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Die zielstrebigen Schwestern

Von Stefanie Müller
Sie sind schön, sie sind reich, sie sind Schwestern und sie sind clever genug, um einen guten Rat nicht auszuschlagen. Die schwarzhaarige 56-jährige Esther Koplowitz und die 54-jährige braunhaarige Alicia Koplowitz haben nur ein Ziel vor Augen: ihr Geld zu vermehren und das möglichst diskret.
Anfang 1998 scheidet Alicia Koplowitz wegen Meinungsverschiedenheiten mit ihrer älteren Schwester als Aktionärin beim Familienunternehmen FCC aus. Foto: ap
MADRID. Geschickt haben Esther und Alicia Koplowitz um ihr jeweiliges Beteiligungsimperium wohltätige Stiftungen aufgebaut, um nicht als das abgestempelt zu werden, was sie eigentlich sind: die reichsten Frauen Spaniens.Alicia Koplowitz rangiert mit einem Vermögen von fünf Milliarden US-Dollar auf Platz 158 des Forbes-Ranking, ihre Schwester Esther kommt mit 5,6 Milliarden US-Dollar sogar auf Platz 137. Drei Jahre zuvor kamen sie gemäß Forbes gerade mal auf weniger als die Hälfte dieses Betrages. Sie haben dafür nicht nur hart gearbeitet, ihre geschickten Beteiligungsschachzüge beeinflussen auch die spanische Wirtschaft. Doch weil sie keine Interviews geben und auch sonst bei ihren Firmen eher im Hintergrund agieren, wissen nur wenige Spanier, dass die Schwestern mehr als nur schön sind.

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Beide sind nicht nur Trägerin des spanischen Verdienstkreuzes, la Gran Cruz de la Orden del Mérito Civil, verliehen im Jahr 2001 (Esther) und 2003 (Alicia) vom damaligen Premier José María Aznar, der die ?gesellschaftliche und soziale Verantwortung? der mehrfachen Mütter und Aristokratinnen schätzte. Die Schwestern haben auch ein hartes Schicksal hinter sich, was sie schnell gelehrt hat, in Geldsachen Eigeninitiative zu übernehmen und die Verantwortung trotz guter Berater nicht aus der Hand zu geben.Im Jahr 1962 verstirbt ihr Vater, Ernesto Koplowitz, der vor den Nazis von Deutschland nach Spanien flüchtete und dort ein Bauunternehmen gründete. Nur sechs Jahre später verlieren die Mädchen ihre Mutter, Esther Romero de Juseu y Armenteros ? eine reiche kubanische Adlige. Ein Freund der Familie und Gründer des spanischen Kaufhauses El Corte Inglés, Ramón Areces, führt zunächst ab 1968 das Bauimperium der Koplowitz weiter. Die Mädchen heiraten früh und studieren Geisteswissenschaften und Bildende Künste. Beide bekommen dann erst einmal Kinder und nehmen zunächst nur aus dem Hintergrund Einfluss auf den Familienkonzern.Ihre wohlhabenden und einflussreichen Ehemänner Alberto Cortina und Alberto Alcocer machen den Konzern derweil zu einer der erfolgreichsten Baufirmen des Landes, überwerfen sich jedoch schließlich mit dem bereits betagten Areces. Beide Ehen werden Ende der 80er-Jahre auf Wunsch der Frauen geschieden. Wenig später stirbt Areces. Esther und Alicia Koplowitz besorgen sich gute Berater und nehmen ihr Schicksal fortan selbst in die Hand.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Beide Schwestern starten durch. Doch auch das Zweckbündnis der Schwestern hält nicht lang. Als die im Madrider Nobelvorort La Moraleja residierende Alicia Anfang 1998 wegen Meinungsverschiedenheiten mit ihrer älteren Schwester als Aktionärin beim Familienunternehmen FCC (Fomento de Construcciones y Contratas) ausscheidet, glauben viele, dass sie sich nun komplett aus der Wirtschaft zurückziehen werde. Das Gegenteil trat ein. ?Beide Schwestern haben sich immer durchgebissen?, hört man aus Kreisen des El Corte Inglés. Bei Alicia soll das auch mit ihrem festen Glauben zusammenhängen.Alicia setzt fortan auf die Hilfe des spanischen Finanzexperten und Gründer des Mineralölunternehmens Repsol, Óscar