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Die rechte Hand der Titanen

Von Frank Siering und Thomas Knüwer
Eigentlich ist Stephen Bollenbach kein Mann für das Hotelgeschäft. Sagt er auch selbst: ?Ich kann keine Eier kochen, Betten machen gehört auch nicht zu meinen Stärken. Und das waren früher Einstellungsvoraussetzungen für einen Hotelchef.? Und trotzdem ? seit zehn Jahren lenkt er die Geschicke eines der ruhmreichsten Konzerne der Hotel-Szene: Hilton Hotels Corporation. Mit der Vereinigung der beiden Hilton-Konzerne steht er vor der letzten Herausforderung seiner bunten Karriere.
BEVERLY HILLS/DÜSSELDORF. Eigentlich ist Stephen Bollenbach kein Mann für das Hotelgeschäft. Sagt er auch selbst: ?Ich kann keine Eier kochen, Betten machen gehört auch nicht zu meinen Stärken. Und das waren früher Einstellungsvoraussetzungen für einen Hotelchef.?Und trotzdem ? seit zehn Jahren lenkt er die Geschicke eines der ruhmreichsten Konzerne der Hotel-Szene: Hilton Hotels Corporation.

Die besten Jobs von allen

Und jetzt, zwei Jahre vor seinem von ihm persönlich angekündigten Abschied in den Ruhestand, fädelt er eine der wichtigsten Übernahmen der Unternehmensgeschichte ein: Hilton aus Beverly Hills übernimmt Hilton aus Großbritannien, die vor über 40 Jahren getrennten Schwestern finden wieder zueinander.Über fünf Milliarden Euro bieten die Amerikaner als Kaufpreis. Es entstünde ein Hotelriese mit 2 750 Häusern und 472 000 Betten. ?Wir wollen mit dieser Akquise gegen größere internationale Konkurrenten besser bestehen können?, sagt Bollenbach.Der Sprung nach Europa ist für den verheirateten Familienvater und Chef von 75 000 Angestellten die wohl letzte große Herausforderung in einer Managerkarriere, die Mitte der 60er-Jahre in Kalifornien begann.Als Sohn eines Milchmannes und einer Hausfrau sollte es Steve mal besser haben als die Eltern. Schon mit zwölf Jahren verkaufte er Eis in Disneyland. Später büffelte sich der ?Junge mit Sinn für das Geschäft? ? so ein alter Schulfreund von Bollenbach ? zunächst durch die Elite-Uni UCLA in Los Angeles und später durch die University of Northridge. ?Ich hatte Glück. Als ich mit der Uni fertig war, warteten sechs Jobangebote auf mich?, erinnert er sich.Es sollte eine Laufbahn werden, in der er für einige der buntesten Unternehmertypen der USA tätig war. Zum Beispiel für den Tanker-König Daniel K. Ludwig, den ?bösesten Menschen, für den ich je gearbeitet habe?, wie Bollenbach später sagte. Oder Immobilien-Tycoon John Notter, der ihn in den 70ern unter seine Fittiche nahm. Notter hatte sich auf den Ankauf von Banken spezialisiert. Er prägte Bollenbach und ist auch heute noch Mitglied des Verwaltungsrats der Hilton-Gruppe.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Job machte ihm so viel Spaß, dass er neben seiner Karriere als Top-Manager auch privat mit dem Ankauf von Häusern begann. Und natürlich Hotel-Titan J. W. Marriott Jr., der es zuließ, dass Bollenbach sein Reich in zwei Teile zerschlug und somit fit für die Zukunft machte: ?Das war Anfang der 80er-Jahre. Der Hotelmarkt boomte wie verrückt. Zeitweise öffneten wir jede Woche irgendwo in der Welt ein neues Resort.?Seinen ersten Chefposten hatte er bereits früher übernommen. Bei einer ganz unspektakulären Bausparkasse in Arizona. Rund zehn Jahre lang lernte er dort die Finanztricks in Sachen Akquise und Finanzierung unzähliger Bürogebäude, Banken und Privathäuser. Endgültig erwarb er sich hier den Ruf eines Deal-Makers, eines Managers, der harte Verhandlungen zu seinen Gunsten zu drehen weiß.Der Job machte ihm so viel Spaß, dass er neben seiner Karriere als Top-Manager auch privat mit dem Ankauf von Häusern begann. ?Meine