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Die Wahrheit über Davos

Von Christoph Mohr, Handelsblatt
DGB-Chef Michael Sommer fühlt sich bestätigt, dass die Wirtschaftsflaute kein deutsches, sondern ein internationales Problem ist. Swiss-Boss André Dosé hat beobachtet, dass die westliche Welt US-Anliegen auch kritisch gegenübersteht.
DÜSSELDORF. Entstanden ist ein Stimmungsbild der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Führungseliten in Europa und den USA zu einem Zeitpunkt des erwarteten Irak-Krieges und eines sehr tiefgehenden Vertrauenschwundes in Unternehmen und Regierungen.Geantwortet haben prominente Wirtschaftsführer und -experten aus aller Welt. Die Einsichten, die sie gewonnen haben, haben viele Facetten. Für Siemens-Chef von Pierer ist Integrität wichtiger denn je. Stephen Roach, Chef-Volkswirt von Morgan Stanley, spricht von den Gefahren einer asymmetrischen Entwicklung im Globalisierungsprozess. Staatssekretär Alfred Tacke sieht Europa mehr denn je gefordert, einen höheren Wachstumbeitrag zu leisten. Und der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, sieht sich in seiner Meinung bestätigt, dass nicht die deutsche Wirtschaft allein in der Krise steckt, sondern dass die Weltwirtschaft in der Vertrauenskrise steckt. Sommer hat aber auch ganz andere Einsichten mitgenommen: "Gefreut hat es mich, dass offenkundig immer mehr Wirtschaftsvertreter und Unternehmen erkennen."

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Dass die Irak-Krise das dominierende Thema war, hat den Chef der schweizer Fluggesellschaft Swiss, André Dosé, weniger überrascht als vielmehr die Tatsache, dass die USA als stärkste Wirtschaftsmacht der Welt heute nicht einfach mit dem Gesetz des Stärkeren auftreten und sich der Gefolgschaft der gesamten westlichen Welt sicher sein kann. Der Chef des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, glaubt erkannt zu haben, dass eine tiefe internationale Vernetzung und Kooperation nicht zuletzt in der Terrorismus-Bekämpfung unentbehrlich sind. Infineon-Chef Schumacher empfand die Irak-Debatte teilweise als zynisch.Auch Michael Dell (Dell Computers), Bernd Fahrholz (Dresdner Bank/Allianz), Audi-Chef Martin Winterkorn, der Chefökonomen der Crédit Agricole, Pascal Blanque, sowie Vertreter weltweit führender Beratungsunternehmen wie Accenture, Booz Allen Hamilton, Heidrick & Struggles oder Pricewaterhouse Coopers und führende Business Schools (IMD, Insead, London Business School, MIT) haben neue Einsichten in Davos gewonnen.Zu Wort kommen aber auch ungewöhnliche Davos-Teilnehmer wie Erzbischof Lord Carey of Clifton und Vertreter der Antikorruptionsorganisation Transparency International, der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und Gianna Angelopoulos-Daslaki, die Präsidentin der Olympischen Spiele von Athen 2004.
Dieser Artikel ist erschienen am 20.02.2003