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Die zehn Top-Business-Schulen Großbritanniens

Christoph Mohr
Als karriere die besten MBA-Programme in Europa kürte (siehe 6/2004), war die Dichte hochklassiger Schulen nirgendwo größer als in Großbritannien. Im Ranking der europäischen MBA-Schmieden finden sich neben der drittplatzierten London Business School zehn weitere britische unter Europas Top 25.
Als karriere die besten MBA-Programme in Europa kürte (siehe 6/2004), war die Dichte hochklassiger Schulen nirgendwo größer als in Großbritannien. Im Ranking der europäischen MBA-Schmieden finden sich neben der drittplatzierten London Business School zehn weitere britische unter Europas Top 25.
Anders als in Frankreich oder der Schweiz, wo höchstens drei Business-Schulen den Markt beherrschen, muss es auf der Insel nicht gleich die teure London Business School sein (siehe Porträt S. 142), um einen Top-MBA zu absolvieren. Die individuelle Prägung jeder einzelnen Schule tut ihr Übriges, um das britische Angebot bunt und attraktiv zu machen. Jede der Schulen hat ihre besonderen Stärken; oft kommt ihnen die enge Anbindung an eine Hochschule bei der Forschung (Bath, Glasgow) oder das Image (Oxford, Cambridge) zugute. Von Ausnahmen wie Ashridge abgesehen, gilt aber auch: Die Zusammensetzung der MBA-Studenten mag so international sein wie das Commonwealth - die Beziehungspflege zu Deutschland und deutschen Arbeitgebern ist bei den meisten britischen Schulen unterentwickelt.

Top-Betreuung in Warwick
Die Überraschung des karriere-Rankings war zweifellos das sehr gute Abschneiden der Warwick Business School (Nr. 4 in Europa, Nr. 2 in Großbritannien). Die auf dem Campus der University of Warwick am Stadtrand von Coventry beheimatete Schule punktet vor allem durch ein sehr gutes Betreuungsverhältnis - ein Faktor, der in anderen MBA-Ranglisten bislang eher untergewichtet wurde. Die Qualität des Programms steht ohnehin außer Frage: Warwick war die erste britische Business School, die das Gütesiegel von allen drei gängigen Akkreditierungsorganisationen (AACSB, AMBA und EQUIS) verliehen bekam. Die Schule gilt zudem als sehr forschungsstark.
www.wbs.warwick.ac.uk

Multikulti in Oxford
Obwohl sie zu den jüngeren MBA-Schulen gehört, hat sich die erst 1996 begründete Saïd Business School der renommierten Universität Oxford innerhalb kürzester Zeit auch international einen Namen machen können. Der hohe Anteil ausländischer Studenten - 70 Prozent kommen aus nicht-europäischen Ländern - brachte sie im Europa-Ranking auf Platz 6. Intellektuell anspruchsvoll und forschungsgetrieben, hat die Schule auch inhaltlich einiges zu bieten. Saïd versteht sich als Teil der Universität, so dass es zahlreiche Querverbindungen zu den übrigen Oxford-Fakultäten gibt.
www.sbs.ox.ac.uk

Cass für Finanzjongleure
Die ehemalige City University Business School, die wie Saïd nach einer Millionenspende den Namen änderte, tritt langsam aber stetig aus dem Schatten ihrer großen Schwester, der London Business School. Wichtigstes Asset von Cass ist zweifelsohne ihre räumliche und personelle Nähe zu London, dem wichtigsten europäischen Bankenzentrum. Wer sich im Finanzsektor spezialisieren will, für den stellt auch einer der 19 Aufbaustudiengänge mit Master-of-Science-Abschluss (MSc) eine echte Alternative zum MBA dar. Für angehende Banker gibt es europaweit kaum einen besseren Ausbildungsplatz.
www.cass.city.ac.uk/mba

Die Manchester-Methode
Mitte der 60er Jahre fast zeitgleich mit der London Business School gegründet, kann die Manchester Business School (MBS) der großen LBS bis heute nicht das Wasser reichen. Trotzdem ist man stolz auf die hier entwickelte "Manchester-Methode" projektbasierten, praxisnahen Lernens. Nach der Fusion mit anderen Fachbereichen der Universität Manchester im letzten Jahr ist die MBS gegenwärtig die zahlenmäßig größte Business School in Großbritannien, wenn nicht in Europa: 200 Professoren und Dozenten, 1.650 Undergraduate-(Wirtschafts-)Studenten, 800 Postgraduate-Studenten, darunter 300 (!) Doktoranden. Ob das 18-monatige MBA-Programm unter der Bienenkorb-Atmosphäre leidet, wird der kommende Absolventenjahrgang zeigen.
www.mbs.ac.uk