Frau und ich haben mit der Zeit wohl rund 20 Häuser gekauft, umgebaut und wieder verkauft?, sagt der 63-Jährige heute.Mit Häusern hatte er auch beim Hotelkonzern Promus zu tun, einer Tochter der Holiday-Inn-Gruppe. Und natürlich bei Donald Trump, der umstrittenen Immobilien-Ikone. Ihm half er, sein hoch verschuldetes Imperium wieder auf sichere Füße zu stellen. Ohne Bollenbach, glauben viele Experten, gäbe es das Trump-Reich heute nicht mehr.Und dann rief Michael Eisner an, jener charismatisch-despotische Disney-Chef. Er suchte einen Finanzchef. Bollenbach sagte zu, blieb aber nur zehn Monate. In dieser Zeit schaffte er die finanziellen Voraussetzungen dafür, dass Disney den TV-Sender ABC übernehmen konnte.Hansdampf in allen Gassen. Stephen Bollenbach ist ein Mann, der mit nur fünf Stunden Schlaf in einer Nacht auskommt. Und, das sagt Hilton-COO Matthew Hart, ?Steve ist einer der besten Zeitmanager, die ich kenne?. Das ist wohl auch der Grund, warum im Gegensatz zu seinem Berufsleben Bollenbachs Privatsphäre eher langweilig ist: Seit 38 Jahren ist er mit seiner Frau Barbara verheiratet.Hart verrät weitere Managergeheimnisse Bollenbachs: ?Seine Meetings sind effizient und auf den Punkt. Er weiß, dass es im Geschäft ums Geldverdienen geht, und macht auch keinen Hehl daraus. Ergo sind all seine Entscheidungen genau dahin ausgerichtet.? Und er könne ?komplexe Sachverhalte vereinfachen und für jedermann verständlich machen?.Manchmal auch erschreckend einfach. Zum Beispiel für 100 Hotelmanager auf einem Fachkongress: ?Wenn du deine Hotels mit Gästen füllen willst, musst du die Preise senken.? Garniert werden solche leicht provokanten Äußerungen einem verschmitzten Lächeln. ?Manager von heute denken oftmals viel zu kompliziert?, sagt der begeisterte Hobbyangler außerdem.Zu Hilton kam Bollenbach wie zu den meisten seiner Jobs: durch einen der großen Manager der USA. Hilton-Chairman Barron Hilton lud ihn immer häufiger zum Frühstück ein, um über die Branche zu diskutieren. Eines Tages fragte ihn der Hotel-Pate, ob er denn nicht als CEO für seine Firma arbeiten wolle. ?Ich zögerte?, erinnert sich Bollenbach.Als Barron Hilton dann aber konkrete Gründe für eine bessere Zukunft des Konzerns und der Aktie auflistete, ließ sich Bollenbach überzeugen: ?Ich sagte Barron, dass ich für ihn arbeiten würde. Und heute weiß ich, dass ich bei der Hilton-Gruppe meine lange Karriere beenden werde.?Ein bisschen Wehmut schwingt mit, wenn er vom Ende seiner Laufbahn erzählt. Aber er weiß auch, dass die Zeit reif ist, ?mit meiner Frau die Welt zu bereisen. Und diesmal nicht als Hotelboss, sondern als ganz normaler Tourist.?Wohin? Vielleicht zu seinem Lieblings-Hilton-Hotel? Nein, das möchte er lieber nicht nennen, keines der Kinder soll bevorzugt werden: ?Das würde viele Angestellte einfach nur traurig machen.? Allerdings: ?Hawaii ist schon eine Reise wert.? Dort steht nach Meinung von Tourismusexperten eines der schönsten Hilton-Hotels der Welt.
Stephe Bollenbach 1943
wird er in Lakewood, Südkalifornien, geboren. Er studiert Finanzen und Management.
1968
beginnt seine Laufbahn beim Reeder Daniel Ludwig. Er bleibt 12 Jahre bei ihm. Dann übernimmt er den Chefsessel bei der Southwestern Savings & Loan.
1986 wird er Finanzchef des Hotelbetreibers Holiday.1990
hilft er Immobilien-Star Donald Trump bei der Sanierung von dessen Reich.
1992
wird er Chef von J.W. Marriott. Er teilt den Konzern in zwei Teile.
1995
geht er als Finanzchef zu Disney.
1996
wird er Chef bei Hilton.
2004 verdient er 23 Millionen Dollar und löst 20 Millionen in Aktienoptionen ein.2007
will er in Rente gehen.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.01.2006