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Die Maulwurf-Methode

Britta Domke
Foto: Bob Heinemann
Am liebsten stellen Unternehmen Leute ein, von denen sie wissen, was sie leisten. Geben Sie eine Probe Ihres Könnens ab!
Michael Berth war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Eigentlich hatte sich der Abiturient aus Reutlingen schon auf lange Jahre der Ausbildung eingerichtet. Denn in seinem Traumjob als Radiomoderator sei es unmöglich, ohne Studium und Volontariat eine feste Stelle zu bekommen, hatte man dem heute 24-Jährigen gesagt. Zuerst aber wollte er sich mit einigen Praktika in eine gute Startposition bringen

Der Berliner Musiksender JamFM stockte gerade die Redaktion auf, als Berth dort als Praktikant ranklotzte. Sein Chef war beeindruckt vom Fachwissen des Musikfanatikers. Nach drei Monaten bot er ihm eine halbe, später eine ganze Stelle an. Inzwischen moderiert Berth seine eigene Reggae-Sendung. "Ich wundere mich selbst, wie einfach es war, ein Praktikum und dann eine feste Stelle zu bekommen", sagt er. "Das sehe ich als großen Glücksfall. So was kann man nicht planen.

Die besten Jobs von allen


Kann man doch. Zumindest wenn man weiß, dass Chefs im Grunde risikoscheu sind. Und dass sie am liebsten Leute einstellen, deren Arbeitsweise sie kennen und schätzen. "Wenn Unternehmen Mitarbeiter brauchen, schauen sie erst mal in den eigenen Reihen", erklärt Doris Brenner, Karriereberaterin aus Rödermark. "Bei den Praktikanten, den Werkstudenten, den Zeitarbeitern, den Diplomanden, und auch bei den Leuten in 325-Euro-Aushilfsjobs." Für Stellensuchende bedeutet das: Die beste Methode, um Arbeit zu finden, ist zu arbeiten. Dafür sollten sie sich von der Einstellung verabschieden, dass der erste Job gleich eine feste, unbefristete Stelle sein muss. Fast jede Beschäftigung ist besser als zu Hause herumzusitzen. Und wie bei Michael Berth ergibt sich womöglich durch ein Praktikum oder Zeitarbeit die Gelegenheit zur Übernahme in einen festen Job.

Das bestätigt auch Harro Honolka vom Institut Student und Arbeitsmarkt an der Uni München: "Ein Drittel aller Absolventen findet den Berufseinstieg über Kontakte, die in einem Praktikum geknüpft wurden." Bei Zeitarbeitern mit Studium sind die Quoten noch höher: Bis zu 70 Prozent werden innerhalb eines Jahres von Kundenunternehmen übernommen

Ähnlich Erfolg versprechend ist es, die Diplomarbeit in einem Unternehmen zu schreiben - am besten über ein Thema, das dem Arbeitgeber unter den Nägeln brennt. Der Reifenhersteller Michelin beispielsweise hat in den letzten Jahren 90 Prozent seiner Diplomanden fest eingestellt.

Und wer in seinem Traumunternehmen noch gar keinen Fuß in die Tür bekommen hat? Auch für den gibt es eine Möglichkeit, sein Können zu präsentieren: ein, zwei Tage unentgeltliche Probearbeit anbieten. "Wenn Sie im Vorstellungsgespräch den Eindruck haben, dass der Arbeitgeber bei Ihnen an bestimmten Fähigkeiten zweifelt, dann können Sie mit so einem Angebot Punkte machen", weiß Beraterin Brenner. Das bringt nicht nur dem Arbeitgeber etwas, sondern auch dem Bewerber: Sollte sich das Unternehmen als Saftladen entpuppen, dann kann er das Jobangebot immer noch dankend ablehnen.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.02.2003