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Dietmar Hopp: ?Wir brauchten Zeit zum Lernen?

Von Michael Maisch und Georg Weishaupt
Wie SAP-Gründer Dietmar Hopp vom Aussterben der Großrechner profitiert, zum Software-Milliardär und Wohltäter aufsteigt und jetzt am nächsten Projekt arbeitet: einem Fußball-Bundesliga-Club im Kraichgau. Hopp ist so etwas wie ein Selfmade-Multimilliardär, ein großspuriges Wort, das so gar nicht zu dem manchmal etwas behäbig wirkenden Mann im legeren Anzug samt Polohemd passen will.
WALLDORF. Als die beiden Besucher aus den Sonnenstrahlen eines Sommertags in den Schatten der Lobby des Golfclubs St. Leon Rot treten, haben sich ihre staunenden Augen noch nicht an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnt, da eilt schon ein dienstbarer Geist im dunklen Anzug auf sie zu, der, sei es durch Telepathie, sei es durch schwarze Magie, genau zu wissen scheint, wen er vor sich hat: ?Herr Hopp erwartet Sie.?Die Dienstleistungsmaschinerie des Golfclubs läuft effizient und geräuschlos ? fast wie von Zauberhand bewegt. So wie es der Hausherr mag. Hier im nordbadischen Kraichgau ist Dietmar-Hopp-Land ? draußen auf den 45 Löchern der zweieinhalb Golfplätze, die sich der 65-Jährige gegönnt hat, aber auch über die Grenzen des Vereinsgeländes hinaus.

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Ein paar Stufen die Treppe hinauf, oben im ersten Stock des Clubhauses hat sich der Gründer des Softwareriesen SAP eine Wohnung eingerichtet. Stilmöbel im Salon, ein Esstisch mit zwölf Stühlen, ein dicker Teppich, schwere Vorhänge ? die erste Annäherung an Deutschlands vielleicht erfolgreichsten Unternehmer der vergangenen 30 Jahre fällt wie erwartet aus: solider Reichtum, gediegen, aber keinesfalls extravagant.Hopp ist so etwas wie ein Selfmade-Multimilliardär, ein großspuriges Wort, das so gar nicht zu dem manchmal etwas behäbig wirkenden Mann im legeren Anzug samt Polohemd passen will ? genauso wenig wie zur badischen Provinz um die Städtchen Walldorf und St. Leon Rot mit ihren sanften Hügeln.In diesem Mikrokosmos, in dem das rund 17 Kilometer entfernte Heidelberg, das Urbild deutscher Gemütlichkeit, fast schon wie eine Metropole wirkt, liegt Hopps Universum. In die Welt hinausgezogen hat es ihn nie wirklich, auch wenn er ein Ferienhaus in Florida und eine Golfanlage in Südfrankreich besitzt. Mit traurigem Ton in der Stimme erzählt er die Geschichte eines Freundes, der aus Steuergründen nach Costa Rica auswanderte und dort vereinsamte. ?Das wird mir nicht passieren.?Warum sollte Hopp auch der Versuchung des Fernwehs erliegen, wenn er sich hier im Kraichgau mit den SAP-Milliarden seine kleine Welt aus Sport, Wohltätigkeit und Unternehmertum geschaffen hat?Vielleicht ist es ja gerade dieses Bodenständige und Grundsolide, das den Erfolg des Unternehmers Hopp ausmacht. Vielleicht ist der auf den ersten Blick so außergewöhnliche Weg einer Firma mit dem Standortnachteil Deutschland in der Hochgeschwindigkeitsbranche Softwareentwicklung tatsächlich auf urdeutsche Tugenden wie Ingenieurskunst und Gründlichkeit zurückzuführen?Als erste Arbeitsthese für die Erforschung des Phänomens SAP taugt das Postulat von der ?Entdeckung der Langsamkeit? jedenfalls. Im Zeitraffer liest sich Hopps erstaunliche Geschichte so: Am ersten April 1972 gründet er mit vier IBM-Kollegen eine Firma mit dem Namen ?Systemanalyse und Programmentwicklung?. Damals