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Die Zukunft ist erneuerbar

Martin Roos
Mit Dea im Tank ist der Ölkonzern Shell nun Deutschlands Benzinlieferant Nummer eins. Spätestens im Jahr 2050 will der niederländisch-britische Konzern nicht mehr vorwiegend in der Erde bohren, sondern die Sonne anzapfen und auf regenerative Energien setzen.
DEUTSCHE SHELL AG

Suhrenkamp 71-77
22335 Hamburg

Die besten Jobs von allen


Tel.: 040/63 24-0
Fax: 040/63 24-60 15
Internet: www.deutsche-shell.de oder www.shell.com

Geschäftsfelder: Mineralöl, Chemie, Erdgas, erneuerbare Energien
Standorte: Hamburg, Köln, Eschborn; weltweit in über 130 Ländern
Umsatz: 279 Mrd. DM (weltweit/2000), 25 Mrd. DM (Deutschland/2000)
Gewinn: 13,1 Mrd. US$ (weltweit/2000)
Mitarbeiterzahl: 100.000 (weltweit), 2.400 (Deutschland)
Ansprechpartner für Bewerber:
Shell Recruitment PSRC/7
Rowlandsway House, Rowlandsway
Manchester, M22 5SB, U.K.
E-Mail: response@si.shell.com

Bedarf an Hochschulabsolventen: 120 (Shell-Gruppe Europa/2001)
Auswahlverfahren: strukturiertes Interview, Assessment Center
Qualifikationen erfolgreicher Bewerber: überzeugende Persönlichkeit, Teamfähigkeit, Leistungsbereitschaft, Eigeninitiative, analytische Fähigkeiten, Mobilität, Examensnoten, Studienschwerpunkte, Praktika, Auslandserfahrung
Einstieg: Direkteinstieg, Training on the job
Einstiegsgehalt: ab 75.000 DM
Variabler Anteil am Gehalt: ja
Unterstützung bei Promotion/MBA: abhängig vom Thema, das für das Unternehmen relevant sein muss
Praktikum und Diplomarbeiten: ja, Ansprechpartnerin ist Sabine Hartl, Personalmarketing
E-Mail: sabine.s.hartl@ope.shell.com
Mit Dea im Tank ist der Ölkonzern Shell nun Deutschlands Benzinlieferant Nummer eins. Spätestens im Jahr 2050 will der niederländisch-britische Konzern nicht mehr vorwiegend in der Erde bohren, sondern die Sonne anzapfen und auf regenerative Energien setzen.

Comptella, Morlina und Omala – kaum etwas hat Samuel, Gründer der Shell Transport and Trading Company, mehr begehrt als Shells – auf Deutsch Muscheln. Das war 1833. Jahrzehnte später schifft sein Sohn in den umgebauten Muschelfängern russisches Öl nach Singapur und Bangkok. Seit 1907 ist der niederländische Ölkonzern, die Koninklijke Nederlandsche Petroleum Maatschappij, mit an Bord. 60 Prozent aller Erträge und Beteiligungen des Joint Ventures gehen an die Niederländer, 40 Prozent an die Briten. In den Zentralen London und Den Haag bestimmt die Royal Dutch Shell Group auch über die Geschicke der nationalen Gruppen.

Der Mythos der Muschel umschließt Shell bis heute. ?Fast alle unsere Öle haben Muschelnamen“ sagt Regine Peiffer, Projektleiterin in den Forschungs- und Entwicklungslabors in Hamburg-Harburg. Im Dienst der Deutschen Shell ist die 28-jährige Maschinenbauerin seit dreieinhalb Jahren – in der wichtigsten Sparte des Energiekonzerns: Öl. Neben Erdgas, Chemie und erneuerbaren Energien machen Verarbeitung und Vertrieb von Mineralöl fast 60 Prozent des deutschen Shell-Geschäfts aus. Dazu zählen Forschung und Entwicklung, die Produktion von Schmierstoffen und Benzin für die Industrie, für Fluggesellschaften, Schifffahrt und Kraftfahrzeuge. Mit der Zusammenlegung des Tankstellengeschäfts mit dem der RWE-Tochter Dea ist Shells Muschellogo nun in fast jeder Ecke Deutschlands zu sehen. Das Unternehmen hat Aral in diesem Jahr nach der Anzahl der Tankstellen von der Spitzenposition auf dem deutschen Markt verdrängt.

Volle Pulle im Flitzer

Verarbeitet wird das Rohöl zu Otto- und Dieselkraftstoffen in Hamburg-Harburg und Köln-Godorf – dort stehen die beiden einzigen Raffinerien von Shell in Deutschland. Direkt neben dem Gelände der Harburger Raffinerie, in der vor allem Rohöl aus der Nordsee und aus Venezuela verarbeitet wird, steht Peiffers Labor für Produkte, Anwendung, Entwicklung (PAE). 125 Mitarbeiter hat es und gehört neben den Labors in Manchester, Rouen, Singapur und Tokio zum internationalen Forschungsverbund der Shell Global Solutions, die sich mit der gesamten Palette der Ölprodukte beschäftigt.

