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Döpfner erfüllt Springers Traum

Der Einstieg ins Fernsehgeschäft war immer der große Traum des großen Verlegers Axel Springer. Konzernchef Mathias Döpfner hat dieses große Ziel nun mit der Übernahme des größten deutschen TV-Konzerns Pro Sieben Sat1 erreicht.
Springer-Chef Mathias Döpfner. Foto: dpa
HB FRANKFURT. Der mit dem Pro Sieben Sat1-Hauptaktionär Haim Saban ausgehandelte Milliarden-Coup macht den Springer-Verlag aber nicht zur Nummer Eins unter den deutschen Medienkonzernen: Der Gütersloher Medienriese Bertelsmann ist seinem Konkurrenten gemessen am Umsatz noch um einiges voraus.Dennoch: Döpfner, der als einziges Kind eines Architekten in Offenbach und Frankfurt aufwuchs und seine journalistische Karriere als freier Mitarbeiter der ?Offenbach Post? begann, erreicht mit der Übernahme des Münchener TV-Konzerns nicht nur ein persönliches Ziel. Er erfüllt damit auch den Traum des 1985 verstorbenen Verlagsgründers Axel Springer, der den mittlerweile größten europäischen Zeitungsverlag auf den Fernsehbereich ausweiten wollte. Bertelsmann mit seiner TV-Senderfamilie RTL Group verfolgt die Strategie eines integrierten Medienkonzerns bereits seit Jahren.

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Bei Bertelsmann hat Döpfner, der Musikwissenschaft, Germanistik und Theaterwissenschaft studiert hat, Erfahrungen im Medienmanagement gesammelt. 1992 kam Döpfner zum Bertelsmann-Zeitschriftenverlag Gruner+Jahr (G+J) und wurde ein Jahr später persönlicher Assistent des damaligen Vorstandschefs Gerd Schulte-Hillen. Dieser übertrug ihm 1994 die Leitung der angeschlagenen Berliner ?Wochenpost?. Nach dem Verkauf des Blattes wechselte er konzernintern als Chefredakteur zur ?Hamburger Morgenpost?.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Bertelsmann den Rücken gekehrt1998 kehrte Döpfner Bertelsmann den Rücken und wurde Chefredakteur des defizitären Springer-Blattes ?Die Welt?. Unter seiner Führung verzeichnete das Flaggschiff des Konzerns zeitweise die höchsten Auflagenzuwächse aller deutschen Tageszeitungen. Im Dezember 1999 wurde Döpfner in den Springer-Vorstand berufen, 2001 wurde er in einer schwierigen Phase des Konzerns Vorstandschef: Springer schrieb erstmals seit Bestehen einen Verlust, der Umzug von Hamburg nach Berlin und die Zusammenlegung der Redaktionen von ?Welt? und ?Berliner Morgenpost? belasteten die Stimmung unter den Beschäftigten.Döpfner verordnete dem Unternehmen einen rigiden Sparkurs, in dessen Folge sich Springer bis Ende 2003 von 19 % seiner 14 000 Mitarbeiter trennte. Springer konzentrierte sich auf die Marktführerschaft im deutschsprachigen Kerngeschäft, die Digitalisierung der Printmedien und die Internationalisierung. Der Konzern trennte sich von vielen Aktivitäten und verkaufte Anteile an Tochterfirmen, was ab 2002 wieder Gewinne brachte.2003 verkaufte Springer die defizitäre Buchverlagsgruppe Ullstein-Heyne-List an Bertelsmann und stärkte zugleich die eigene Position in Osteuropa mit einer Tochter in Russland und der Boulevardzeitung ?Fakt? in Polen. Auf dem Höhepunkt der Branchenkrise in den Jahren 2002 und 2003 etablierte Springer im In- und Ausland 22 neue Zeitungen und Zeitschriften.Auch wenn Döpfner im Fernsehgeschäft bislang operativ keine Erfahrung gesammelt hat, ist er in der Branche kein Unbekannter: Mit einer im Januar 2002 ausgeübten Verkaufs-Option für ein Aktienpaket von 11,5 % an Pro Sieben Sat1 leitete der Springer-Chef das Ende des Medien-Imperiums von Leo Kirch ein. Eine Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban stieg danach bei Pro Sieben Sat1 ein. Nun hat sich Döpfner, dem gute Beziehungen zu Saban nachgesagt werden, mit den Investoren auf die Übernahme ihrer Anteile geeinigt.Ausgleich zu seiner Arbeit sucht Döpfner, der mit seiner Frau Ulrike in Potsdam lebt, gelegentlich als Bassist in Jazzbands. Der promovierte Musikwissenschaftler und frühere Musikkritiker der ?Frankfurter Allgemeinen Zeitung? hat ein Buch mit dem Titel ?Neue Deutsche Welle - Kunst oder Mode? geschrieben.
Dieser Artikel ist erschienen am 05.08.2005