rüsten die Firmen gerade von Lochkarten auf echte Computer um. 33 Jahre später heißt die Firma SAP. Entstanden ist der drittgrößte Softwarekonzern der Welt mit einem Umsatz von acht Milliarden Euro, den 34 100 Mitarbeiter in 50 Ländern erzielen. Das bedeutet, dass Hopp und seine Mitgründer ziemlich genau drei neue Arbeitsplätze an jedem einzelnen Tag geschaffen haben.Was sich derart verkürzt wie eine rasante Erfolgsstory aus dem High-Tech-Wunderland liest, verlief tatsächlich viel gemächlicher, ganz im Rhythmus des Kraichgaus, den der Volksmund auch die badische Toskana nennt.Wie die meisten guten Ideen ist das Konzept von SAP einfach und unmittelbar einleuchtend. Bis zu jenem 1. April 1972 schreiben Hopp und seine Kollegen bei IBM für jedes einzelne Unternehmen ein eigenes Programm, mit dem sich die betrieblichen Abläufe abbilden lassen. Warum nicht eine Standardsoftware für alle, von der Stange sozusagen, statt immer wieder neu und maßgeschneidert, fragen sich eines Tages Hopp und seine vier Mitgründer Hasso Plattner, Klaus Tschira, Hans-Werner Hector und Claus Wellenreuther, die bei IBM alle im selben Großraumbüro sitzen.Die eigentliche Geschichte von SAP beginnt in der Old Economy, genauer gesagt in einer Faserfabrik des US-Chemieriesen ICI in Östringen, ?nur über den Berg? vom örtlichen IBM-Büro. Hopp und seine Kollegen proben den sanften Ausstieg in die Selbstständigkeit. Erst nach und nach nabeln sie sich von IBM ab. Meist abends und am Wochenende schreiben sie auf den ICI-Rechnern ihre ersten Programme für die Finanzbuchhaltungssoftware RF. ?Wir hatten kaum Geld und haben gar nicht erst versucht, eine Bank zu finden, die uns welches leiht?, erinnert sich Hopp. Unter seiner Führung entstehen die ersten Produkte, ?sehr langsam und ingenieurmäßig, so etwas ginge heute gar nicht mehr?.Acht Jahre schlüpfen Hopp und Kollegen bei Kunden unter. Erst dann ziehen sie ins erste eigene Gebäude. ?Schneller wäre gefährlich gewesen?, meint Hopp heute. ?Wir brauchten Zeit zum Lernen.?Zeit, die heute kaum mehr einer hat. ?Die Finanziers sitzen einem im Nacken?, sagt er, entweder Banken oder Beteiligungsgesellschaften. Für den ersten Quantensprung in der SAP-Geschichte sorgt indirekt ausgerechnet Ex-Arbeitgeber IBM. Ende der 70er-Jahre kündigen die Amerikaner die Großcomputer der Serie 4300 an, Maschinen, die viermal schneller sind als die bis dahin leistungsstärksten ? aber nur ein Viertel so teuer. ?Plötzlich hatten wir einen quasi unbegrenzten Markt für unser Produkt?, sagt Hopp. Das Produkt heißt R/2. Das ?R? steht für ?real time?, um auszudrücken, dass vom Nutzer eingegebene Daten sogleich auf allen anderen angeschlossenen Rechnern verfügbar sind.SAP beginnt zu wachsen, in gemächlichem Tempo. Das Programm, das sich zunächst auf die Finanzbuchhaltung und die Materialwirtschaft konzentriert, erweitert SAP nun systematisch auf Bereiche wie Produktionsplanung und Produktionssteuerung. 1986 erreicht SAP die Grenze von 100 Millionen Mark Umsatz. 