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Die Kunst der Führung

Von Katrin Terpitz
Führungskräfte haben es nicht einfach. Unternehmen bereiten ihre Führungskräfte oft nur ungenügend auf ihre neue, anspruchsvolle Rolle vor, gravierende Fehler in der Unternehmensführung sind die Folge. Die Handelsblatt-Buchreihe ?Erfolgreich führen? vermittelt in sechs Bänden praxisnahes Wissen für Führungskräfte ? und solche, die es werden wollen.
?Viele Führungskräfte wollen Federn tragen, aber kein Häuptling sein.? Diese Weisheit bewahrheitet sich im Unternehmensalltag immer wieder. Auf die Freude über die Beförderung folgt für etliche ein böses Erwachen. Die Erwartungen, die von allen Seiten auf sie hereinstürzen, setzen sie unter Druck. Andere haben Schwierigkeiten, in der ungewohnten Sandwichposition zwischen Mitarbeitern und Unternehmensleitung ihren Weg zu finden.Gerade kleine und mittlere Betriebe bereiten ihre frisch gekürten Führungskräfte oft zu wenig bis gar nicht auf ihre verantwortungsvolle Rolle vor. Sie sollen ins kalte Wasser springen und gleich schwimmen können. Welche weitreichenden betriebswirtschaftlichen Schäden durch mittelmäßige oder schlechte Führung entstehen können, blenden Unternehmen oft aus ? schließlich lassen sich solche nur schwer messen. Dabei gilt fürs Führen wie fürs Schwimmen: Mit einer guten Technik lässt sich viel herausholen.

Die besten Jobs von allen

Insgesamt 1,4 Millionen Führungskräfte gibt es in Deutschland, so die aktuellsten Zahlen im Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes von 2004. Das sind knapp vier Prozent aller Erwerbstätigen hierzulande. Fakt ist: Deren Führungsrolle ist viel komplexer und anspruchsvoller geworden. In Zeiten von Globalisierung und rasantem Wandel im Wirtschaftsleben ist es täglich eine neue Herausforderung, Unternehmen und Personal zu steuern. Zurücklehnen kann sich niemand. Auch die ?alten Hasen? werden ständig mit Neuem konfrontiert, auch sie müssen ihren Führungsstil auf den Prüfstand stellen und effizienter machen.Orientierung und praktische Hilfestellung für Führungskräfte und solche, die es werden wollen, geben sechs renommierte Bücher, die das Handelsblatt jetzt in der Reihe ?Erfolgreich führen? neu aufgelegt hat. Diese einzigartige Zusammenstellung von Führungsklassikern verfolgt einen umfassenden Ansatz rund ums Thema: sich selbst führen, andere führen, ein Unternehmen führen.Wer das erste Mal in eine Führungsposition aufsteigt, findet das nötige Rüstzeug im Ratgeber ?Endlich Chef ? was nun? Was Sie in der neuen Position wissen müssen?. Autor ist Jürgen W. Goldfuß, erfahrener Berater von Führungskräften und langjähriger Kolumnist des Handelsblatts. In anschaulichen Übungen und Tests beleuchtet er die verschiedensten Facetten der Chefrolle: Wie gehen Sie mit dem Vermächtnis Ihres Vorgängers um? Wie bauen Sie schnell Vertrauen auf? Was können Sie delegieren? Wie motivieren Sie Mitarbeiter? Wie lassen sich Krisen meistern? Das Fazit von Goldfuß: Führen kann man lernen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Verbreitete Irrwege.Lernen können Manager am besten aus Fehlern ? möglichst aber aus denen anderer. Ein verbreiteter Irrweg: Viele wollen Häuptling sein, mögen sich aber nicht mit ihren Indianern auseinandersetzen. Sie kommunizieren schlecht und zeigen sich misstrauisch gegenüber ihrem Team. Oder sie strapazieren Hierarchien zu stark und vernachlässigen Netzwerke. Diese und andere typische Fallen, in die Manager immer wieder hineintappen, beschreibt Maren Lehky in ihrem Praxisbuch ?Die zehn größten Führungsfehler ? und wie Sie sie vermeiden?. Lehkys Beobachtung: Viele Manager erkennen die schlummernden Talente ihre Mitarbeiter nicht und wundern sich dann, dass diese demotiviert sind.Die Reaktionen von Mitarbeitern und deren Persönlichkeit richtig einschätzen zu können ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Führungskräfte. Das Buch ?Führen mit dem Big-Five-Persönlichkeitsmodell. Das Instrument für optimale Zusammenarbeit? will dabei Orientierung geben. Die Berater Pierce J. Howard und Jane Mitchell Howard zeigen zum Beispiel, wie das passende Personal auszuwählen ist, wie Verhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluss kommen und wie sich Konflikte im Team lösen lassen.Der Erfolg einer Führungskrafthängt in großem Maße auch davon ab, wie effizient sie arbeitet. Nur wer selbst gut organisiert ist, kann das anspruchsvolle Arbeitspensum eines Managers heute stemmen. Doch leider steht das Fach ?Selbstorganisation? in keinem Lehrplan. Hier will der Ratgeber ?Mit PEP an die Arbeit. So organisiere ich mich und meinen Job? von Kerry Gleeson Hilfestellung leisten. Das sogenannte Persönliche Effektivitäts-Programm (PEP) erfindet jedoch kein aufwendiges System zur Zeitplanung. Es stellt effektive Arbeitsmethoden vor, die auch im Team Anwendung finden können. Eine Quintessenz lautet: Erledigen Sie es sofort!Auf die lange Bank schieben können Führungskräfte heute ohnehin nichts mehr. Denn viele Unternehmen ähneln einer Großbaustelle. Der Manager muss dabei als Vorarbeiter des permanenten Umbaus agieren. ?Nur die Wandlungsfähigen kommen weiter?, so lautet das Darwin?sche Credo von Klaus Doppler. In seinem Standardwerk ?Der Change Manager. Sich selbst und andere verändern ? und trotzdem bleiben, wer man ist? gibt der renommierte Organisations- und Managementberater wichtige Denkanstöße. Wie weckt ein Manager bei sich und anderen Bereitschaft zum Wandel und zur Flexibilität?Flexibilität ist auch das Leitmotiv von Niels Pfläging. In seinem mehrfach preisgekrönten Bestseller ?Führen mit flexiblen Zielen. Beyond Budgeting in der Praxis? wirft der ehemalige Controller die starren Prinzipien der Budgetplanung über Bord. Er gibt damit der Beyond-Budgeting-Schule neue Impulse. Das Handelsblatt hat schon früh über Pflägings Ideen berichtet, die in der traditionellen Controller-Szene für Wirbel sorgen. Pfläging ist überzeugt: Vorfixierte Ziele und leistungsorientierte Vergütung sind überholt und setzen falsche Anreize. Er zeigt am Beispiel innovativer Firmen wie Dell oder Aldi: Management ohne starre Planung kann durchaus besser laufen.Praktische und anschauliche Beispiele ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handelsblatt-Reihe ?Erfolgreich führen?. Schließlich lässt sich die Kunst der Führung nicht am grünen Tisch erlernen.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.02.2008