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Dieter Vogel auch im Aufsichtsrat bei Bertelsmann

Der frühere Thyssen-Vorstandsvorsitzende Dieter Vogel tritt die Nachfolge des zurückgetretenen Gerd Schulte-Hillen als Aufsichtsratsvorsitzender der Bertelsmann AG an.
HB DÜSSELDORF. Gerd Schulte-Hillen hatte sein Amt aufgrund von Differenzen um die künftige Strategie des Konzerns abgegeben. Grund für diesen Streit war auch die Zusammenlegung der Bertelsmann-Musiksparte BMG mit Sony Music. Durch das Gemeinschaftsunternehmen will Bertelsmann jährliche Einsparungen zwischen 250 und 300 Mill. ? erreichen.Der bisherige stellvertretende Aufsichtsratschef Vogel, der dem Gremium bereits nach dem Abgang Schulte-Hillens provisorisch vorgestanden hatte, werde den Posten des Aufsichtsratschef zum 1. Januar übernehmen, teilte Bertelsmann am Mittwoch in Gütersloh mit. Neuer stellvertretender Vorsitzender wird BASF- Aufsichtsratschef Jürgen Strube. Bertelsmann hatte bereits im November angekündigt, Schulte-Hillen werde sein Amt abgeben und das Unternehmen verlassen. Hintergrund seien Differenzen mit Bertelsmann-Chef Gunter Thielen ?über die strategische Ausrichtung des Unternehmens?.

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In mit der Situation vertrauten Kreisen hieß es damals, Schulte-Hillen habe bei der Aufsichtsratssitzung unter anderem die im Konzern bereits gebilligten Pläne für die Zusammenlegung der Musiksparten von Bertelsmann, BMG, und Sony Music kritisiert. Er habe in dem Gremium als einziger die Hand gegen das Geschäft erhoben. Bereits im Vorfeld der Sitzung habe er in Briefen an Mitglieder des Aufsichtsrats Kritik an den Plänen geübt, die noch von den Kartellbehörden genehmigt werden müssen. In der Vergangenheit hatte es zudem auch Differenzen zwischen der Eignerfamilie Mohn und Schulte-Hillen gegeben.Vogel ist der ehemalige Chef von Thyssen und auch Aufsichtsratsvorsitzender der angeschlagenen Beteiligungs- und Immobiliengesellschaft WCM.Mit Blick auf das Musik-Gemeinschaftsunternehmen hieß es in Branchenkreisen, ein Nettoumsatz von vier Mrd. ? sei eine realistische Größe. Der Marktanteil werde dabei voraussichtlich unter 25 % liegen. Nach einem Bericht des ?manager magazin? soll das Ebita des neuen Musikunternehmens 2006 bei 269 Mill. ? liegen und in den Folgejahren auf 294 Mill. ? steigen. Ein Bertelsmann-Sprecher wollte diese Zahlen nicht kommentieren. Die geplanten jährlichen Einsparungen bezifferte er mit 250 bis 300 Mill. ?.Die Verträge zur Zusammenlegung der Sparten waren am vergangenen Freitag unterzeichnet worden. Das neue Unternehmen wird Sony BMG heißen und zu je 50 % im Besitz von Bertelsmann und Sony Corporation of America sein. Damit entsteht der weltweit zweitgrößte Musikkonzern. Dem Geschäft müssen aber noch die Kartellbehörden zustimmen.Durch den Zusammenschluss der Nummer Zwei und der Nummer Fünf der Branche entsteht ein Musikkonzern, der dem Marktführer Universal Music sogar die Top-Position streitig machen könnte. Künstler wie Britney Spears und Avril Lavigne (BMG) werden mit Celine Dion und Michael Jackson (Sony) unter einem Dach vereint. Angesichts seit Jahren sinkender Umsätze suchen die großen Musikkonzerne (Universal Music, Sony Music, EMI, Warner Music und BMG) schon länger nach Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit. Erst vergangenen Monat hatte der US-Medienkonzern Time Warner seine Musiksparte für 2,6 Mrd. Dollar an eine Investorengruppe um den Ex-Seagram-Chef Edgar Bronfman Jr. verkauft.
Dieser Artikel ist erschienen am 17.12.2003