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Distanzierung von Gewerkschaften

Akademiker und Hochqualifizierte werden künftig noch stärker auf Distanz zu den großen Gewerkschaften gehen und sich in kleinen berufsspezifischen Interessenvertretungen organisieren oder ihre Tarife auf eigene Faust aushandeln.
Akademiker und Hochqualifizierte werden künftig noch stärker auf Distanz zu den großen Gewerkschaften gehen und sich in kleinen berufsspezifischen Interessenvertretungen organisieren oder ihre Tarife auf eigene Faust aushandeln. Arbeitsmarktforscher rechnen damit, dass sich nach Piloten, Fluglotsen, Ärzten und Lokführern als nächstes auch Ingenieure, Konstrukteure und Beamte neu organisieren werden, berichtet karriere in seiner am 26. Januar erscheinenden Ausgabe.

?Der Trend, aus der gewerkschaftlichen Gesamtsolidarität auszubrechen, wird sich bei hoch spezialisierten Berufsgruppen wohl weiter fortsetzen?, sagte der Frankfurter Politikwissenschaftler Professor Josef Esser in karriere. Aufgrund ihres fachlichen Monopols sei es für sie leicht, vorteilhafte Abschlüsse zu erreichen

Die besten Jobs von allen


Die Ursachen sind vielfältig: Es geht um bessere Arbeitsbedingungen, Gehalt und Prestige. So bei den Ärzten. ?Wie kaum eine Berufsgruppe haben sie in letzter Zeit einen Statusverlust erlitten, den sie nun über Gehaltsforderungen kompensieren?, sagt Gewerkschaftsforscher Jörn Pyhel vom Hamburger Institut für Sozialforschung. ?Bei einer großen Gewerkschaft kämen sie damit nicht durch.?

Die sich verändernden Bedingungen des Arbeitsmarktes höhlen das Gewerk­schafts­system zusätzlich aus. Die Macht der Ingenieure etwa liegt in der großen Nachfrage im globalen Markt. Nach Ansicht von Pyhel werden die Separierungs­kräfte im Moment nur dadurch abgefangen, dass etwa der Managementnachwuchs außertariflich bezahlt wird. Auch die Föderalismusreform schafft im öffentlichen Dienst eine Zäsur

So ist es für den Frankfurter Wissenschaftler Josef Esser denkbar, dass bayerische oder baden-württembergische Lehrerverbände bald ihre eigenen Wege gehen. ?In Zukunft wird es für die Gewerkschaften immer schwerer, Belegschaften ganzer Wirtschaftsbranchen mit Augenmaß zu vertreten?, befürchtet der Hamburger Soziologe Pyhel.

Die Februar-Ausgabe von karriere erscheint am 26. Januar 2007.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.01.2007