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Die Maulwurf- Methode: Alfred Richter erzählt

Also, ein bisschen Bedenken hatte ich schon. Da saß ich im Vorstellungsgespräch bei einem Textilunternehmen, das eine neue Sportartikelmarke aufbauen wollte - und plötzlich hieß es, ich solle doch mal ein Konzept schreiben.
Also, ein bisschen Bedenken hatte ich schon. Da saß ich im Vorstellungsgespräch bei einem Textilunternehmen, das eine neue Sportartikelmarke aufbauen wollte - und plötzlich hieß es, ich solle doch mal ein Konzept schreiben. Ohne Bezahlung natürlich, und ohne Garantie auf den Job als Produktmanager. Ist das jetzt nur eine raffinierte Methode, für lau an ein Konzept zu kommen, habe ich mich gefragt. Schließlich kostet so etwas bei einer Agentur eine sechsstellige Summe. Außerdem gab es noch zwei oder drei Mitbewerber um den Job. Die sollten ebenfalls ein Konzept schreiben

Aber ich wollte diese Stelle unbedingt, und da habe ich meine Bedenken über Bord geworfen. Wer sich weigert, auch mal in Vorleistung zu gehen, der hat schlechte Karten bei den Unternehmen. Also habe ich mich hingesetzt, ein Konzept von 25 Seiten entworfen, schön gebunden und schön präsentiert in Powerpoint. Gut 50 Stunden habe ich locker investiert. Aber das war es wert: Mein Konzept hat das Rennen gemacht, ich bekam den Job und war verantwortlich für den Aufbau einer kompletten Sportmarke. Ein Honorar für das Konzept gab's zwar nicht, aber dafür war die Stelle hervorragend dotiert, mit einem sechsstelligen DM-Betrag. Zwei Jahre lang bin ich dort geblieben.

Inzwischen arbeite ich in der Geschäftsführung einer Personalberatung und sehe selbst, nach welchen Kriterien Unternehmen ihre Bewerber aussuchen. Den Wunsch nach Arbeitsproben und Vorleistungen höre ich in letzter Zeit immer häufiger. Ich kann Bewerbern nur raten: Hängt Euch da rein, traut Euch. Die meisten Leute scheuen solche Arbeiten. Um so besser sind die Chancen für jene, die sich darauf einlassen

Die besten Jobs von allen


Dieser Artikel ist erschienen am 07.02.2003