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"Die Zeiten von Alleinherrschern gehen zu Ende"

Die Fragen stellte Anne Koschik
Thomas Strunz, 36, hat gewechselt: Statt Audi fährt er jetzt Phaeton, das Auto, mit dem VW in der Premiumklasse wildert. Und als neuer Manager des VfL Wolfsburg will er nun auch mit dem Verein in die Königsklasse, die Champions League, vordringen. Die internationale Werbewirksamkeit hätte für Hauptsponsor VW, 90-prozentiger Anteilseigner der VfL-Wolfsburg-Fußball-GmbH, unvergleichliche Bedeutung.
Herr Strunz, seit dem 1. Januar sind Sie Manager des VfL Wolfsburg - eine Position, für die Reiner Calmund, Ottmar Hitzfeld und Rudi Völler im Gespräch waren. Haben Sie sich um den Posten beworben?

Thomas Strunz: Nein, ich wurde gefragt. Und ich empfinde das als große Ehre und Bestätigung meiner Leistung. Es ist auch die logische Konsequenz dessen, was ich bisher gemacht habe


Was haben Sie denn geleistet, das Sie jetzt als "logische Konsequenz" für den Job in Wolfsburg qualifiziert?

Erst war ich Profifußballer, dann habe ich als Berater neue Spieler systematisch aufgebaut, Vereinsstrukturen und Manager kennengelernt - und jetzt arbeite ich selbst in einem Verein, der einen Weltkonzern repräsentiert. Der VfL steht jeden Tag in der Zeitung und das schlägt sich auch auf VW nieder. Eine Riesenverantwortung für uns alle

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Mit der Vorgabe in die Königsklasse des Fußballs, die Champions League, aufzusteigen? Hauptsponsor VW wäre damit weltweit bei einem Millionenpublikum präsent...

Es gibt da keine Zwänge. Aber natürlich gehört es auch zu meinen Aufgaben, mich in Verbindung mit VW um die Ausrichtung der Marke VfL Wolfsburg zu kümmern. Die Champions League ist eine große Herausforderung: Und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir es schaffen


Was werden Sie tun, um dieses Ziel zu erreichen?

Ich will die Mannschaft in ihrem Selbstbewusstsein stärken. In Kombination mit dem Trainer arbeite ich sehr nahe an der Mannschaft, will Strömungen wahrnehmen, auch beim Trainingslager dabei sein - ohne die Autorität des Trainers zu untergraben


Zunächst lassen Sie aber erst mal alles beim Alten, haben in der Winterpause keine neuen Spieler verpflichten. Ist das nicht sehr einfach?

Warum? Wir haben eine gute Mannschaft, waren in der Vorrunde achtmal Tabellenführer. Das Team hat Vertrauen verdient


Man könnte sagen, Sie sind in ein warmes Nest gefallen...

Naja, ein Fußballverein ist ja nicht nur ein Team auf dem grünen Rasen. In der Vergangenheit hat sich bei vielen Vereinen gezeigt: Wenn etwas in der Vereinsführung nicht klappt, wenn Probleme jedweder Art auftauchen, die nicht gemeinsam besprochen und beigelegt wurden, gab es auch ein Problem auf dem Platz. Je stärker alle an einem Strang ziehen, desto besser


Was können Sie dazu beitragen?

Ich werde meine Stärken einbringen. Ich sehe die Zukunft nicht darin, dass der Manager ja ohnehin immer am Ende entscheidet. Ich war nie ein Lautsprecher auf dem Platz und werde auch nie einer sein, aber intern habe ich immer meine Meinung vertreten. Das tue ich auch heute


Das klingt, wie mit Perwoll gewaschen. Muss ein Manager in Ihrer Position nicht auch offen Härte zeigen?

Ich bin nunmal ein Teamplayer. Die Zeiten von Alleinherrschern gehen zu Ende. Jeder kann und soll sogar seine Ideen entwickeln und kreativ sein - auch wenn es nicht sein ureigenster Bereich ist. Man kann alles offen ansprechen, dann gemeinsam überlegen. Am Ende werde ich dann die Entscheidung treffen


Ist Ihre Entscheidung, Manager zu werden und aus der Spielerberatung Strunz & Friends auszusteigen, auch im Team gefallen? Immerhin haben einige Spieler viel Vertrauen in Sie als Berater gesetzt...

Meine Beratertätigkeit war ein sehr prägender Teil meines Lebens, bei dem ich sowohl zu meinem Geschäftspartner als auch zu den Spielern enge Beziehungen geknüpft habe. Deshalb habe ich mich auch mit ihnen gemeinsam zusammengesetzt. Mit der Resonanz, dass alle gesagt haben: "Das ist doch eine riesige Chance und eine Auszeichnung für uns alle." Weil seriöses und solides Arbeiten in einer Branche mit schlechtem Ruf honoriert wird


Was reizt Sie an Ihrem neuen Job besonders?

Das Fiebern mit einem Verein hat mir gefehlt. Und zwar als absolute Emotion des Erfolgs und des Leidens. Jetzt müssen wir alle daran glauben, in der Champions League zu spielen. Dann klappt es


Der Glaube versetzt demnach Berge?

Fußball ist nicht komplett berechenbar. Von der Struktur und den wirtschaftlichen Zahlen und von der Mannschaft her ist Bayern München immer der Top-Favorit. Trotz weniger guter Voraussetzungen haben es in den letzten Jahren auch andere Vereine an die Tabellenspitze der Bundesliga geschafft und konnten so in die Königsklasse, die Champions League, aufrücken


Der VfL Wolfsburg als Deutscher Meister ist folglich gesetzt?

Wir wollen unter die ersten fünf kommen, um im internationalen Geschäft dabei zu sein. Aber wer Fünfter werden kann, kann auch weiter oben landen. Die Unterschiede sind da nicht mehr so groß. Die Umstände und der glückliche Zufall können es richten


VW und der VfL werden mehr von Ihnen verlangen, als dass Sie den Schicksalsgott geben. Was können Sie besser als Calmund und Völler - oder sind Sie nur die günstigere Variante?

Wissen wir denn, ob diese beiden überhaupt im Gespräch waren? Und wenn sie so gut sind, warum sind sie dann nicht in Wolfsburg? Es ist aber müßig darüber nachzudenken. Ich bin nun da und aus Sicht der Verantwortlichen des VfL und VW der Richtige für diese Aufgabe. Also heißt es Ärmel aufkrempeln, hart arbeiten und am Ende erfolgreich sein. Fertig!


Dieser Artikel ist erschienen am 06.01.2005