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Diplom ohne Lobby

Die Umstellung auf das zweistellige Studiensystem mit den Abschlüssen Bachelor und Master sorgt für Chaos an den Hochschulen. Bildungsexperten bemängeln die unausgereiften Konzepte, Studenten klagen, sie würden unzureichend informiert.
An der Universität Frankfurt, die zum Wintersemester 2005/06 sämtliche Wiwi-Studiengänge umgestellt hat, sieht das anders aus: Nicht die künftigen Bachelors, sondern die aussterbende Spezies der Diplom-Studenten leidet. ?Für die Bachelors wird alles getan?, sagt ein BWLer. ?Wir werden links liegen gelassen.?

Das fängt bei der Raumbelegung an. Ein Drittsemester berichtet, die Gebäudeverwaltung habe nur mit den Achseln gezuckt, als für eine überfüllte Diplom-Veranstaltung ein größerer Hörsaal gesucht wurde. ?Die Bachelors haben durch ihre Mentoren eine viel größere Lobby?, beobachtet er, ?und bekommen sofort einen neuen Raum zugewiesen.? Kritik zieht außerdem die Personalplanung auf sich. Offenbar bevorzugen Professoren die prestigeträchtigeren Bachelor-Programme, bieten dort attraktive Seminare an und überlassen die Diplom-Angebote ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern. Auch dass alle Veranstaltungen auslaufen, ist ein Problem: Es gibt Fälle, in denen Wiwi-Studenten nach einer verpatzten Klausur ein teures Repetitorium besuchen mussten, weil die Uni die zur Prüfung hinführende Übung nicht mehr anbot. Unter dem Druck, kurz vor Toresschluss noch Scheine zu machen, verzichtet mancher auch auf ein Auslandssemester.

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Wolfgang König, der Dekan der Frankfurter Wiwi-Fakultät, kann die Kritik nicht verstehen: ?Wir stecken inmitten einer massiven Umbruchphase, da bleiben Unterschiede zwischen altem und neuem Studienprogramm nicht aus.? König räumt zwar ein, dass die Betreuung der Bachelor-Studenten deutlich intensiver sei, betont jedoch: ?Wir diskriminieren die Diplom-Studenten keinesfalls.? Vor allem den Vorwurf, dass bestimmte Professoren nur für das Bachelor-Programm zur Verfügung stehen, weist er zurück. Sein Angebot: ?Die Studenten sollen sich direkt an mich wenden. Ich bin sicher, wir finden für viele Probleme eine Lösung.? Für jene, die die Uni Frankfurt wegen der Diplom-Krise jetzt verlassen, kommt das Angebot zu spät. (df)
Dieser Artikel ist erschienen am 26.05.2006