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Die unsichtbare Milliardärin

Auf Promi-Partys ist sie nie zu sehen, ihr Privatleben ist tabu: Susanne Klatten, Erbin der Unternehmerfamilie Quandt und Großaktionärin von Altana, scheut die Öffentlichkeit. Schon heute ist die reichste Frau Deutschlands 9,6 Milliarden Euro schwer - bald werden es wohl zwei Milliarden mehr sein.
HB BAD HOMBURG. Diskretion ist die oberste Maxime für die 44 Jahre alte Klatten, die auch als Aufsichtsrätin der beiden Dax-Konzerne Altana und BMW auf Hauptversammlungen nie das Wort ergreift. Doch mit dem Verkauf der Pharmasparte des Bad Homburger Pharmakonzerns Altana, an dem sie 50,1 Prozent hält, rückt die Großaktionärin nun ins Rampenlicht. Ohne ihren Segen hätte der dänische Pharmahersteller Nycomed niemals den Zuschlag bekommen.Für Klatten hat Tradition einen hohen Stellenwert. Die weit verzweigte Unternehmerfamilie Quandt ist vor allem dafür bekannt, an Beteiligungen lange festzuhalten und sie nicht schnell wieder zu Geld zu machen. Deshalb galt auch beim Verkauf der Altana-Pharmasparte der Einstieg von ?Heuschrecken?, die genau diese Strategie verfolgen, eigentlich als undenkbar.

Die besten Jobs von allen

Dass nun doch ein Finanzinvestor indirekt das Pharmaunternehmen übernimmt, zeigt, wie groß die Not war. Deshalb wurden die Quandt-Kinder jüngst schon als ?Erben ohne Fortune? bezeichnet. Den Nachkommen mangele es an Weitsicht und Gespür für Zukunftsmärkte. ?Susanne Klatten hat mit dem Konzern jede Menge Geld verdient, ihr unternehmerisches Gesellinnenstück aber hat sie nicht abgeliefert?, urteilte das ?Manager-Magazin? kürzlich.Als ihr Vater Herbert Quandt 1982 starb, erbte die damals erst 20-jährige Susanne mit ihrem Bruder Stefan und ihrer Mutter Johanna große Aktienpakete von Altana und BMW. An dem Münchner Autobauer hält Susanne Klatten 12,5 Prozent, ihr Bruder und ihre Mutter haben noch größere Anteile. Gemeinsam kommen die drei auf gut 46 Prozent. Aus ihren beiden Beteiligungen hat Susanne Klatten allein im vergangenen Jahr mehr als 100 Millionen Euro an Dividenden eingenommen.Susanne Klatten, am 28. April 1962 in Bad Homburg geboren, machte nach dem Abitur von 1981 bis 1983 eine Ausbildung zur Werbekauffrau bei der Agentur Young & Rubicam in Frankfurt. Anschließend studierte sie Betriebswirtschaft an der britischen University of Buckingham und schloss ihr Studium 1988 am renommierten International Management Development Institute in Lausanne ab. Erste Berufserfahrungen sammelte sie als Assistentin der Geschäftsführung bei Burda in München. ?In dieser Position konnte sie erstmalig den Unternehmerberuf in seiner ganzen Breite erleben?, schreibt der Autor Rüdiger Jungbluth in seinem Buch ?Die Quandts?.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ihren Mann lernte sie unter falschem Namen kennen. 1990 heiratete die Quandt-Tochter in der Dorfkirche von Kitzbühel den Ingenieur Jan Klatten, den sie bei einem Praktikum im BMW-Werk Regensburg unter dem falschen Namen Susanne Kant in der Kantine kennen gelernt hatte, und nahm seinen Namen an. In den folgenden Jahren bekam das Paar, das in München lebt, drei Kinder. Beruflich konzentrierte sich die Milliardärin auf Aufsichtsratsmandate. 1993 wurde sie in das Kontrollgremium von Altana berufen, wo sie 1996 zur stellvertretenden Vorsitzenden wurde. Ein Jahr später zog sie auch in den Aufsichtsrat von BMW ein. ?Ich sitze jeden Tag mehrere Stunden am Schreibtisch?, sagte Klatten 2002 zu der Frage, ob die Tätigkeit in den Aufsichtsräten ein Vollzeitjob sei.Neben ihrem unternehmerischen Wirken engagiert sich Susanne Klatten in der nach ihrem Vater benannten Herbert-Quandt-Stiftung, die unter anderem internationale Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Politik und Kirchen zum Gedankenaustausch über Zukunftsfragen zusammenführt. Seit 2000 sitzt sie zudem im Kuratorium der TU München. Als Kapitalgeberin ?Unternehmer TUM GmbH? setzt sie sich seit 2002 für die Förderung des Unternehmertums ein. ?Mit meinem Engagement möchte ich als Unternehmerin ein sichtbares Zeichen für die Förderung von Gründergeist und Unternehmertum setzen?, erklärt sie. Als Hobbys gibt die Unternehmerin mit der burschikosen blonden Kurzhaarfrisur Skifahren und Wandern an - was bei der Nähe zu den Alpen kaum verwundert.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.09.2006