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Die Unterschiede zwischen Greenspan und Bernanke

Ben Bernanke und Alan Greenspan sind sich in vielen Dingen einig. Es gibt jedoch auch einige Unterschiede zwischen den beiden.
  • Spekulationsblasen: Einig sind sich Ben Bernanke und Alan Greenspan darin, dass die Mittel einer Notenbank zur Bekämpfung von Spekulationsblasen sehr begrenzt sind. So teilt der designierte Fed-Chef die Ansicht seines Vorgängers, dass es besser ist, die Folgen von Marktexzessen zu beheben, als zu versuchen, diese von vornherein zu verhindern. Greenspan musste sich in den vergangenen Jahren häufig dafür verteidigen, dass er Ende der 90er-Jahre nicht frühzeitig die Interneteuphorie an den Börsen gebremst hatte.
  • Inflationsbekämpfung: Anders als Greenspan befürwortet Bernanke ein numerisches Inflationsziel für die amerikanische Notenbank. Er verspricht sich davon mehr Transparenz über den Kurs in der Geldpolitik. Ein Inflationsziel erhöhe auch die Stabilität an den Finanzmärkten. Die Bank of England verfolgt offiziell ein Inflationsziel, die Europäische Zentralbank hat sich ein Stabilitätsziel von unter, aber nahe zwei Prozent gesetzt.
    Greenspan lehnt dagegen eine Regelbindung in der Geldpolitik ab. Er sieht darin eine unnötige Zwangsjacke, die es verhindert, dass die Notenbank flexibel auf wirtschaftliche Schocks reagieren kann. Beobachter wie Bill Dudley, Chefvolkswirt der Investmentbank Goldman Sachs, vermuten, dass Bernanke versuchen wird, seine Vorstellungen durchzusetzen. Der designierte Fed-Chef hat jedoch angekündigt, dass er zugleich für Kontinuität in der Tradition von Greenspan sorgen wolle. Lesen Sie weiter auf Seite 2: Sprache und Führungsstil.

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  • Fed-Talk: Anders als Greenspan ist Bernanke für seine klare und verständliche Sprache bekannt. Während der 79-jährige Fed-Chef meist leise und orakelhaft seine wahren Absichten verbirgt, verblüfft Bernanke durch eine für Notenbanker ungewohnte Offenheit.
  • Führungsstil: Sowohl Greenspan als auch Bernanke gelten als gute Team-Spieler. Greenspan hat es in seinen 18 Jahren zwar geschafft, die Fed zu einer Ein-Mann-Show zu machen. Das ist ihm jedoch nur gelungen, weil er die anderen Notenbanker auf seine Seite ziehen konnte. Auch Bernanke gilt als offen für neue Gedanken und ist innerhalb der Fed für seine Kollegialität bekannt. tor
Dieser Artikel ist erschienen am 25.10.2005