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Die Puppen tanzen

Von Joachim Hofer und Hans-Peter Siebenhaar
Isaac Larian kennt nur ein Ziel: Er will die Nummer eins im Spielwarengeschäft werden. Wenn die Hauptversammlung heute zustimmt, stockt er seinen Anteil am angeschlagenen fränkischen Puppenhersteller Zapf weiter auf.
Isaac Larian steht an der Spitze von MGA Entertainment.
MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Ein Kind von Traurigkeit ist Isaac Larian nicht. Der leutselige Spielzeugunternehmer aus dem Iran feiert und isst gerne. In seiner Wahlheimat Los Angeles hat er längst sein Stückchen Heimat gefunden. Das persische Feinschmeckerlokal "The Flame? am Westwood Boulevard, nur ein paar Meilen vom Millionärsparadies Beverly Hills entfernt, ist sein zweites Wohnzimmer. Der Stammtisch hinten in der Ecke gehört Larian.Hier hält der Einwanderer hof, hier feiert er seine Siege, hier entwirft er seine Schlachtpläne. Und sollte eine der Bauchtänzerinnen vorbeikommen, kann sie sicher sein, dass Larian ihr etliche Dollarscheine in den mit bunten Plastiksteinen besetzten Büstenhalter steckt. Großzügigkeit ist wohl eine Tugend, die Larian in diesen Augenblicken pflegt.

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Wenn es ums Geschäft geht, hört für den Mann mit der fliehenden Stirn aber der Spaß auf. Das mussten Mitarbeiter und Management des traditionsreichen fränkischen Puppenherstellers Zapf Creation in den vergangenen Monaten erfahren. Denn der Inhaber des kalifornischen Spielzeugkonzerns MGA Entertainment hat das schwer angeschlagene Unternehmen in wenigen Monaten komplett umgekrempelt. Dutzende Stellen fielen weg, in Einkauf, Vertrieb und Marketing blieb kein Stein auf dem anderen.Heute holt der Ingenieur zum nächsten Schlag aus. Wenn die Hauptversammlung in Rödental wie erwartet zustimmt, kann Larian seinen Anteil über eine Kapitalerhöhung weiter ausbauen. Ende des Monats wird ihm dann rund ein Drittel an Zapf gehören. Das Bemerkenswerte dabei: Obwohl er nicht die Mehrheit besitzt, hat Larian längst das Sagen.Dass er beim Hersteller von "Baby Born? die Macht übernehmen will, daran hat der eiserne Unternehmer aus Kalifornien nie Zweifel aufkommen lassen. In einem Coup kaperte der Unternehmer den angeschlagenen Puppenproduzenten. Im Sommer 2006 kaufte Larian innerhalb von wenigen Tagen 23 Prozent der Aktien des börsennotierten Unternehmens ? und torpedierte damit ein freundliches Übernahmeangebot des japanischen Wettbewerbers Bandai.Dann ging alles ganz schnell: Über mehrere Verträge band Larian seine Neuerwerbung eng ans eigene Unternehmen. So verkauft MGA jetzt die Zapf-Puppen in Amerika und lastet damit gleichzeitig seine eigenen Vertreter besser aus. Zapf hingegen vertreibt MGA -Artikel in Europa. So spart sich Larian seinen Außendienst im für ihn fremden Europa. Zudem bündelte er den Einkauf in Fernost. Durch die größere Beschaffungsmenge können jetzt Zapf und MGA sparen.Um die Übernahme unter Dach und Fach zu bekommen, ist er sogar von Los Angeles zum Firmensitz im abgelegenen Rödental gereist, unweit von Coburg. Noch heute schwärmen er und seine Frau von der grünen Hügellandschaft und den mit Kiefernzapfen gerösteten Coburger Bratwürsten.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Vom damaligen Management hatte Larian bei seinem Besuch hingegen schnell genugVom damaligen Management hatte Larian bei seinem Besuch hingegen schnell genug: Vorstandschef Georg Kellinghusen, ein erfahrener Sanierer, musste bald seinen Schreibtisch räumen. Stattdessen zog mit Thomas Pfau ein Vertrauter von Larian in die Vorstandsetage bei Zapf ein.Das ist typisch für Larian, denn der schwergewichtige Selfmademan setzt auf Loyalität. Er zählt auf Freunde, und Freunde können auf ihn zählen. Seine Welt ist einfach, er unterteilt sie in Freunde und Feinde. Der Gegner heißt aber immer Mattel. An dem US-Spielzeugkonzern lässt Larian kein gutes Haar.Das hat seinen Grund. Larians größter Erfolg sind die Bratz-Puppen. Der Name lehnt sich an das Wort "Brat? an, das im Englischen so viel wie Göre bedeutet. Längst machen sich die frechen Püppchen in ihren modischen Klamotten daran, das Mattel-Produkt "Barbie? vom Thron zu stoßen. In seinem Kampf gegen den Weltmarktführer zieht der Vater von drei Kindern auch immer wieder vor Gericht."Er entscheidet schnell und ist unternehmungsfreudig?, sagt Larians Geschäftspartner Claude Schmit, Chef des Kölner Kindersenders Super RTL. Innerhalb von eineinhalb Jahren stieg der Puppenhersteller zu einem der wichtigsten Kunden des Marktführers im deutschen Kinder-TV auf.Trotz seines riesigen Privatvermögens ist Larian bescheiden geblieben. Einzige Ausnahme: Eine goldene Mercedes-Limousine samt Fahrer leistet er sich. Doch selbst das gilt nicht als großer Luxus in der Filmmetropole Los Angeles. Und der Fahrer ist nur deshalb da, damit Larian ungestört beim Fahren telefonieren kann.Larian hat ein Ziel. Er will die weltweite Nummer eins im Spielzeuggeschäft werden. Dafür arbeitet und lebt der leidenschaftliche Unternehmer, der sich privat gerne in den Emiraten unweit seiner Heimat Iran erholt. Zapf bringt ihn auf diesem Weg einen kleinen Schritt weiter.Offen ist, ob der Unternehmer seinen Anteil an den Franken in nächster Zeit weiter ausbauen wird. Denn in der Öffentlichkeit äußert sich der Puppenkönig nur selten über seine Pläne. Lieber schafft er Fakten und spricht hinterher darüber.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Vita von Isaac LarianVita von Isaac Larian1954 wird er in Iran geboren und ist heute US-Staatsbürger. An der California State University in Los Angeles absolviert er seinen Abschluss in den Ingenieurwissenschaften.1979 gründet Larian den Vorläufer von MGA Entertainment mit Namen Surprise Gift Wagon.1987 wird er erster offizieller Vertriebspartner für Nintendo-LCD-Spiele in den USA.1993 gestaltet Larian MGA von einem Konzern für Unterhaltungselektronik zu einem Hersteller von Spielzeug- und Freizeitprodukten um.2006 steigt er beim angeschlagenen deutschen Puppenhersteller Zapf Creation als Großaktionär ein.
Dieser Artikel ist erschienen am 20.11.2007