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Die kauflustige Pionierin

Von Holger Alich
Die Chefin der Beteiligungsgesellschaft Axa Private Equity, Dominique Senequier, passt so gar nicht in das traditionelle französische Ambiente. Zum einen zählt sie zu den wenigen Frauen, die eine Spitzenposition in der Wirtschaft erreicht haben. Zum anderen missachtet sie mit ihrer offenen und direkten Art die französische Business-Etikette. Doch ihr Stil ist ihrem Erfolg eher zuträglich.
Dominique Senequier, Chefin von AXA Private Equity.
PARIS. Ihr Büro strahlt den Charme Frankreichs der vergangenen Jahrhunderte aus: fünf Meter hohe Decken, an denen goldlackierter Stuck glänzt. Die Fenster laden zu einem Blick auf den Place Vendôme ein, eines der architektonischen Schmuckstücke von Paris. Dominique Senequier, Chefin der Beteiligungsgesellschaft Axa Private Equity (Axa PE), hat diebischen Spaß daran, den Besucher durch ihre Prunkimmobilie zu führen. Denn sie hat die Büros zu einem Schnäppchenpreis im Jahr 2000 (?heute 35 Prozent unter Marktwert?) angemietet. Dabei musste damals alles ganz schnell gehen: ?Wir wurden von unserer Muttergesellschaft Axa Investment Managers vor die Tür gesetzt, da wir zu stark wuchsen?, erzählt sie und lacht.Die Chefin der Beteiligungstochter des Versicherungsriesen Axa passt so gar nicht in das traditionelle Ambiente: Zum einen zählt sie zu den wenigen Frauen, die in Frankreich eine Spitzenposition in der Wirtschaft erreicht haben. Zum anderen missachtet sie mit ihrer offenen und direkten Art ganz bewusst Frankreichs Business-Etikette, bei denen die Wahrheit zwischen den Zeilen gelesen werden muss. ?Ich mag direkte Gespräche?, bekennt sie, ?daher verstehe ich mich mit Amerikanern und Deutschen so gut.?

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Da 80 Prozent ihrer Kunden aus dem Ausland stammen, ist ihre Art ihrem Erfolg eher förderlich. Quasi aus dem Nichts hat Senequier vor rund zehn Jahren für die Axa das Geschäft mit außerbörslichen Beteiligungen aufgebaut. Heute zählt Axa PE mit rund zehn Milliarden Euro verwaltetem Vermögen zu den großen Adressen Europas. Axa PE spielt dabei auf der gesamten Klaviatur des Beteiligungsgeschäfts: Dachfonds, Risikokapital und direkte Unternehmensübernahmen. Den Löwenanteil macht das Dachfondsgeschäft aus.Pioniere haben es in der Regel nicht leicht, schon gar nicht wenn sie als Frau in Frankreich antreten. Das hat die begeisterte Musikliebhaberin gleich zu Beginn ihrer Laufbahn gemerkt. Denn sie zählte 1972 zu den ersten Frauen, die an der angesehen Elite-Schmiede Polytechnique aufgenommen wurden. Ihre männlichen Mitschüler waren alles andere als begeistert: ??Du nimmst uns nur die Plätze weg?, haben sie gesagt?, erzählt Senequier.Nach dem Abschluss startete sie ihre Laufbahn im öffentlichen Dienst: Als Aktuarin der Versicherungsaufsicht prüfte sie Bilanzen der Assekuranz. Den Beamtenmief empfand sie zwar als furchtbar, dennoch wertet sie ihre erste Berufserfahrung als wertvoll: ?Wer Versicherungsbilanzen versteht, hat keine Probleme damit, Bilanzen anderer Gesellschaften zu analysieren.?1981 heuerte sie beim damals staatlichen Versicherer GAN an und kümmerte sich dort um die Akquisitionspolitik. Nur drei Jahre später schlug sie in Großbritannien zu und fädelte die Übernahme der Minster Insurance Company ein. Der Deal hatte ein Volumen von 500 Millionen Franc (rund 76 Mill. Euro), was damals eine ungeheuerliche Summe darstellte. Da war sie gerade 31 Jahre alt.Senequier hatte ihre Berufung gefunden. Das bemerkte auch ihr damaliger Chef schnell: Der damalige Finanzvorstand der GAN, Claude Girand, hatte 1987 die Idee, für den Versicherer ein Portfolio mit außerbörslichen Beteiligungen aufzubauen. Mit den Worten ?Sie mögen doch Akquisitionen?, trug er ihr den Posten an.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Für Senequier sind Hedge-Fonds ?intellektuell uninteressant?Zu den Eigenschaften von Dominique Senequier zählt neben ihrer Offenheit ihr Sinn für langfristige Bindungen: Bei ihrem ersten Deal ließ sie sich von den Anwälten der Kanzlei Linklaters beraten ? diese arbeiten heute noch für sie.Einer Verbindung aus der Zeit an der Polytechnique verdankt sie ihren Wechsel zum Axa-Konzern. Denn Claude Bébéar, Gründer des Versicherers, hatte die Finanzfachfrau an der Polytechnique kennen gelernt. Er leitete den Club der Absolventen, die im Versicherungswesen arbeiten.Ihre größte Herausforderung bei der Axa PE: internationale Kunden zu finden, die ihr Geld einer neu gegründeten Beteiligungsgesellschaft aus Frankreich mit einer Frau an ihrer Spitze anvertrauen: ?Meine ersten Kunden wie die Caisse des Dépôts du Qúebec sind heute noch dabei?, freut sie sich.Etwas an französischer Hochnäsigkeit lässt sie aber dann doch anklingen, wenn die Sprache auf Akteure wie Hedge-Fonds kommt. Deren kurzfristiger Zeithorizont hält sie für ?intellektuell uninteressant?. Sie gerät richtig in Rage, wenn man Private Equitiy mit diesen Fonds in Verbindung bringt: Ein Unterschied wie ?Sonne und Mond? sei das. ?Hedge-Fonds interessieren sich für Finanzinstrumente, Private-Equity-Akteure für die Unternehmen.?
Axa Private EquityVermögen: Die zumeist nichtfranzösischen Kunden der Axa PE haben dem Unternehmen insgesamt rund zehn Milliarden Euro anvertraut. Eigene Niederlassungen hat Axa PE in Paris, Frankfurt (seit 2001), London (2001), New York (2005), Singapur (2005) und seit letztem Jahr auch in Mailand.Spezialität: Der Großteil der Kundenvermögen ist in Dachfonds investiert. Für Februar kündigt Axa PE die Ausplatzierung eines weiteren, großen Fonds an, der anderen Fondshäusern Anteile abkauft (Secondary Fonds). In diesem Geschäftszweig zählt Axa Private Equity mittlerweile zu den Marktführern in Europa.Firmenkäufe: Mit bis zu einer Milliarde Euro übernimmt Axa PE auch die Führung bei Unternehmenskäufen. So sorgte vergangenen März die Übernahme des Radio-Senders Skyrock für Schlagzeilen. Skyrock ist Marktführer für Weblogs. In Deutschland kaufte Axa PE von Pfleiderer das Geschäft mit Bahnschwellen.
Dieser Artikel ist erschienen am 10.01.2007