Moody's geht dabei von steigenden Erträgen im Kerngeschäft und einem Abbau der Schulden aus.Sind diese Ziele erreicht, will Dormann ? dann in seiner Funktion als Verwaltungsratspräsident ? sich auch für Zukäufe stark machen. Konkret nennt er Teile des französischen Energiekonzerns Alstom, die für ABB von Interesse sind. Die EU hatte jüngst den Rettungsplan der französischen Regierung für Alstom nur unter der Auflage genehmigt, dass die Franzosen Teile von Alstom innerhalb der nächsten vier Jahre verkaufen. ABB ist laut Dormann aber nur an Teilen interessiert, die zu den Kerngeschäften der Schweizer ? Automatisierung und Energietechnik ? passen. Dormann nennt den Bereich Turbinen, die er in seine Pläne einbezieht.Zwei Probleme will Dormann noch selbst erledigen, bevor es sich vom Tagesgeschäft zurückzieht: ABB versucht seit Jahren, in Amerika einen Vergleich mit den Opfern von durch Asbest ausgelösten Krankheiten zu erzielen. Der Prozess sei ?noch nicht auf der Ziellinie?, er rechnet aber damit, dass sich das Thema noch 2004 erledige. Genauso versucht er beim Verkauf von ABB-Sparten voranzukommen, die nicht zu den Kernbereichen des Konzerns zählen. Die Gebäudetechnik in Deutschland soll nach einem einschneidenden Umbau bis Jahresende verkauft werden.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.06.2004