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Die mächtigste Bankerin Osteuropas

Von Caspar Busse, Handelsblatt
Die Frau ist wirklich viel unterwegs: Mindestens zweimal in der Woche tourt Regina Prehofer mit ihrem Audi A8 samt Chauffeur oder per Flugzeug durch Mittel- und Osteuropa ? von Polen über Serbien bis Mazedonien.
WIEN. Die charmante 48-Jährige mit den kurzen dunklen Locken und den schicken Kostümen ist die Frau mit dem spannendsten Job in der europäischen Bankenwelt. Sie ist im Vorstand der Bank Austria-Creditanstalt für die neuen Wachstumsmärkte zuständig. Sie ist Herrin über fast 900 Filialen und 16 500 Mitarbeiter in elf Staaten ? und betreut über vier Millionen Kunden.?Die mächtigste Bankerin?, wie sie das österreichische Magazin ?Format? jüngst bezeichnete, ist auch die Hoffnung für Dieter Rampl. Der Chef der Hypo-Vereinsbank (HVB), der Muttergesellschaft der Bank Austria (BA), baut auf Osteuropa. Schon jetzt kommt ein Großteil des Konzerngewinns der Hypo-Vereinsbank aus dieser Region ? und stopft die Löcher, die das Deutschland-Geschäft reißt.

Die besten Jobs von allen

?Wir setzen in Zentraleuropa vor allem auf Wachstum aus eigener Kraft?, sagt Prehofer und lächelt dabei entspannt, obwohl sie weiß, dass das einen Kraftakt bedeutet. In den nächsten drei Jahren will sie 200 Filialen eröffnen und 400 000 neue Kunden gewinnen. Besonders Gas geben will sie in Polen, Ungarn und Kroatien. Nur in Polen kommt der Konzern bisher als Nummer drei des Marktes auf eine nennenswerte Größe. In allen anderen Märkten rangiert die Bank weiter unten. Das will Regina Prehofer bald ändern ? ein Mammutprogramm.?Sie ist geradlinig und kommt schnell auf den Punkt?, sagt einer, der sie schon lange kennt. ?Fast schon deutsche Tugenden? werden ihr attestiert ? nicht unbedingt ein Kompliment in Österreich. Geradlinig war auch ihre bisherige Karriere. Nach dem Studium von Rechts- und Handelswissenschaft in Wien, in denen sie beide promoviert, geht sie 1981 zur Österreichischen Kontrollbank. 1987 kommt sie zum damaligen Creditanstalt- Bankverein, eine der großen Privatbanken Österreichs, und steigt schnell auf. Ungewöhnlich für Karrieren in Österreich: Prehofer ist kein Parteimitglied, wenn sie auch dem konservativen Lager zuneigt.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Für manche HVB'ler sind die Österreicher zu selbstbewusstGerhard Randa, einer der mächtigsten Banker in Wien und bekennendes Mitglied der Sozialdemokraten, fusioniert die Bank Austria 1999 mit der Creditanstalt ? und schafft die größte Bank der Alpenrepublik. Kurze Zeit später geht der Wiener Konzern mit der HVB zusammen ? und verliert seine Unabhängigkeit. Randa erkennt früh das Talent Prehofers und fördert sie. ?Es war immer klar, dass sie irgendwann mal in den Vorstand kommt?, heißt es heute rückblickend in Wien. 2002 war es so weit: Prehofer steigt auf in den Bank-Austria-Vorstand, zuständig für Firmenkunden.Im vergangenen Frühjahr trifft Konzernchef Rampl in München eine folgenreiche Entscheidung: Die Wiener Tochter soll zurück an die Börse und die HVB-Kassen füllen. Der Börsengang wird ein Erfolg. Die Österreicher werden im Konzern wieder selbstbewusster. Für manche zu selbstbewusst ? BA-Chef Karl Samstag muss nach nur zehn Monaten seinen Spitzenjob an Erich Hampel abgeben. Prehofer übersteht die Turbulenzen unbeschadet. Hampel, der sich mit der Bankerin aus früheren Tagen duzt, befördert seine Vertraute auf den prestigeträchtigen Osteuropa-Job.Die Hobbygolferin ist nun am Ziel. Sie verfügt über ein Jahreseinkommen, das in Wien auf über 700 000 Euro geschätzt wird, und jede Menge gute Reputation in der Bankenwelt. Sie ist kinderlos mit einem Deutschlehrer an einem Wiener Gymnasium verheiratet.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.09.2004