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Die Reichsten in der Schweiz

Von Oliver Stock
Die Schweiz setzt in mancher Hinsicht ganz eigene Maßstäbe ? etwa, wenn es um Superreiche geht, die sich in der Eidgenossenschaft niederlassen. Ein Magazin erstellt daher jedes Jahr eine Liste dieser finanziellen Schwergewichte speziell für das Schweizer ?Mekka?.
ZÜRICH. Sie kommt alljährlich ? die Liste der Superreichen, die in der Schweiz leben. So wie "Forbes? eine ähnliche Liste für die ganze Welt liefert, versucht das Schweizer Magazin "Bilanz?, eine solche Liste fürs eigene Land auf die Beine zu stellen.Dabei gibt es einige Überlappungen, denn wegen des günstigen finanziellen und landschaftlichen Umfelds zieht es viele Reiche in die Schweiz. Es gibt auch interessante Phänomene am Rande, wie etwa das, dass der südafrikanische Kleinstaat Lesotho im vergangenen Jahr mit einem Inlandsprodukt von 1,7 Mrd. Franken (1,1 Mrd. Euro) genau so viel erwirtschaftet hat, wie es ein durchschnittlicher Reicher auf der 300 Personen umfassenden Schweizer Liste besitzt.

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Interessant ist an sich auch, dass sich immer mehr Manager in dieser Liste nach oben dienen, oder unten eingestiegen sind. Novartis -Chef Daniel Vasella, der dank seines großzügig dotierten Doppelmandats als operativer Chef und Verwaltungsratspräsident Bezüge von mehr als 40 Mill. Franken im Jahr nach Hause nehmen kann, klopft mit einem geschätzten Vermögen von 100 bis 200 Mill. Franken in der Liga der Superreichen ganz unten an ? wobei die Spannbreite dieser Schätzung bereits den Erkenntniswert dieser Art Listen deutlich macht. Das schmälert allerdings nicht ihren sonstigen Unterhaltungswert, schließlich steht der eine oder andere geläufige Name auf der Liste.In der Vasella-Gruppe, die wir jetzt mal die armen Reichen nennen, rangieren beispielsweise auch die Banker Josef Ackermann und Marcel Ospel. Sie beide oder zumindest UBS -Präsident Ospel könnten sich auf der Liste des kommenden Jahres auf noch niedrigeren Plätzen wiederfinden ? zumindest falls die Finanzmarktkrise bei ihren Gehältern entsprechende Spuren hinterlässt. Sergio Marchionne wiederum ist etwa doppelt so reich, oder besser halb so arm, wie es in dieser Kategorie noch heißt. Mit 200 bis 300 Mill. Franken, rangiert der Fiat -Chef und Multiaufsichtsrat unter den Managern der Mitte. Die Liste wird in dieser Klasse von Tom O?Malley angeführt. Der Wahlschweizer sitzt an der Spitze der Angestellten des Energiehändlers Petroplus. Jeder Zusammenhang mit hohen Benzinpreise ist rein zufällig.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ganz oben auf der Liste finden sich nur wenige waschechte SchweizerAuffällig ist, dass sich auf der Liste weiter oben nur noch sehr wenige waschechte Schweizer befinden. Der Reichste überhaupt ist mit 35 bis 36 Mrd. Franken der Schwede Ingvar Kamprad, der uns Ikea geschenkt hat, was sich damit als nicht ganz uneigennütziges Präsent herausstellt. Der alte Herr genießt seinen Lebensabend in der Nähe von Luzern.Zwei Russen sind unter den Top Ten: Weil niemand genau weiß, wie sie zu ihren Vermögen gekommen sind, zählen sie zur Gruppe der Oligarchen. Im Schweizer Fall heißt der eine Wiktor Wekselberg. Er versucht derzeit von seinem Wohnort Zürich aus sein in Russland verdientes Vermögen möglichst weltweit anzulegen, und beteiligt sich dabei auch an eidgenössischen Firmen. Der andere heißt Dimitri Rybolowlew. Er hat früher in Düngemittel investiert, was auch seinem Vermögen zum Wachstum verhalf: Auf acht Mrd. Franken wird geschätzt, was er auf der hohen Kante liegen hat. Inzwischen investiert er in Biotechnik. Auch gebürtige Deutsche tummeln sich in dieser Klasse: Metro -Gründer Otto Beisheim etwa oder die Familie Liebherr. Bei beiden dürfte das Vermögen so etwa bei sechs Mrd. Franken liegen.Um all denen, die diese Liste studieren und vielleicht gerade ein kleines Sümmchen in den Sand gesetzt haben, etwas Befriedigung zu verschaffen, werden auch die Absteiger des Jahres notiert. Die Familien Oeri und Hoffmann führen diese Liga an. Die Gründer und Haupt-Investoren des Pharmakonzerns Roche verloren zwei Milliarden, was allerdings bei einem übrig gebliebenen Vermögen von 18 bis 19 Mrd. Franken noch kein Anlass zur Sorge sein muss.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.11.2007