Gipfelstürmer Cambridge
Wie ihre Schwester und große Konkurrentin Oxford kam auch die University of Cambridge erst sehr spät auf den MBA-Markt. Ihre Business School, das Judge Institute of Management, besteht erst seit wenigen Jahren. Trotzdem hat sich das MBA-Programm bereits unter die besten Angebote in Großbritannien vorarbeiten können. Alle Studenten sind zugleich Mitglieder eines der weltberühmten Colleges der Universität, was sowohl dem Ideenaustausch als auch dem Networking zugute kommt.
www.jims.cam.ac.uk

Breit, breiter - Bath
Seit Professor Andrew Pettigrew die Leitung der Bath School of Management im Oktober 2003 übernommen hat, ist hier eine neue Dynamik zu spüren. Davon profitiert auch das MBA-Programm, das schon seit über 30 Jahren angeboten wird. Das war auch nötig, bekommt Bath doch in Großbritannien immer Bestnoten, ist aber außerhalb kaum bekannt. Die Schule bietet einen einjährigen MBA mit einer starken Entrepreneurship-Komponente an, daneben auch einen MSc in Management, einen fast exotischen MSc in Responsibility and Business Practice, einen Master of Research in Management und einen in Europa sehr seltenen Doctor of Business Administration in Higher Education Management für zukünftige Management-Lehrer.
www.bath.ac.uk/management

Henley worldwide
Das Henley Management College unweit von London wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der Wirtschaft gegründet, um Fortbildungskurse für Manager anzubieten. Neben diesem heute noch wichtigen Aktivitätsfeld aber hat Henley über die Jahre ein sehr großes MBA-Portfolio aufgebaut, das mit verschiedenen Partnern weltweit in über zwanzig Ländern angeboten wird. Seit kurzem bietet Henley auch mit der privaten Hochschule für Bankwirtschaft in Frankfurt den zweijährigen "Frankfurt Evening MBA" an.
www.henleymc.ac.uk

Tradition in top-form: Cranfield
Die Cranfield School of Management verfügt über eines der ältesten MBA-Programme in Europa mit beständig hoher Qualität. Cranfield ist von allen drei international maßgeblichen Akkreditierungsorganisationen (AMBA, EFMD, AACSB) geprüft und legt großen Wert auf die Persönlichkeitsentwicklung. Die in Mittelengland, 75 Kilometer nordwestlich von London in ländlicher Umgebung angesiedelte Schule ist ohne Auto nicht gut zu erreichen, bietet aber beste, hochmoderne Ausstattung.
www.cranfield.ac.uk/som

Unternehmensnahes Ashridge
Die Business School Ashridge ist ein lebender Anachronismus: Weitab von jeder Großstadt residiert sie in einem mittelalterlichen Anwesen und zählt doch zu den Schulen, die am engsten mit Unternehmen zusammenarbeiten und mit deren gegenwärtigen Problemen vertraut sind. So beruht der Ruf von Ashridge vor allem auf seinen kurzen Fortbildungsprogrammen für Manager, wo die Schule einer der führenden Anbieter in Europa ist, sowie auf ihrem Consulting-Sektor. Die Nähe zu Unternehmen spiegelt sich auch im ungewöhnlichen Aufbau des MBA-Studiums wider, dessen wesentliches Element die Arbeit an realen Projekten in realen Unternehmen ist. Im letzten Jahr warb Ashridge den Deutsch-Kanadier Kai Peters ab, der als Dean die Rotterdam School of Management zu einer der führenden in Europa gemacht hatte.
www.ashridge.org.uk

Verkannte Perle Glasgow
Zwar gehört die University of Glasgow mit ihrer über 500-jährigen Geschichte zu den besten britischen Universitäten und unterhält eine der ältesten Business Schools Europas. Doch befindet sie sich bislang kaum auf dem Radarschirm deutscher MBA-Interessenten - was wohl mit der etwas exzentrischen Lage in der schottischen Industriestadt zusammenhängt. Ihre größte Stärke: die enge Anbindung an die Universität und deren Forschung. Hier entsteht das bekannte "European Management Journal" in Kooperation mit dem Verlag Elsevier. Und hier lassen sich neben dem einjährigen Vollzeit-MBA auch die forschungsorientierten Programme MSc in Management und MSc in Management Research absolvieren. Ein genauerer Blick auf diese Schule lohnt in jedem Fall.?
www.gla.ac.uk

Dieser Artikel ist erschienen am 27.12.2004