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Doppelte Haushaltsführung

Markus Kahr
Wochenendbeziehungen kosten: in Zügen verbrachte Zeit, in langen Staus verbrauchte Nerven - und viel Geld, das für Zweitwohnung, Einrichtung und Heimfahrten draufgeht. Bei den Finanzen hat der Fiskus ein Einsehen: Er erkennt die Kosten für eine beruflich bedingte doppelte Haushaltsführung steuermindernd an.
Wochenendbeziehungen kosten: in Zügen verbrachte Zeit, in langen Staus verbrauchte Nerven - und viel Geld, das für Zweitwohnung, Einrichtung und Heimfahrten draufgeht.

Bei den Finanzen hat der Fiskus ein Einsehen: Er erkennt die Kosten für eine beruflich bedingte doppelte Haushaltsführung steuermindernd an - zwar nur für zwei Jahre, aber immerhin. Ein Haushalt wird immer dann als "doppelt" akzeptiert, wenn der Arbeitnehmer außerhalb des Ortes, an dem er einen eigenen Hausstand unterhält, arbeitet und dort eine Zweitwohnung unterhält.

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Das Finanzamt akzeptiert bei der Hauptwohnung aber keine Mogelpackungen: Es erwartet eine eingerichtete Miet- oder Eigentumswohnung, in der man die Haushaltsführung wesentlich mitbestimmt. Die Wohnung muss den Mittelpunkt der Lebensinteressen bilden. Ein akzeptables Indiz ist eine gemeinsame Wohnung mit Partner oder Familie sowie Mitgliedschaften in ortsansässigen Vereinen. Wenn die Eltern und der Freundeskreis am alten Ort wohnen, zählt das auch - besonders für Singles ein wichtiger Aspekt. Als Zweitwohnung am Beschäftigungsort kommt jede Unterkunft in Betracht, egal ob zur Miete oder Eigentum, Hotelzimmer oder Bundeswehrkaserne.

Als steuermindernd erkennt das Finanzamt dann folgende Kosten an:

Verpflegungsmehraufwendungen

Für jeden Tag fern der Hauptwohnung werden für maximal drei Monate zeitlich gestaffelte Tagessätze anerkannt: Bei einer 24-stündigen Abwesenheit werden 24 Euro angesetzt, zwischen 14 und 24 Stunden zwölf Euro und zwischen acht und 14 Stunden sechs Euro.

Aufwendungen für die Zweitwohnung

Hier akzeptiert die Finanzverwaltung für längstens zwei Jahre die tatsächlichen Kosten für die Wohnung. Ist diese gekauft, gelten die Aufwendungen nur dann als notwendig, wenn man als Mieter für eine vergleichbare Wohnung nahezu identische Kosten zu tragen hätte. Steuermindernd wirken sich Miete, Strom und Heizung, bei Wohneigentum auch Abnutzung, Hypothekenzinsen und Reparaturkosten aus. Auch Einrichtungsgegenstände und Hausrat kann man geltend machen. Maximal abzugsfähig sind pro Zimmer 184 Euro, je Nebenraum 61 Euro.

Kosten für eine wöchentliche Heimfahrt

Zwei Jahre lang akzeptiert der Fiskus eine Heimreise pro Woche in der tatsächlich angefallenen Höhe oder pauschal mit 0,36 Euro pro Kilometer (ab dem elften Kilometer 0,40 Euro). Alternativ kann man "auf Staatskosten" ein 15-minütiges Telefonat pro Woche führen.

Doppelte Haushaltsführung bei Singles

Arbeitnehmer, die am alten Wohnort zum Beispiel bei den Eltern wohnen und nachweisen können, dass der Ort Lebensmittelpunkt bleibt, können zeitweise in den Genuss dieses Werbungskostenabzugs gelangen: Für eine übergangszeit von drei Monaten nach Aufnahme der Beschäftigung am neuen Ort und für die Folgezeit dann, wenn sie für eine verhältnismäßig kurze Dauer am selben Ort beschäftigt werden oder - bei längerfristiger Beschäftigung - wenn sie umzugsbereit sind, aber keine angemessene Wohnung finden.

Kilometergeld als Alternative

Wenn zum Beispiel ein Arbeitnehmer öfter als ein Mal pro Woche nach Hause fährt, kann es günstiger sein, auf den Steuervorteil des doppelten Haushalts zu verzichten. Stattdessen wird das Kilometergeld mit den Pauschalen von 0,36 und 0,40 Euro pro Kilometer als Werbungskosten geltend gemacht. Dieses Vorgehen empfiehlt sich auch nach Ablauf der Zweijahresfrist, wenn der doppelte Haushalt steuerlich wegfällt.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.01.2002