1988 folgt der Börsengang, der viele Investoren zu Millionären und die Gründer zu Milliardären macht.Die Entdeckung der Langsamkeit hat sich ausgezahlt. Von da an wächst der Umsatz rasant. Binnen zwei Jahren verdoppeln sich die Einnahmen auf 500 Millionen Mark.Doch nur mit Gründlichkeit und Verlässlichkeit lässt sich die Erfolgsgeschichte nicht erklären. Auch nicht mit der Tatsache, dass ?Hopp mit Hasso Plattner einen kongenialen Mitstreiter gefunden hat?, wie es der ehemalige Europachef von McKinsey, Herbert Henzler, ausdrückt. Plattner, vier Jahre jünger als Hopp und bei IBM dessen Assistent, war der Mann für die Öffentlichkeit, der extrovertierte Verkäufer, der die Gäste auf Messen schon mal mit einem Solo auf der E-Gitarre begrüßte. ?Plattner stand im Rampenlicht, Hopp trieb im Hintergrund die Entwicklung voran?, so drückte es Mitgründer Klaus Tschira einmal aus.1987 macht sich Hopp auf den Weg ins Hauptquartier der Bundesbahn in Frankfurt. ?SAP war klein und die Bahn groß, ich saß alleine 28 Leuten gegenüber.? Denen will Hopp das damals konkurrenzlose ?R/2?-Paket verkaufen. Doch das lief nur auf Großrechnern. Die Bahn aber wollte ein Programm für die neuen, kleineren IBM-Maschinen.Hopp fährt unentschlossen zurück und redet mit Plattner. ?Ich rechnete mit keiner leichten Diskussion, schließlich liefen unsere Geschäfte sehr gut, und plötzlich sollten wir etwas völlig Neues entwickeln.? Doch Plattner lässt sich schnell überzeugen. ?Dietmar, das machen wir.? Die Entwicklung von R/3 beginnt.Nur wenige Jahre später werden die Großrechner Opfer eines rasanten Artensterbens. Der Siegeszug der flexiblen, vernetzten PC kommt genau rechtzeitig für die Einführung von ?R/3?. Von 1991 bis 1997 explodiert der SAP-Umsatz von 700 Millionen auf sechs Milliarden Mark. Die Presse jubelt: ?Die Gewinnmaschine? (?Die Zeit?) und ?SAP überholt Daimler? (?Börsenzeitung?).Den guten Zeitpunkt für die Einführung von ?R/3? will Hopp nicht auf sein Konto buchen: ?Nichts als Zufall, es wäre gelogen, wenn wir das als unternehmerische Weitsicht verkaufen würden.? Tatsächlich aber treffen die Gründer in einer für das Unternehmen kritischen Situation die richtige Entscheidung.Das Lächeln von Giovanni Trapattoni wirkt ausgesprochen gequält, als der Fußballtrainer nach dem Pokalspiel seines VfB Stuttgart gegen die unterklassige TSG Hoffenheim über den Rasen in die Kabine schleicht. Der für seine Temperamentausbrüche bekannte Italiener wirkt an diesem Sonntagnachmittag Ende August selbst wie eine ?Flasche leer?. Gerade hat sich sein VfB nur mit Mühe und 4:3 nach Verlängerung in die nächste Runde gezittert ? eine ausgesprochen traurige Vorstellung, wie Zeitungen am nächsten Tag über die Leistung des VfB urteilen.Einer ist allerdings noch trauriger als Trapattoni: Dietmar Hopp. Die TSG Hoffenheim ist sein Verein, hier hat er vor über 40 Jahren selbst gespielt, das kleine, aber feine ?Dietmar-Hopp-Stadion? hat er gebaut, und er hat den ehemaligen Nationalspieler Karlheinz Förster als sportlichen Berater in die Provinz geholt. Jetzt plant Hopp den nächsten Coup: einen Fußball-Tempel mit Platz für 30 000 Zuschauer. 40 Millionen Euro will er dafür verbauen. Wer später einmal das Bier im neuen Stadion ausschenkt, dürfte auch schon klar sein. Hopp gehört die Mannheimer Eichbaum-Brauerei.Der SAP-Gründer liebt seinen Verein, aber er weiß auch ganz genau, wo er ihn sehen will: im Profifußball ? und das schnell. Der Masterplan für das Projekt Bundesliga steht: Kraftvoll treibt er die Zusammenlegung der Amateurvereine aus den Orten Hoffenheim, Sandhausen und Walldorf voran. Der neue Verein soll den Nukleus einer künftigen Profi-Mannschaft bilden. Ein kühnes Vorhaben, doch wäre es angesichts Hopps bisheriger Erfolge mehr als fahrlässig, seine Ambitionen nicht ernst zu nehmen. Mit Sohn Daniel