Ein kleiner englischer Flitzer, ein MG, ist Peiffers Perle. Egal ob Sommer oder Winter, stets geht’s in dem Dienstwagen voll in die Pedale. ?Auch bei minus fünf Grad muss ich schließlich sehen, wie der Wagen mit meinem Öl fährt“, sagt Peiffer. Testfahrten gehören genauso zu ihrem Job wie die Analyse von Mess-Ergebnissen: Die Qualität von Öl und Benzin werden in einem Analysegerät untersucht, das sämtliche Fremdkörper aufspürt. Einmal im Monat tauscht sich Peiffer per Telefon mit vier japanischen Kollegen im Labor Tokio aus. In Harburg hat sie fast täglich Meetings mit Mechanikern. Dann sitzen sie zusammen auf rot-gelben Ölfässern, die mit Muschelemblemen bedruckt sind. Zurzeit arbeitet Peiffer mit ihren Kollegen an der Entwicklung eines neuen Getriebe-Öls für Daimler-Chrysler.

Frau in Männerdomäne

Regine Peiffer hat in Aachen und Paris Maschinenbau studiert. ?Schon im Studium gehörte ich zu einer Minderheit“, sagt sie. Bei sieben Prozent lag in Aachen der Frauenanteil, 20 Prozent der Shell-Mitarbeiter in Deutschland sind heute Frauen – im Harburger Labor gehören zur Gruppe der 20 Projektleiter sechs Frauen.

Als Geschäftsverantwortliche für den technischen Service und die Beratung hat Peiffer ein Jahresbudget von einer Million Dollar. Sie trainiert die Außen- und Innendienstmitarbeiter, hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Ihr direkter Vorgesetzter ist Chef der Entwicklung für Getriebe-Öle der gesamten Shell-Gruppe.

?Klar musste ich es den Männern am Anfang ein bisschen beweisen. Am meisten aber mir selbst“, sagt Peiffer. Schon während ihrer Praktikumszeit in verschiedenen Betrieben fand sie es eher amüsant als lästig, mit welchem Eifer die Männer die zahllosen Pin-up-Girl-Kalender umblätterten. In ihrem Harburger Büro, das sie mit einer Kollegin teilt, hängt heute an der Tür ein großer Kalender mit den schnellsten Sportwagen der Welt – und auf dem Schreibtisch stehen Förmchen für Kinder im Muscheldesign.

Öl für Schumi

Das PAE-Labor versteht sich als Profit-Center, das selbst für Umsatz und Gewinn verantwortlich ist. Im vergangenen Jahr hat es 50 Millionen Mark Umsatz mit Motorentests sowie Schmier- und Kraftstoffen für Autobauer und ihre Zulieferer gemacht. Das Aushängeschild sind spezielle Öle für den Rennsport. Michael Schumacher beispielsweise wäre ohne Peiffer eine Pfeife. Denn Shell versorgt das Formel-1-Team mit Motorölen und schwefelarmem Kraftstoff, die für die Ferrari-Motoren im PAE-Labor entwickelt werden. Peiffer bekommt Schumachers Testberichte: ?Es ist schon ein merkwürdiges Erlebnis, die persönlichen Bewertungen von so einem Spitzenfahrer in der Hand zu halten. Nach seinen Vorschlägen versuchen wir, den Wirkungsgrad und die Leistung der Produkte zu verbessern.“

Job wechsel dich

Verbessern will Peiffer bald auch ihre beruflichen Chancen bei Shell. Um sich zu informieren, braucht sie nur ins Intranet zu klicken. Das ?Open Resourcing“ ermöglicht jedem Mitarbeiter, sich auf Stellen zu bewerben, die im Unternehmen frei werden. Egal was, egal wo. Dieses System der Job-Rotation schließt Einsätze im Ausland mit ein. ?Es gibt zudem die Möglichkeit, mit einem Kollegen den Arbeitsplatz zu tauschen“, sagt Peiffer. Nur finden muss sie den richtigen. Dann kann sie für zwei Jahre wechseln. Auch die Einstellung neuer Mitarbeiter wird länderübergreifend – vom Shell Recruitment in Manchester – koordiniert.

Grünen Strom verkaufen

Ein Shell-Eigengewächs ist Britta Effmert. Die 23-jährige Betriebswirtin arbeitete schon während ihrer dualen Ausbildung an der Wirtschaftsakademie in Hamburg beim Mineralöl-Riesen. Jetzt sitzt sie noch keine zwölf Monate in der deutschen Zentrale in Hamburg-Fuhlsbüttel in einem Großraumbüro, an dessen Wänden Bilder von Muscheln hängen. Effmert ist eine von zwei Shell-Verantwortlichen für das Marketing von ?Newpower“, Erneuerbare Energien, einem Geschäftsfeld der Zukunft. ?Noch wird unvergleichbar vielmehr Öl und Gas verkauft als erneuerbare Energien. Wenn ich pensioniert bin, wird es vermutlich genau andersherum sein“, erklärt Effmert. Den Untersuchungen der Shell-Gruppe zufolge wird spätestens in 60 Jahren der Anteil regenerativer Energien – aus Wind, Sonne und Biomasse – weltweit bei über 50 Prozent liegen.

