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Die Managerin des Wiener Opernballs

Von Ulrich Glauber, Handelsblatt
Ihre Rolle im Zentrum des alteingesessenen Wiener Unternehmertums spielt Elisabeth Gürtler ohne Allüren. Unprätentiös bestellt die Eigentümerin des Hotels Sacher zum Auftakt des morgendlichen Gesprächs im Kaffeehaus der Nobel-Herberge einen ?Café Latte? und ?eine Scheibe trockenes Brot?.
WIEN. Ängste vor einem Fauxpas lässt die Dame im weinroten Samtkostüm nicht aufkommen. ?Ich finde es entsetzlich, wenn Frauen nicht zu ihrem Alter stehen?, beantwortet die 53-Jährige leger die Frage nach ihrem Geburtsjahr.?Im Sacher sind wir in der vierten Generation?, bemerkt die ?Grande Dame?, wie sie Zeitungen nennen, mit verhaltenem Stolz. Vor 14 Jahren hat Frau Diplomkaufmann nach dem Tod ihres geschiedenen Ehemannes Peter Gürtler die Leitung des Hotels übernommen. Tochter Alexandra, 28, und Sohn Georg, 24, arbeiten mit. Ihre Mutter hat das Torten-Imperium zu einem weit verzweigten Familienunternehmen gemacht, zu dem der Österreichische Hof in Salzburg und Kaffeehäuser in Innsbruck und Graz gehören.

Die besten Jobs von allen

Derzeit füllt sie aber vor allem ihr Zweitjob als Organisatorin des berühmten Wiener Opernballs aus, zu dem an diesem Donnerstag Prominenz aus aller Welt aufläuft. Sie managt das Ereignis seit dem Jahr 2000 mit dem Direktor der Wiener Staatsoper, Ioan Holender, der sie mal auf einem Langstreckenflug darauf ansprach. ?Er macht die Dinge, die ihn interessieren: die Eröffnung, die Auswahl der Künstler, wer eine Ehrenkarte bekommt. Und dann informiert er mich darüber.?Die Frage nach dem zusätzlichen Zeitaufwand wischt die erfahrene Unternehmerin, die sich im Wiener Hotel Sacher von den Bilanzen bis zu Details der Zimmereinrichtung um alles kümmert, mit ein paar Worten beiseite: ?Früher waren die Kartenbestellungen eine einzige Zettelwirtschaft. Aber heute läuft das ja über die EDV.?Unangenehmer sind da wohl andere Begleiterscheinungen der Schlüsselstellung in der verbandelten Wiener Society. ?Wenn Leute keine Karte bekommen, rufen sie bei mir an. Frau Gürtler wird das schon machen?, klagt die Opernball-Organisatorin leicht genervt. Bei 6 990 Personen im repräsentativen Musiktheater an der Ringstraße ? ?einschließlich Kellnern, Sicherheitsleuten und Garderobieren? ? haben die Behörden jedoch das absolute Limit gesetzt.Auf die Kartenvergabe für das Ereignis, von dessen Besuch sich zuweilen auch führende Figuren des Porno-Gewerbes Publicity versprechen, nimmt sie keinen Einfluss: ?Wir sind der offizielle Ball der Republik Österreich. Wer rechtzeitig bestellt, bekommt Billetts. Ich kann ohnehin nicht kontrollieren, an wen Karten weitergegeben werden.?So wird sich Elisabeth Gürtler, die eine Zeitung ?als weit blickende, kluge Frau, zierlich, aber mit eisernem Rückgrat? beschrieb, wohl weiter mit den Umtrieben des Bauunternehmers Richard Lugner abfinden müssen. Der Aufsteiger hatte im letzten Jahr mit seiner Einladung an US-Schauspielerin Pamela Anderson für Aufregung gesorgt. Ein Opernball-Besucher verfolgt Elisabeth Gürtler immer noch mit Regressansprüchen, weil seine Begleiterin von einem Lugner-Bodyguard verletzt wurde. Jetzt betont Lugner die Seriosität seines diesjährigen Star-Gasts Andie MacDowell.Das Urteil der alteingesessenen Unternehmerin Gürtler über den Newcomer fällt doppelbödig aus: ?Lugner gehört längst zum Establishment. Aber da gibt es verschiedene Schichten. Ihm geht es halt um möglichst viel Medienprominenz.?Dabei ist ihr klar, dass einzig diskreter Charme der Sinn des Edelschwoofs nicht sein kann. Eine Million Euro Gewinn werden in die Kasse der Staatsoper fließen. Bereits für die Saison 2005 sind die Logen für 9 000 bis 16 000 Euro ausgebucht. ?Wien ? damit werden Kultur, Musik, repräsentative Bauten und Tradition assoziiert. Alle diese Elemente sind im Opernball symbolisiert?, schwärmt sie. Inzwischen ist die Marke ?Wiener Opernball? offiziell registriert. So werden Besucherinnen am Donnerstag eine ?Opernball-Barbie? erhalten, in den Ball-Farben Rot und Violett.
Dieser Artikel ist erschienen am 17.02.2004