hat er schon den Eishockey-Club Adler Mannheim saniert und den Handball-Verein SG Kronau-Östringen in die höchste Spielklasse geführt.Die Sportbegeisterung zeigt eine weitere Facette der Persönlichkeit Hopps, ohne die sich der Erfolg des Unternehmers nicht verstehen lässt: eine fast schon an Sturheit grenzende Zielstrebigkeit, gepaart mit eiserner Disziplin. ?1992 habe ich gesagt, mit 55 Jahren will ich meinen eigenen Golfclub besitzen?, erzählt Hopp. Es dauert bis zu seinem 57. Geburtstag, weil ?zwei unbelehrbare? Eigentümer das ausgewählte Gelände blockieren. Es scheint ihn noch heute zu ärgern.Mit ähnlicher Willenskraft hat er den Aufbau von SAP vorangetrieben, und mit genau der gleichen Disziplin zieht er sich auch wieder aus dem Unternehmen zurück. Planmäßig tritt Hopp 1998 den Vorstandsvorsitz an Plattner ab und wechselt in den Aufsichtsrat, und genauso planmäßig räumt er seinen Platz als Chefaufseher am 12. Mai 2003, wiederum für Plattner. ?Wir haben Hunderte von Unternehmen kennen gelernt, und oft sah man, wie ein sturer Patriarch, der nicht loslassen konnte, viel Unglück über die Firmen gebracht hat.?Heute hat Hopp außer als Großaktionär offiziell nichts mehr mit SAP zu tun. Seine Anteile hat er in der Dietmar-Hopp-Stiftung (8,86 Prozent von SAP im Wert von etwa vier Milliarden Euro) und der Golf-Club St. Leon-Rot GmbH & Co. (1,5 Prozent oder rund 675 Millionen Euro) geparkt. Nicht mal ein Büro unterhält er auf dem Campus in Walldorf, nur eine Sekretärin gibt es noch, die Anrufe beantwortet, die Post öffnet, Termine verwaltet. ?Aber es ist ja nicht so, dass man sein Kind nicht mehr sehen dürfte?.Hopps Villa liegt um die Ecke vom Firmengelände. Er ist jetzt 65 Jahre alt, zu jung für den Ruhestand, findet er. Sein Golf-Handycap hat sich gerade von 8,5 auf 10,2 verschlechtert. ?Zu viel Stress?, entschuldigt er sich. ?Ich möchte schon noch den ein oder anderen Börsengang durchziehen.?Dafür hat er Friedrich von Bohlen und Halbach, Ex-Chef von Lion Bioscience, engagiert. Der verwaltet für Hopp Beteiligungen in Wachstumsbranchen. Große Hoffnung setzt Hopp in das Softwareunternehmen Inter Component Ware, das eine maßgebliche Rolle bei der Einführung der Patientenkarte im Gesundheitswesen spielen soll. ?Der Erfolg steht jetzt vor der Tür?, sagt er über die Firma, die bislang nur rote Zahlen geschrieben hat.Hopp, Vater zweier Söhne, stammt aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Der Vater war Hauptschullehrer. ?Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man plötzlich mehr Geld hat, als man jemals ausgeben kann.? Von seinem Milliardenvermögen hat er zwei Drittel in seine Stiftung gesteckt. Die finanziert der Heidelberger Kinderklinik teure Geräte und unterstützt Schulen und Altenheime, die meisten natürlich aus der Umgebung. ?Wir Reichen müssen uns unserer Verantwortung stellen?, sagt er und will von einer Vermögensteuer trotzdem nichts wissen. Einer wie er möchte selbst entscheiden, was, wen und wo er fördert und auch die Regeln bestimmen, nach denen gespielt wird.Die Szene könnte aus einem ?Tatort? stammen. Am 27. Februar 2003 blockieren Polizeifahrzeuge die Auffahrt zu Hopps Villa. Kriminalbeamte stürmen Richtung Eingang. Als sich die Hausangestellte zunächst weigert zu öffnen, drohen die Polizisten, die Tür einzuschlagen.Hopps Freund Bernhard Termühlen, der Ex-Chef des Finanzdienstleisters MLP, steckt in Geldnöten. Hopp