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Die Marke Georg Kofler

Joachim Hofer
Kaum ein Manager vermag sich so geschickt in Szene zu setzen wie Georg Kofler. Das ist ihm schon als Chef des Abofernsehsenders Premiere gelungen. Jetzt steigt der 51-jährige Pionier des Privatfernsehens mit einem eigenen Unternehmen in die Energiebranche ein.
Georg Kofler führte lange den Abo-Fernsehsender Premiere. Foto: dpa
MÜNCHEN. Als Georg Kofler letzten Sommer seinen Abschied aus der Medienbranche verkündete, wollte es niemand glauben. Über 20 Jahre lang hatte der gebürtige Südtiroler zuvor einen TV-Sender nach dem anderen aufgebaut ? und dann sollte von einem Tag auf den anderen Schluss sein?Inzwischen zweifelt niemand mehr, dass der 51-Jährige, der zuletzt den Bezahlsender Premiere führte, mit der Fernsehindustrie abgeschlossen hat. Jüngster Beweis ist das Unternehmen, das der stets braun gebrannte Mann mit der fliehenden Stirn gestern in München vorgestellt hat: ?Kofler Energies?, eine Firma die sich ums Energiesparen kümmert.

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Dahinter steckt ein einfaches Geschäftsmodell. Kofler garantiert seinen Kunden, dass er die Energiekosten in ihren Gebäuden durch modernste Technik um mindestens zehn Prozent senkt. Alle Einsparungen, die darüber hinausgehen, fließen in seine Tasche. Der Vorteil für die Firmen: Sie müssen weniger für Strom und Gas ausgeben; dazu kommt, dass Kofler sämtliche Umbauten finanziert und die neuen Anlagen auch betreibt.?Sie sehen hier eine zweite Säule der Energiewirtschaft entstehen?, warb Kofler gestern vollmundig im feinen Münchener Hotel Bayerpost für das junge, noch kleine Unternehmen. Aber Understatement war noch nie seine Sache. Sein gestriger Auftritt erinnerte denn auch stark an vergangene Zeiten, als Kofler die Fernsehsender Pro Sieben und Premiere an die Börse brachte oder als er den Einkaufskanal Home Shopping Europe ins Leben rief.Wie schon in früheren Jahren erwies sich Kofler auch gestern als begnadeter Verkäufer, der sich und sein neues Unternehmen wortreich und gekonnt in Szene setzte.So ist es kein Zufall, dass die neue Gesellschaft seinen Namen trägt, denn Kofler weiß genau, dass er selbst längst zur Marke geworden ist. Die Abonnenten von Premiere haben das schon vor Jahren erfahren. Als Chef des Abo-Senders wollte Kofler einst die Fernsehzeitschrift ?TV komplett? auf den Markt bringen. Aber gegen den Namen zogen die Konkurrenten vor Gericht. Da reagierte der Medienmanager prompt ? und nannte das Blatt einfach ?TV Kofler?. Seither weiß jeder, dass sein Selbstbewusstsein keine Grenzen kennt. Doch der Erfolg spricht für ihn. Das erkennen auch seine früheren Konkurrenten aus der Medienbranche an. Zwar hat Kofler es nicht geschafft, Premiere dauerhaft in die schwarzen Zahlen zu bringen. Immerhin konnte er aber verhindern, dass der Sender im Strudel der Pleite des Medienimperiums von Leo Kirch unterging.Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Wir brauchen erst einmal keine Fremdmittel" Die Millionen, die Kofler heute investiert, hat er selbst verdient. ?Wir brauchen erst einmal keine Fremdmittel?, brüstete er sich gestern und fügte dann hinzu: ?Wenn das aber trotzdem einmal der Fall sein sollte, dann dürfen sich die Banken gerne bewerben.? Es sind solche Sprüche, mit denen Kofler schon zu TV-Zeiten auf sich aufmerksam gemacht hat.Er kommt aus kleinen Verhältnissen, der Vater war erst Holzfäller, dann Gastarbeiter der ersten Generation bei Mannesmann, Ende der fünfziger Jahre. Kofler ist vier, als der Vater stirbt. Die Mutter bringt die Familie als Fabrikarbeiterin durch.Georg Kofler aber schafft den Aufstieg. Als Halbwaise bekommt er ein Stipendium an einem katholischen Gymnasium in Brixen. Er verdient sich sein Taschengeld als Chefspüler im Hotel und als Skilehrer, macht sein Abitur. Er studiert in Wien Publizistik und Kommunikation, es folgt die Promotion. Anschließend macht er Karriere wie kaum ein anderer Medienmanager hierzulande. Er ist einer der Pioniere des deutschen Privatfernsehens, gilt als enger Vertrauter von Filmunternehmer Kirch.Die Millionen, die Kofler in der Medienindustrie verdient hat, steckt er jetzt in ganz andere Branchen. Vergangenen Herbst schon hat er einen Maschinenbauer übernommen, später folgt dann ein Engagement im Sportbereich. Und auch Aktien des Handyzulieferers Balda hat er gekauft.Doch das Kernstück seiner Gruppe wird jetzt Kofler Energies. Um die Firma zum Laufen zu bringen, hat der begeisterte Bergsportler das kleine Frankfurter Unternehmen Nycontec übernommen und den Chef der Abteilung Übernahmen und Fusionen, Konrad Jerusalem, vom Energiekonzern RWE abgeworben. Der Umsatz soll bis 2010 von heute 25 Millionen auf mehr als 150 Millionen Euro steigen. Später hält er einen Börsengang für möglich.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Er sieht Parallelen zum TV-Markt vor 20 Jahren Aber so ganz kann sich Kofler von seiner Vergangenheit dann doch nicht lösen. Immer wieder verwendet er Vergleiche aus der Medienwelt. ?Was wir hier machen, hat Parallelen zum TV-Markt vor 20 Jahren?, sagt er. Zwar werde Kofler Energies wohl nie so groß werden wie der Stromriese Eon, räumt er immerhin ein. Doch in den 80er-Jahren sei auch nicht vorstellbar gewesen, dass ein kleiner Privatsender wie Pro Sieben sich einmal neben den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF werde behaupten können.Bei seinem Amtsantritt an der Spitze von Premiere attestierte ihm der damalige Aufsichtsratschef Peter Mihatsch eine ?besondere Mischung aus Erfahrung und Pioniergeist?. Zwei Eigenschaften, auf die Kofler nun auch im Energiegeschäft setzt.Lesen Sie weiter auf Seite 4: Er wächst als Sohn eines Holzfällers auf Georg Kofler 1957Er kommt am 26. April als Sohn eines Holzfällers in Bruneck/Südtirol zur Welt. Der Vater zieht als Gastarbeiter nach München und stirbt bald. Mit vier Jahren wird Georg Kofler Halbwaise.1986Nach dem Abitur in Brixen/Südtirol und dem Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaften in Wien beginnt er als persönlicher Referent des Generalintendanten des Österreichischen Rundfunks (ORF), Gerd Bacher. Ein Jahr später kommt er zum Medienunternehmer Leo Kirch.1997Kirchs erfolgreicher Kanal Pro Sieben, seit zehn Jahren unter der Führung Koflers, geht mit Vorzugsaktien an die Börse.2002Kofler übernimmt den Chefposten von Premiere auf dem Höhepunkt der Kirch-Krise. Er saniert den Abo-Fernsehsender und bringt ihn Anfang des Jahres 2005 an die Börse.2007Am 31. August tritt Georg Kofler überraschend als Premiere-Chef ab. Im Herbst kündigt er dann an, womit er sich künftig beschäftigen wird: Er will eine Beteiligungsholding aufbauen.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.05.2008