Fanjul. Über ihre Fondsbeteiligungsgesellschaft Morinvest und das Investmentunternehmen Omega Capital beginnt sie, an der Börse zu spielen, sich an Banken und Versorgern zu beteiligen und weltweit in Immobilien zu investieren. Jetzt, wo die Kinder ein eigenes Leben haben, stehen bei ihr Reisen nach New York zu Brokern und Investmentexperten auf der Tagesordnung. Morinvest verwaltet inzwischen ein Volumen von 500 Millionen Euro und erzielte in den ersten drei Monaten diesen Jahres immerhin eine Rentabilität von 3,5 Prozent.Die ältere Schwester startete nach dem Krach mit Alicia ebenfalls durch. Sie gründet 1998 die Beteiligungsgesellschaft B-1998, die neben FCC weitere kleinere Unternehmensaktienpakete besitzt. 49 Prozent von FCC verkauft sie wenige Monate nach dem Bruch mit ihrer Schwester an das französische Unternehmen Vivendi und macht damit Kasse. Beim alltäglichen Geschäft setzt sie fortan auf Marcelino Oreja und später auf Rafael Montes. Bei allen wichtigen Entscheidungen nimmt sie jedoch selbst den Faden in die Hand.?Esther hat Glück gehabt, weil die Baubranche in Spanien sehr gute Jahre genossen hat. Inzwischen hat sich aber gezeigt, dass Alicia die Cleverere der beiden ist. Sie hat ein sehr diversifiziertes Portfolio und ist über jede Bewegung ihrer Firmen sehr gut informiert?, sagt Juan Alvarez-Vijande García vom Madrider Führungskräfteinstitut IC-A. Gelernt hat Alicia Koplowitz das Spiel mit dem Geld vor allem von ihrem großen Vorbild und galizischen Freund Amancio Ortega, mit einem Vermögen von 24 Milliarden US-Dollar der reichste Mann Spaniens.Der wie sie im Hintergrund agierende Gründer der Modekette Zara spielt erfolgreich mit wechselnden Beteiligungen, Alicia Koplowitz macht es ihm nach. Weil auf dem heimischen Wohnungsmarkt die Krise begonnen hat, verkauft sie derzeit ihre Beteiligungen an Immobilienunternehmen wie Colonial und setzt auf Energie. Beim spanischen Versorger Iberdrola ist sie mit einer Beteiligung von zwei Prozent einer der größten Aktionäre.Aber nicht nur im Berufsleben überlassen die Schwestern Koplowitz nichts dem Zufall. Auch bei ihren privaten Verbindungen schauen beide sehr genau auf den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Hintergrund ihrer Auserwählten. Alicia Koplowitz ist derzeit mit Carlos Martínez de Irujo zusammen, Erbe der Duques de Alba, das reichsten Adelshauses Spaniens. Esther Koplowitz ist seit vier Jahren in zweiter Ehe mit Fernando Falcó, dem Marqués de Cubas, verheiratet ? ebenfalls ein Mitglied des spanischen Hochadels.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Zwei Wege zum Reichtum.Zwei Wege zum ReichtumDer Start: Die Schwestern Esther (56) und Alicia (54) Koplowitz haben eine sehr ähnliche Biografie: Beide heiraten sehr jung, bekommen jeweils drei Kinder und lassen sich Ende der 80er-Jahre scheiden, um ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen. Sie übernehmen von ihren Ehemännern gemeinsam die Leitung der von ihrem Vater gegründeten Baufirmen Cycsa und Focsa und fusionieren sie 1992 unter dem Namen FCC.Die Trennung: 1998 überwerfen sich die Schwestern. Alicia verkauft ihren Anteil von 28 Prozent an FCC für 820 Mill. Euro.Das Vermögen: Esther kontrolliert heute FCC über ihre Beteiligungsgesellschaft B-1998. Sie besitzt zudem zahlreiche Immobilien, deren Wert auf drei Mrd. Euro geschätzt wird. Ihr Vermögen wird auf 5,6 Mrd. Euro geschätzt. Alicia besitzt die Beteiligungsgesellschaft Omega Capital, die unter anderem etwas mehr als zwei Prozent am Versorger Iberdrola hält, aber auch viel in Forschung investiert. Ebenso gehört ihr das Unternehmen Morinvest. Auch ihr Vermögen beläuft sich auf rund fünf Milliarden Euro.
Dieser Artikel ist erschienen am 20.07.2007