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Die Rache des kleinen Mannes: Kaufstreik

Stell Dir vor, alle Geschäfte haben offen - aber keiner kauft ein! Deutsche Konsumenten fühlen sich abgezockt und wollen sich jetzt offensichtlich wehren. Das einzige Mittel, das ihnen Macht verleiht: Konsumstreik. Mit einer Massen-Mail wird derzeit zur Kaufverweigerung am 1. Juli aufgerufen.sp DÜSSELDORF. Viele Menschen erhalten in diesen Tagen die E-Mail mindestens einmal von Freunden und Bekannten. Der Absender ist unbekannt. Aufgerufen wird zum Kauf- und Konsumstreik am 1. Juli. Es dürfte spannend werden, ob der Handel am ersten Juli-Montag tatsächlich leere Kassen beklagen muss.

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Die Debatte, ob die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung Händler, Dienstleister und Gastronomen dazu verführt hat, die Preise zu erhöhen, kocht immer wieder hoch. Stein des Anstoßes: die Differenz zwischen der moderaten Inflationsrate, die sich aus dem offiziellen Warenkorb ergibt, und der vom Konsumenten subjektiv "gefühlten" Verteuerung des alltäglichen Lebens.Je nach Betroffenheitsgrad finden sich in der "Teuro"-Debatte Befürworter oder Kritiker. Erst jüngst bestritt Bundesbank-Präsident Ernst Welteke den "Teuro-Effekt". "In der Summe sind die Preissteigerungen moderat und der Geldwert weitgehend stabil", hatte er gesagt. Und auf höhere Steuern etwa auf Zigaretten oder die komplett fehlende Auswirkung auf die stabil gebliebenen Mieten verwiesen. Darüber hinaus bedauerte er, dass in keinem anderen europäischen Land die Debatte derart heftig geführt werde wie in Deutschland.Offensichtlich haben die Deutschen auch mehr Grund zur Klage als ihre Nachbarn. Ein Vergleich der harmonisierten Verbraucherpreise in der Statistik von Eurostat belegt es mit Zahlen: Während deutsche Urlauber beispielsweise im März 2002 fünf Prozent mehr für Pauschalreisen zahlen mussten, hatten Italiener und Niederländer keine Teuerung zu verkraften. Deutsche Verbraucher legten im Schnitt elf Prozent mehr für Obst und Gemüse auf die Theke als noch im Dezember 2001. Engländer zahlten im Gegensatz dazu vier Prozent weniger. Dies ist besonders interessant, als es zum Jahresanfang gebetsmühlenartig hieß, dass der kalte Winter die Ernte dieser Grundnahrungsmittel verknappt und damit verteuert habe.Experten geben jedenfalls dem Verbraucher Recht: Die "gefühlte" Teuerung ist keine Einbildung. Im ersten Quartal hätten sich Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs gegenüber dem Vorjahr um 4,8 Prozent verteuert. Gemüse legte um 14,3 Prozent zu, Molkereiprodukte um sieben Prozent, Brot und Fleisch jeweils um 4,1 Prozent. Deutlich drastischer fallen die Preiserhöhungen jedoch im Hotel- und Gaststätten-Gewerbe aus. Restaurants und Cafés haben ihre - frei kalkulierbaren - Preise teilweise um bis zu 80 Prozent erhöht.Keine Überraschung also, dass die anfängliche Euro-Begeisterung inzwischen in Unmut umgeschlagen ist. Nicht nur, dass sich einer Umfrage zufolge 54 Prozent der Bevölkerung die D-Mark zurückwünschen. Jetzt wollen die Konsumenten zurückschlagen. Mit einem Kauf- und Konsum-Streik am 1. Juli. Richtig vorbereitet soll an diesem Tage kein Cent ausgegeben werden - auch nicht per EC- oder Kredit-Karte.
Was halten Sie von einem Konsumstreik? Sagen Sie Ihre Meinung im DMEuro.com-Forum"
Dieser Artikel ist erschienen am 13.06.2002