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Die Versuchung des Euro

Händler sollten nicht der Versuchung nachgeben, ihre Preise bei der Umstellung auf den Euro nach unten abzurunden. Diese Empfehlung gibt die Unternehmensberatung Simon,Kucher & Partners (SKP), nach eigenen Angaben, "das weltweit führende Beratungsunternehmen für Preispolitik". Die meisten Unternehmen unterschätzen die negative Wirkung einer Preissenkung, meint der Direktor des Wiener Büros von SKP, Michael Paul: "Die Firmen werden nicht so viel zusätzliche Mengen verkaufen, dass sie Verluste ausgleichen können." Händler, die wie Aldi systematisch die Preise bei der Umstellung abrundeten und dabei Umsatzeinbußen von zwei bis drei Prozent in Kauf nähmen, erkauften sich teuer kurzfristige Effekte mit langfristigen Nebenwirkungen.

Hierzu zählt Paul den Verlust an Glaubwürdigkeit, wenn über kurz oder lang die Preise wieder angehoben werden müssten. Auch zusätzlicher Druck auf die Zulieferer bringe nicht viel, weil viele von diesen einer SKP-Untersuchung zufolge bereits mit Verlusten arbeiten. Eine weitere Ausdünnung der Landschaft führe zur Konzentration: "Der Handel züchtet sich damit seine eigene Gegenmacht."
Dieser Artikel ist erschienen am 14.01.2002