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Die Startup-Schule

Yvonne Globert
Die private Fachhochschule Bits in Iserlohn will Unternehmer ausbilden.
Ausgerechnet im Sauerland. Da, wo die Ortsnamen wie münsterländische Eintopfgerichte klingen: Kalthof, Sümmern, Kesbern. Ausgerechnet hier sollen die Studenten der Business Information Technology School (Bits) auf ein Leben als Unternehmensgründer und -lenker vorbereitet werden. Wer im 57.200 Einwohner kleinen Iserlohn für 6.450 Mark im Semester studiert, muss gute Gründe haben.

Einen guten Grund hat, wer Unternehmergeist entwickeln möchte. Das, sagt Bits-Projektleiter Ulrich Freitag, sei das Ziel der privaten Fachhochschule, die im vergangenen Herbst ihren Lehrbetrieb aufgenommen hat. "Egal ob jemand später bei einer Firma angestellt ist oder selbst ein Unternehmen gründen will.

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Die Bits wirbt damit, die erste private Unternehmerhochschule zu sein. Doch auch andere Privatschulen haben Lehrstühle für Unternehmertum, Unternehmensführung oder Existenzgründung eingerichtet. Die "Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung" (WHU) in Vallendar zum Beispiel oder auch die Universität Witten-Herdecke.

Julita Jast schätzt die intime Atmosphäre der Bits, die auf dem Gelände eines ehemaligen Militärhospitals untergebracht ist. "Mit 600 Leuten im Hörsaal zu sitzen, wäre nichts für mich. Wir arbeiten in kleinen Gruppen." Zweimal schon hat sich die 25-jährige Studentin für Betriebswirtschaftslehre (BWL) als Gründerin versucht. Zunächst im Immobilien-Geschäft, später mit einem kleinen Vertrieb für Rehabilitations-Artikel. Wissen, das ihr für dauerhaften Erfolg fehlte, möchte sie sich jetzt aneignen.

Insgesamt 35 Studenten stecken mitten im BWL-Grundstudium, lernen dort klassische BWL, Business English und Soft Skills. Im Hauptstudium werden sie sich dann auf Asset- und Finanzmanagement oder Gründungsmanagement spezialisieren.

"Die Studenten sollen in der Lage sein, ein junges Unternehmen zu führen", sagt Ebbo Tücking. Wie wichtig das ist, weiß der Betriebswirt aus eigener Erfahrung: Tücking war selbst ein Existenzgründer, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Vor zwei Jahren hat er am Textilforschungsinstitut in Münster einen Bodyscanner entwickelt, mit dessen Hilfe sich Anzüge nach Maß produzieren lassen. Jetzt ist er in der Bits als Berater gefragt. "Ich werde hier geradezu mit Businessplänen überhäuft", sagt Tücking. Die Geschäftsideen stammen vorwiegend aus der Informationstechnologie. Manch ausgefallenere Idee ist auch dabei, wie ein Konzept für Altauto-Handel.

Das Gründerzentrum auf dem Bits-Campus, die so genannte "Founder s Garage", soll noch wachsen. Firmenräume für Startups gibt es schon. Ab Oktober sollen ein schnellerer Internet-Zugang und ein gemeinsames Sekretariat hinzukommen. Mit der Gründergarage wollte die Bits ursprünglich Studenten für den Studiengang Wirtschaftsinformatik locken. Aus Mangel an Nachfrage wurde der Studienbeginn aber schon zwei Mal verschoben.

Die Gründerwerkstatt gehört zur Gold-Zack AG aus Mettmann, einer ehemaligen Textilfirma, die inzwischen zur Investmentbank umgewandelt wurde und Unternehmen an den Neuen Markt der Börse bringt. Initiator und Bits-Präsident ist Dietrich Walther, langjähriger Gold-Zack-Vorstandschef und jetzt im Aufsichtsrat.

Die Gold-Zack AG ist nicht unumstritten: Viele der rund 50 Unternehmen, an denen sie beteiligt ist, sind an der Börse abgestürzt. Bekanntestes Beispiel ist der Seniorenheimbetreiber Refugium, dessen Aktien von 43,57 Euro im Jahr 1997 auf 0,46 Euro fielen. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Altvorstände wegen Bilanzfälschung. Walther selbst muss mit Schwierigkeiten rechnen: Bis vor zwei Jahren führte er den Aufsichtsrat.

Der Wahl-Iserlohner ist zudem an einer Grundstücksgemeinschaft beteiligt, die das ehemalige Krankenhaus in Iserlohn für rund 50 Millionen Mark renovieren lässt und Teile an die Bits vermietet. Seniorenwohnungen der Refugium AG sollten hier ursprünglich einmal entstehen.

Auch an der Finanzierung der Bits ist das Gold-Zack-Imperium beteiligt: Wie das Emissionshaus sind der IT-Berater und Dienstleister CSC Ploenzke aus Wiesbaden und die Frankfurter Gontard & Metallbank mit je 33 Prozent am Stammkapital der Bits GmbH beteiligt, die Trägerin der Hochschule ist. Der ehemalige Ploenzke-Vorstandsvorsitzende Christian Stolorz ist wiederum seit kurzem Vorstandsvorsitzender der Gold-Zack AG. Und die wiederum ist mit 44 Prozent an der Gontard & Metallbank beteiligt.

Jedem zweiten Studenten strecken Ploenzke, Gontard und Gold-Zack das Geld für das Privatstudium als Mentoren vor. Die Studenten verpflichten sich im Gegenzug, nach ihrem Abschluss ein paar Jahre für ihre Mentoren zu arbeiten. Die Gold-Zack hofft darüber hinaus, künftige Firmengründer aufs Börsenparkett begleiten zu können. Interessante Businesspläne leitet Ebbo Tücking schon jetzt weiter an den Risikokapitalgeber Evision-Ventures, an dem Gold-Zack alle Anteile hält.

Doch Ziel der Studenten ist zunächst, den staatlich anerkannten Abschluss als Diplom-Kaufmann/frau (FH) in der Tasche zu haben. Demnächst gibt es auch Abschlüsse in Wirtschaftsinformatik und Medienmanagement. Ein Auslandsaufenthalt und Betriebs-Praktika gehören in allen Studiengängen zum Pflichtprogramm.

Praxiserfahrung haben auch viele Dozenten bei Unternehmen wie Artur Andersen Business Consulting oder der Landesbank Hessen-Thüringen gesammelt. Einige unterrichten parallel an der Dortmunder International School of Management. Auch wenn sich die Studenten nicht selbstständig machen prophezeit das Bits-Team ihnen rosige Jobaussichten - auch außerhalb von Gold-Zack.

Infos im Internet: www.bits-iserlohn.de.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.07.2001