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Die Riester-Rente ist besser als ihr Ruf

Von Oliver Dobner, Handelsblatt
Die Riester-Rente ist mehr ein Ladenhüter als ein Publikumsliebling. Die Gründe sind vielfältig: Regierung und Opposition haben bis zum Schluss taktiert. Kurz vor Inkrafttreten wurden große Teile der Reform erneut verändert, mit der Folge, dass die Produkte der Finanzbranche für die Kunden nicht rechtzeitig bereit standen.
Die Verunsicherung wurde noch größer, als die Gewerkschaften empfahlen, auf die Versorgungswerke der Tarifpartner zu warten. Die Verbraucherschutzorganisationen riefen dazu auf, abzuwarten bis eine Transparenz der Angebote vorläge. Die Versicherungsbranche kritisierte die ungünstigen Vergütungsregelungen für Vertreter.Die politischen Parteien setzten die gegenseitigen Vorwürfe weiter fort. Die Medien griffen das Thema entsprechend immer wieder negativ auf. Unter diesen Umständen verwundert es nicht, dass der verunsicherte Bürger sich nicht für ?Riester? erwärmen kann. Dabei ist ?Riester? endlich ein Einstieg in die kapitalgedeckte Altersvorsorge.

Die besten Jobs von allen

Nach demographischen Untersuchungen müssen wir davon ausgehen, dass jeder Bürger künftig in kapitalgedeckte private Systeme einzahlen muss, um später eine ausreichende Rente zur Verfügung zu haben. Das Riester-System spielt dabei mit vier Prozent des Bruttoeinkommens (ab 2008) eine wichtige Rolle. Parallel sollte jeder Beschäftigte die maximal mögliche Entgeltumwandlung von vier Prozent für die betriebliche Altersversorgung nutzen, indem er den Gegenwert in eine Pensionskasse einzahlt. Darüber hinaus muss jeder Einzelne zusätzlichen Versorgungsbedarf durch andere Maßnahmen decken. Dazu gehören Lebens- und Rentenversicherungen ebenso wie Wertpapiersparpläne oder Immobilien.Steuerlich werden private und betriebliche Riester-Verträge gleich behandelt. Der Sparer zahlt die Beiträge aus unversteuertem Einkommen. Die Leistungen im Alter werden dagegen besteuert. Beim privaten Riester-Vertrag werden Zulage und Steuervorteil allerdings erst im Folgejahr ausgezahlt. Dafür bietet der private Riester-Vertrag ein Mehr an Flexibilität: Der Einschluss des nicht-beschäftigten Ehepartners ist möglich - und damit die Inanspruchnahme der Förderung auch für ihn. Ferner besteht Unabhängigkeit bei einem Arbeitgeberwechsel.Die Riester-Förderung beträgt durchschnittlich 50 Prozent, bei Geringverdienern sogar bis zu 92 Prozent der Einzahlungen Wer diese Förderung aus der Staatskasse nicht nutzt, verzichtet auf Versorgung im Alter. Auch wenn Riester-Sparen nach wie vor bürokratisch ist - die Belastung tragen die Riester-Anbieter. Für den Bürger hält sich der Aufwand in Grenzen.Jeder Bürger sollte seine Altersversorgung nach folgenden Prioritäten aufbauen:1.Nutzung der maximalen Entgeltumwandlung in der betrieblichen Altersversorgung.2.Abschluss eines privaten Riester-Vertrages.3.Aufstockung von Versorgungslücken durch private Vorsorge.Um die Riester-Rente doch noch zum Erfolg zu führen, wäre eine Entrümpelung der bürokratischen Regelungen sicher sinnvoll. Das sollte aber den Abschluss von Verträgen durch Arbeitnehmer und Sparer jetzt nicht verhindern.Oliver Dobner verantwortet als Geschäftsführer u.a. den Bereich betriebliche Altersvorsorge bei der Marsh GmbH, Frankfurt, einem Unternehmen im Risiko- und Versicherungsmanagement.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.04.2004