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Die Werbe-Masche

Christoph Stehr
Foto: Bob Heinemann
Stellengesuche bringen nichts? Von wegen. Mit einem knackigen Text kommen Sie groß raus.
Hartmut Sperber, Personalmanager beim Pharma-Hersteller Merck in Darmstadt, lässt kein gutes Haar am typischen Stellengesuch, wie er es dutzendfach samstags in der Zeitung liest: "Wenig aussagefähig, klingen immer gut, sagen qualitativ aber nichts über die Leistung und das Profil des Suchenden."

Nichts leichter, als sich von dieser schlappen Konkurrenz abzuheben. Der erste Schritt zum treffsicheren Stellengesuch ist, die richtige Zeitung zu finden. Überregional führend sind FAZ und Süddeutsche Zeitung, Ingenieure schalten am besten in den VDI-Nachrichten, Mediziner und Geisteswissenschaftler in der Zeit. Auch Fachzeitschriften haben Stellenteile, zum Beispiel Werben & Verkaufen für Werbe- und Marketingleute, Neue Juristische Wochenschrift für Juristen, Versicherungswirtschaft für Versicherungskaufleute, Der Journalist für Journalisten, Textilwirtschaft für Modedesigner und Textilingenieure. Bewerber, die nicht bundesweit suchen, sind in einer Regionalzeitung gut aufgehoben

Die besten Jobs von allen


Als nächstes sollten die Stellenteile mehrerer Ausgaben des "richtigen" Mediums ausgewertet werden: Welche Unternehmen schreiben Jobs aus? Welche Anforderungen stellen sie? Nach welchem Muster sind die Stellengesuche gestrickt? Dann geht es ans Texten. Für die Rohfassung reichen Stichworte: genaue Beschreibung der Zielposition, Alter, Geschlecht, Qualifikationen und Erfolge. Wer mobil ist, sollte dies angeben, ebenso, wer in ungekündigter Stellung ist. Der ausformulierte Text darf weder Worthülsen wie "suche neuen Wirkungskreis/interessante Herausforderung" noch Selbstverständlichkeiten ("ehrlich", "fleißig", "kompetent") enthalten. Viele Abkürzungen stören den Lesefluss. Völlig daneben ist es, Not zu signalisieren ("dringend", "so bald wie möglich", "arbeitslos") oder gar zu betteln ("Hilfe, wer gibt mir einen Job?")

Die Überschrift sollte zum Schluss getextet werden. Sie betont, was der Bewerber anbietet, und weniger, was er sucht ("Ich bringe Ihr Controlling in Ordnung" statt "Controller will Wirkungsfeld ausweiten"). Fettdruck und größere Schrift sind erlaubt, dagegen wirken inhaltliche Übertreibungen ("Marketinggenie") peinlich

Auch wer unter Chiffre inseriert, sollte unbedingt noch eine Telefon- oder Faxnummer angeben. Der Personaler wird eher mal eben zum Hörer greifen, als dass er einen Brief diktiert, mit dessen Beantwortung er nicht vor ein bis zwei Wochen rechnen kann. Hinweise wie "gern auch auf Zeit/gern auch vertretungsweise" erhöhen die Erfolgsaussichten. Größe und Optik des Stellengesuchs müssen der angestrebten Position angemessen sein, das heißt, ein Bewerber um eine Traineestelle sollte tunlichst keine Viertel Zeitungsseite plakatieren

Ganz wichtig: Wer ein Stellengesuch schaltet, darf nicht enttäuscht sein, wenn ihm nicht sofort alle Top-Adressen von Siemens bis BMW die Tür einrennen. Die zentralen Personalabteilungen der Konzerne nutzen meist andere Rekrutierungswege. Mehr Aufmerksamkeit finden Stellengesuche in kleinen und mittleren Unternehmen, in denen die Personalsuche oft noch Sache des Chefs ist. Und der spart gern die 1.000 und mehr Euro, die es ihn kosten würde, selbst ein Stellenangebot zu inserieren, statt die Stellengesuche durchzukämmen.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.02.2003