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Diskreter Angreifer aus China

Von Markus Gärtner, Handelsblatt
Viel ist über die Ansichten des Top-Manns in Chinas junger Autobranche nicht bekannt. Hu Maoyuan meidet Interviews. Jetzt steht der Präsident der Shanghai Automotive Industry Company kurz davor, die Kontrolle über den britischen Konzern MG Rover zu übernehmen.
HB PEKING. Im Sommer unterzeichnete der 53-Jährige die Übernahme von Ssangyong Motor, Südkoreas viertgrößtem PKW-Hersteller. Jetzt steht Hu Maoyuan kurz davor, die Kontrolle über den britischen Konzern MG Rover zu übernehmen.Ein Coup, der Chinas Einstieg in Europa markiert und zeigt, wer Hu wirklich ist: Chinas Frontmann für die Internationalisierung seiner rasant wachsenden Autobranche. Die Verkaufszuwächse stürzen zwar in diesem Jahr von knapp 80 Prozent auf einstellige Zahlen ab. Doch das reicht, um Deutschland von der globalen Position drei zu verdrängen.

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Hus Karriere begann ganz bescheiden. Mit zehn Jahren verliert er seinen Vater, einen Verkäufer. Hu lebt fortan mit seiner Schwester in einer neun Quadratmeter kleinen Plattenbauwohnung. Er geht schuften, um zu überleben. Mit 17 startet er als Arbeiter in einer Traktorfabrik und schafft es schließlich 1983 auf den Chefposten des Werks. Sein Dienstwagen ist ein Fahrrad.Doch landwirtschaftliche Fahrzeuge reizen Hu nicht wirklich. Er wechselt in die Autobranche. Zwei Jahre bevor mit VW 1985 der erste ausländische Autokonzern eine nennenswerte Produktion in China beginnt, geht er zu SAIC. Zuvor hat er bei der renommierten Jiaotong-Universität im Selbststudium einen Ingenieurs-Abschluss erworben. Er arbeitet sich bei SAIC nach oben und ist maßgeblich an der Gründung des Joint Ventures mit General Motors beteiligt. Der US-Konzern investierte Ende der 90er-Jahre in Schanghai, um gegen VW anzutreten, den ersten SAIC-Partner.Im Juni 1999 wird Hu Chief Executive Officer von SAIC. Laut chinesischer Kleiderordnung ist er beim Staatskonzern nur die Nummer zwei hinter Parteisekretär und Chairman Cheng Xianglin. Doch Hu leitet das operative Geschäft. Wo er strategisch hinsteuert, gibt er selten preis: ?Die hiesige Autoindustrie ist jetzt global?, sagte er bei Vertragsunterzeichnung mit GM.Kurz danach legte Hu los. Zuerst kaufte der Mann, den ein Auto-Manager als ?ruhig und bedächtig? beschreibt, in der Region kleine Firmen zu. Erst mit den Ssangyong- und Rover-Deals katapultiert er den Konzern in die Schlagzeilen der Weltpresse. Heute hat SAIC 65 000 Beschäftigte. Bereits im vergangenen Jahr hat er mit 800 000 Fahrzeugen das Absatzziel für 2005 erreicht.Dass er eine Basis schafft, um in Europa später gegen die westliche Konkurrenz anzutreten, gilt in der Branche als offenes Geheimnis. Dass er eines Tages seinen Partnern VW und GM in die Quere kommt, spielt er herunter: ?Wenn wir uns nicht gegenseitig nähren, können wir zur Hölle fahren?, sagt Hu. Er betont aber: ?Wir verlassen uns nicht vollständig auf unsere Partner.?
Dieser Artikel ist erschienen am 25.11.2004