will helfen und verpfändet SAP-Aktien über 67,5 Millionen Euro. Das Problem: Die Aktien gehören nicht ihm, sondern seiner Stiftung. Die Staatsanwaltschaft wittert Untreue.Dass nichts dran ist an dem Verdacht, bestreitet heute niemand. Das Ermittlungsverfahren wird eingestellt, nicht ohne eine scharfe Rüge des Landgerichts Mannheim für die Staatsanwaltschaft. Es habe nicht einmal ein Anfangsverdacht bestanden, denn Hopp hatte seine Stiftung von allen Risiken persönlich freigestellt.Dieses eine Mal konnte Hopp die Regeln nicht selbst bestimmen. Aber vielleicht kann man sie ja für künftige Spiele ändern? Er gründet prompt die Stiftung ?Pro Justitia?, die übereifrigen Staatsanwälten auf die Finger klopfen soll. Wenn Hopp etwas anfängt, dann gründlich, und so überzeugt er in einem Brief Ex-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, einen Sitz im Beirat der Stiftung zu übernehmen.Auch bei SAP hat Hopp die wenigen Regeln gerne selbst festgelegt, und die changieren auf ganz individuelle Weise zwischen Gutsherrenart und Laisser-faire. Der 5. Februar 1998 ist ein ganz besonderer Tag für SAP. An diesem Morgen verkündet Hopp offiziell, dass er den Chefsessel im Mai räumen wird. Vor der Kantine, dort, wo der Gründer auch oft in der Mittagspause gegessen hat, strömen die Angestellten zusammen. Hunderte sind es, die für ihren Chef singen: ?Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht?.?Hopp und Kollegen haben es verstanden, den Leuten die Freiheit zu geben, die sie brauchen, und haben so ein kreatives Biotop geschaffen?, lobt Ex-McKinsey-Mann Henzler. Feste Arbeitszeiten oder eine Kleiderordnung gibt es bei SAP bis heute nicht. Damit die klugen Köpfe nicht zur Konkurrenz abwandern, bekommen sie nicht nur überdurchschnittliche Gehälter, sondern auch zinslose Darlehen für den Hausbau und einjährige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. So ist Hopp und seinen Mitgründern etwas Seltenes gelungen: Sie haben einen glaubhaften Wertekanon vermittelt und damit den Grundstein für eine Firmenkultur gelegt, die diesen Namen auch tatsächlich verdient.Die andere Seite von Hopps Personalführung sieht so aus: ?Ich habe es nie bereut, mit der richtigen Firmenpolitik einen Betriebsrat verhindert zu haben?, sagt der Gründer. Für die meisten in Walldorf ist das kein Problem. ?Für Hopp hat man sich gerne zerrissen, er war so etwas wie ein strenger, aber fürsorglicher Patriarch?, erzählt ein Mitarbeiter. Für andere schwingt darin aber auch ?immer einiges von der Selbstherrlichkeit eines Feudalherren? mit.Noch immer aber kommen Mitarbeiter mit ihren Problemen gerne zu Hopp. Als SAP beschließt, einen Teil der Verwaltung nach Prag zu verlegen, ?gab es Härtefälle?, wie Hopp es nennt. ?Eine Frau mit zwei Kindern und einem arbeitslosen Mann, die kann nicht nach Tschechien gehen, das muss man verhindern.?Von den Prag-Plänen scheint er ohnehin nicht viel zu halten, genauso wenig wie von plumper Kapitalismuskritik: ?Ich stehe voll hinter den Plänen des SAP-Vorstands, eine Umsatzrendite von 30 Prozent zu erreichen, das ist kein Verbrechen, sondern bittere Notwendigkeit.? Aufgeregte Debatten über Heuschrecken und ähnliches kapitalistisches Ungeziefer sind Hopps Sache nicht. Aber auch die immer wiederkehrende Beschwörung der deutschen Malaise geht Hopp eher auf die Nerven. ?Man kann ein Land auch schlechtreden.?
Dieser Artikel ist erschienen am 13.12.2005