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Die neue Familienförderung

Markus Kahr
Foto: Bob Heinemann
Medienwirksam setzte die Bundesregierung im Frühjahr die Kindergelderhöhung zum 1.1.2002 in Szene. Doch das "Zweite Gesetz zur Familienförderung" beschert Eltern und Alleinerziehenden im kommenden Jahr nicht nur monatlich mehr Geld, sondern auch Änderungen bei der steuermindernden Absetzbarkeit des Nachwuchses.
Medienwirksam setzte die Bundesregierung im Frühjahr die Kindergelderhöhung zum 1.1.2002 in Szene. Doch das "Zweite Gesetz zur Familienförderung" beschert Eltern und Alleinerziehenden im kommenden Jahr nicht nur monatlich mehr Geld, sondern auch diverse - positive wie negative - Änderungen bei der steuermindernden Absetzbarkeit des Nachwuchses.

Das Kindergeld steigt

Zu Jahresbeginn wird das Kindergeld für das erste und zweite Kind jeweils um 31,20 Mark auf 301,20 Mark angehoben; für das dritte Kind um 1,20 Mark auf ebenfalls 301,20 Mark, damit ab Januar 2002 glatte Eurobeträge gelten. Das Kindergeld gibt es automatisch jeden Monat von der Familienkasse.

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Kindergeld für das .... bis 2002 ab 2002
1. Kind 270 Mark (138,05 Euro) 154 Euro (301,20 Mark)
2. Kind 270 Mark (138,05 Euro) 154 Euro (301,20 Mark)
3. Kind 300 Mark (153,39 Euro) 154 Euro (301,20 Mark)
ab dem 4. Kind 350 Mark (178,95 Euro) 179 Euro (350,09 Mark)


Die Kinder- und Betreuungsfreibeträge steigen

Im Rahmen der Steuererklärung prüft das Finanzamt automatisch, ob die Bezieher von Kindergeld nicht besser fahren, wenn sie statt des monatlichen Betrages die Kinder- und Betreuungsfreibeträge am Jahresende in Anspruch nehmen. Das ist der Fall bei Steuerzahlern mit einem relativ hohen Steuersatz ab etwa 35 Prozent. Den eventuellen Differenzbetrag überweist der Fiskus unaufgefordert.

Da das Kindergeld zum 1. Januar 2002 erhöht wird, war auch bei den Freibeträgen eine Anpassung fällig: Der jährliche Kinderfreibetrag steigt von bisher 6.912 Mark um 233 Mark auf 7.135 Mark (3.648 Euro). Der Betreuungsfreibetrag, der nur Eltern zusteht, deren Kinder das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, steigt von 3.024 Mark um 1.201 Mark auf 4.225 Mark (2.160 Euro). Während bis dato nach dem 16. Lebensjahr definitiv Schluss war, verlängert sich die Zeit ab 2002 um die Dauer der Berufsausbildung des Sprösslings.

Kinderbetreuungskosten werden absetzbar

Seit langem gefordert, nun endlich verabschiedet: Sowohl berufstätige Alleinerziehende als auch arbeitende Eltern - die übrigens nicht verheiratet sein müssen -können ab 2002 ihre Kosten für die Kinderbetreuung steuermindernd geltend machen. Bis zu 1.500 Euro (2.934 Mark) sind für Tagesmütter, Kindergärten oder Babysitter anrechenbar. Die Voraussetzungen: Das Kind hat das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet, die Ausgaben können belegt werden und man hat im Jahr mindestens 1.548 Euro (3.028 Mark) für die Betreuung ausgegeben. Der über diesen Mindesteigenanteil hinausgehende Betrag wird dann bis zur Höchstgrenze von 1.500 Euro berücksichtigt.

Beispiel: Eine alleinerziehende Mutter, die vom Vater des Kindes keinen Unterhalt bekommt, wendet für die Betreuung ihrer vierjährigen Tochter im Jahr 2002 insgesamt 4.000 Euro auf. Der Fiskus rechnet dann wie folgt:


Kinderbetreuungskosten 4.000 Euro
- Eigenanteil 1.548 Euro
= 2.452 Euro
maximal abzugsfähig 1.500 Euro
nicht abzugsfähig 952 Euro


Von den 4.000 Euro kann die Mutter 1.500 Euro in der Steuererklärung geltend machen. Der Restbetrag von 2.500 Euro bleibt Privatvergnügen.

Der Ausbildungsfreibetrag sinkt beziehungsweise wird gestrichen

Der bisherige Ausbildungsfreibetrag für über 18-jährige Kinder, die zur Berufsausbildung auswärts untergebracht sind, wird von 4.200 Mark (2.147 Euro) auf 924 Euro (1.807,19 Mark) gekürzt. Der Freibetrag von 2.400 Mark für auswärtig untergebrachte Kinder unter 18 Jahren wird ab Januar 2002 ersatzlos gestrichen.

Der Haushaltsfreibetrag wird schrittweise auf Null reduziert

Alleinerziehende erhalten zurzeit noch einen jährlichen Haushaltsfreibetrag von 5.616 Mark (2.871 Euro). Bis 2005 wird der schrittweise abgebaut:

bis 2001 5.616 Mark (2.871 Euro)
ab 2002 2.340 Euro (4.576,64 Mark)
ab 2003 1.188 Euro (2.323,53 Mark)
ab 2005 0 Euro


Das Dienstmädchenprivileg fällt weg

Die Möglichkeit, Haushaltshilfen oder Putzpersonal mit bis zu 18.000 Mark pro Jahr steuermindernd anzusetzen, wird ab Januar 2002 ersatzlos gestrichen.
Dieser Artikel ist erschienen am 05.10.2001