Unter der Marke Newpower bieten der Energiekonzern und die Hamburgische Electricitäts-Werke AG (HEW) seit zwei Jahren Privatkunden in Hamburg Strom aus regenerativen Energiequellen an. Das Team der jungen Bremerin arbeitet vollkommen eigenständig. ?Wir sind ja noch so gut wie in der Experimentierphase. Alles, was wir hier machen, kommt früher oder später auf den Tisch von Pieter Berkhout“ – dem Vorsitzenden der Deutschen Shell.

Der so genannte grüne Strom setzt sich aus einem Energiemix von Wind, Wasser und Sonne – Photovoltaik – zusammen. ?Unser regenerativ erzeugter Strom wird in das Hamburger Netz eingespeist. Je mehr Kunden Newpower beziehen, desto mehr grünen Strom müssen wir in das Netz einspeisen. So erhöht sich der Anteil unseres Stroms am Gesamtstrom-Mix“, sagt Effmert. Und noch ist dieser winzig. 800.000 Hamburger Stromkunden gibt es, 2.000 von ihnen kaufen Newpower.

?Von den 35,3 Pfennig pro Kilowattstunde werden fünf Pfennig in Photovoltaik-Anlagen investiert“, erklärt Effmert. Die Hälfte der nachgefragten Strommenge wird in den zwei großen Windkraftanlagen auf dem Gelände der Shell-Raffinerie in Harburg produziert – im Vergleich zu den schleswig-holsteinischen Windparks wirken die zwei Propellertürme fast rührend klein. Doch um noch mehr grünen Strom zu erzeugen, rüstet Shell auch zunehmend Tankstellen mit Solarzellen aus.

Angeschmiertes Image

Shell engagiert sich seit Beginn der 80er-Jahre mit Produktionsstätten in den Niederlanden und Japan in der Entwicklung und Fertigung von Solartechnologie. Noch macht ?Newpower“ so gut wie keinen Gewinn. Doch die ?grünen“ Kampagnen und der frische Wind, den die erneuerbaren Energien in das Unternehmen bringen sollen, sind auch ein Versuch, das Image des Ölgiganten aufzupolieren.

Gute Presse ist notwendig: Immer wieder gibt es zum Beispiel Unruhen in Nigeria. Der Protest der Einheimischen richtet sich gegen die Regierung Nigerias und gegen Shell. Die Bevölkerung fordert von der Regierung seit langem eine angemessene Beteiligung am Reichtum. Shell-Mitarbeiter werden fast regelmäßig entführt. Der Konzern verwüste das Land bei seinen Bohrungen und verseuche das Ackerland mit Öl, sagen Kritiker.

Der größte Imageverlust Shells fand in der Nordsee statt: Mit Seilen und Winden erkletterten am 30. April 1995 zwölf Umweltkämpfer von Greenpeace die 40 Meter aus der Nordsee ragende Shell-Ölplattform Brent Spar, um deren geplante Versenkung zu verhindern. Dem Protest schloss sich innerhalb weniger Wochen die Mehrheit der deutschen Bevölkerung an. Auch Regierung, Opposition und Kirchenführer riefen zum Boykott des Ölmultis auf. Zwei Monate später gab Shell nach und verkündete, die Brent Spar nicht zu versenken. Auch als sich später herausstellte, dass die Umweltrebellen überzogene Angaben über Öl und Schadstoffe an Bord der Brent Spar verbreitet hatten – das Image des Konzerns war ramponiert. ?Brent Spar hat zu einer Aufbruchstimmung geführt“, meint die Projektleiterin Regine Peiffer.

Die interne Kommunikationsbereitschaft sei deutlich gewachsen. Viermal im Jahr komme beispielsweise der Chef von Shell Global Solutions, Michiel Boersma, zu Gesprächen über die neuesten Entwicklungen zu ihr und den anderen Labormitarbeitern vorbei. Früher undenkbar.

Und auch Greenpeace scheint zwischendurch Gefallen an dem ehemaligen Muschelfänger Shell gefunden zu haben. Im März vergangenen Jahres stiegen die Umweltschützer bei Shell als Aktionär ein – wenn auch nicht, um reich zu werden, sondern um eine Einladung zur Hauptversammlung zu erhalten. Dort wollte Greenpeace dafür Stimmung machen, dass mehr Geld in erneuerbare Energien gesteckt wird. Gleich nach der Versammlung verkaufte Greenpeace seine Aktien wieder. So nahe wollte man sich dann wohl doch nicht sein.

E-Mail:
britta.b.effmert@ope.shell.com
regine.r.peiffer@ope.shell.com

Internet: www.shell-human-power.de
Dieser Artikel ist erschienen am 18.06.2001