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Do you speak Ausländisch?

Britta Domke
Vor der Ausreise sollte ein intensives Training in der Landessprache stehen. Besonders in ?exotischen" Ländern wie China oder Ägypten kommt man allein mit Englisch im Alltag kaum weiter.
Der Kanzler war beeindruckt: Als Helmut Kohl 1996 den türkischen Ministerpräsidenten Mesut Yilmaz zum Staatsbesuch empfing, konnte er mit seinem Gast problemlos auf Deutsch parlieren. Schließlich hatte Yilmaz einst in Köln studiert und seitdem seine Sprachkenntnisse frisch gehalten. Dafür gab es ein etwas verrutschtes Kompliment vom Kanzler: ?Er spricht besser Deutsch wie wir!“

Sich so gut wie der ehemalige türkische Ministerpräsident im Ausland zu verständigen – davon können angehende Expatriates meist nur träumen. Deshalb sollte vor der Ausreise ein intensives Training in der Landessprache stehen. Besonders in ?exotischen“ Ländern wie China oder Ägypten kommt man allein mit Englisch im Alltag kaum weiter. ?Wer nicht mehr als Guten Tag sagen kann, gewinnt auch keinen Zugang zur Kultur des Landes“, warnt Jochen Pleines, Leiter des Landesspracheninstituts Nordrhein-Westfalen. Die Schwierigkeiten im Alltag sind jedoch nur eine Seite der Medaille. Auch die Business-Kommunikation muss trainiert werden. Nur ein paar holprige Sätze mit den neuen Kollegen wechseln zu können, reicht bei weitem nicht für eine erfolgreiche Einarbeitung aus – von harten Verhandlungen ganz zu schweigen.

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Vor allem Großunternehmen haben erkannt, wie wichtig eine angemessene Vorbereitung ist: ?Bei den Global Players ist intensives Sprachtraining ganz selbstverständlich“, weiß Pleines. ?Die haben verstanden, welches Risiko – auch finanziell – es bedeutet, jemanden unvorbereitet ins Ausland zu schicken.“ So spendiert der Autozulieferer Sachs seinen Mitarbeitern einen 14-tägigen Crashkurs im Zielland, bei BASF kommt der Sprachlehrer zum Einzelunterricht ins Büro – oft mehrere Monate lang.

Der Unterricht beginnt idealerweise, sobald die Entsendung feststeht, spätestens aber drei Monate vor dem Abflugtermin. ?Wichtig ist, dass die sprachliche Vorbereitung zeitnah zur Ausreise passiert“, sagt Pleines. Ansonsten gehe das neue Wissen schnell wieder verloren.

Dass man vor dem Umzug nach Schanghai ein wenig Chinesisch, vor dem Umzug nach Rio etwas Portugiesisch lernen sollte, dürfte jedem klar sein. Doch auch im Ausland beherrscht man Fremdsprachen und verhandelt aus Rücksicht auf den Neuankömmling oft in Englisch oder Französisch. Auf seinem Schulwissen sollte sich jedoch niemand ausruhen. Wer auf einen Auffrischungskurs verzichte, begehe einen fatalen Irrtum, meint Pleines. Denn für erfolgreiche Verhandlungen benötigten Expatriates auch im Englischen eine Sprachkompetenz ?weit jenseits dessen, was man als Abiturient beherrscht“.

Bei BASF verschwendet man deshalb keine Zeit damit, angehende Japan-Expatriates in japanischer Konversation zu schulen. Statt dessen trainiert der Chemie-Riese seine Mitarbeiter in ?bedarfsorientierten Geschäftssituationen“ auf Englisch, berichtet Judith Krömeke, Projektleiterin in der Weiterbildung. So üben Marketingleiter Präsentationen zu leiten, und Techniker lernen, die Baupläne einer Anlage zu erläutern. Das hilft, peinliche Sprachpatzer zu vermeiden. So würde ein deutscher Prokurist, der sich bei seinen amerikanischen Geschäftspartnern als ?Procurer“ vorstellt, wohl einige Heiterkeit auslösen. Denn im US-Englisch bedeutet der Ausdruck unter anderem ?Zuhälter“.

Entscheidend für den Erfolg des Sprachtrainings ist die Wahl der richtigen Lernmethode und des richtigen Kurses. Generell gilt: Selbstlern-Bücher, Internet-Trainings oder Sprach-CD-Roms sind zwar ganz nett als Unterstützung, den Unterricht mit einem ausgebildeten Lehrer können sie jedoch niemals ersetzen. Und wenn die Sprache schnell sitzen müsse, dann seien auch ?softe“ Methoden wie Superlearning ungeeignet, betont Barbara Engler von der Aktion Bildungsinformation.

Sie hält den Kombi-Unterricht für die beste Lernmethode: ?Das ist Gruppenunterricht am Vormittag mit maximal acht Teilnehmern, und am Nachmittag Einzelunterricht, bei dem der Lehrer auf individuelle Lernprobleme eingehen kann.“ Etwa 40 bis 80 Mark kostet eine Stunde Einzelunterricht, Business-Sprachkurse können erheblich teurer kommen.

Mit dem Umzug ins Ausland ist der Spracherwerb noch lange nicht abgeschlossen. Denn in den ersten Monaten tauchen täglich neue Fragen und Verständnisprobleme auf. ?So schnell wie möglich eine Sprachschule suchen und weitermachen“, rät deshalb Pleines. Erst wenn die Fremdsprache verhandlungssicher sitzt, kann man etwas lockerer lassen mit dem Lernen: Well done, you’ve made it!
Dieser Artikel ist erschienen am 16.06.2001