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Die im Dunkeln sieht man nicht

Britta Domke
Ihr Kollege wirbt mit seinen Erfolgen, hat in Meetings immer was zu melden und heimst am Ende die Beförderung ein. Schreiend ungerecht? Nein. Kluges Selbstmarketing ist oberste Karriere-Pflicht. Sonst erfährt nie jemand, wie gut Sie wirklich sind.
Es sollte die erste Beförderung ihres Lebens werden. Doch Sabine Kynast stellte sich selbst ein Bein. Ein Jahr schon hatte sie als Redakteurin einer Münchener Tageszeitung aus dem Rathaus berichtet. Als ihr Chef sie endlich offiziell zur Rathausreporterin ernennen wollte, rutschte ihr ein fataler Satz heraus: "Ich glaube, das kann ich nicht."

Eine kleine Tiefstapelei mit großen Folgen. Statt ihre Bedenken beiseite zu wischen, sagte der Chef nur "Schade!", stellte einen Mann als Rathausreporter ein und machte Sabine Kynast zu dessen Stellvertreterin. Sie durfte weiterhin die Arbeit machen, der Mann bekam den Titel, das Geld und die Ehre.

Die besten Jobs von allen


Das war vor 25 Jahren. Sabine Kynast heißt heute Sabine Asgodom und ist eine der bekanntesten Selbst-PR-Expertinnen Deutschlands. Die Wut über ihre "kreuzdämliche Bescheidenheit" damals legte den Grundstein für ihre Karriere als Management-Coach. "Jahrelang habe ich geglaubt, ich hätte keine Chance gekriegt, weil ich eine Frau bin", erinnert sie sich. "Bis ich begriff, dass ich mir selbst geschadet habe." Ihre bittere Erkenntnis: Schlechtes Selbstmarketing ist der sicherste Weg, niemals befördert zu werden.

Reden ist silber, Schweigen ist Blech

Marketing - schon das Wort lässt viele Menschen erschauern. Sich selbst gut zu verkaufen, seine Vorzüge ins rechte Licht zu rücken - so etwas ist vor allem denen unangenehm, die immer betonen: "Ich will durch meine Leistung auffallen." Kein kluger Schachzug. Denn Leistung fällt nur dann auf, wenn sie öffentlich gemacht wird.

Der US-Konzerns IBM befragte in den 90-er Jahren Abteilungsleiter und Personalreferenten: Woran liegt es, ob jemand befördert wird oder nicht? Das Ergebnis war verblüffend. Die Mitarbeiter konnten sich noch so sehr ins Zeug legen, ihre Leistung zählte nur zu zehn Prozent. Dagegen fiel ihre Selbstdarstellung zu 30 Prozent ins Gewicht. Und welche Kontakte und Beziehungen sie aufgebaut hatten - auch das ein Resultat guter Selbstinszenierung - entschied sogar zu 60 Prozent über eine Beförderung. Die Kunst, sich zu präsentieren, wird von Schritt zu Schritt auf der Karriereleiter immer wichtiger - und schwieriger. Wer studiert, muss sich noch nicht täglich fragen, wie er auf andere wirkt. Aber er sollte es schon mal antesten. Spätestens als Führungskraft ist Marketing in eigener Sache keine Kür mehr, sondern Pflicht.

Mit Hochstapelei oder Sich-Verbiegen hat das Ganze nichts zu tun. Im Gegenteil. Je subtiler die eigene Inszenierung, desto erfolgreicher ist sie. "Selbstmarketing ist wie Flirten", erklärt Karriereberater Gerhard Winkler. "Damit es wirkt, muss man so tun, als täte man es gar nicht." Soll heißen: Wer ein netter Mensch ist, darf es bleiben. Aber nicht erwarten, von allen geliebt zu werden. Wichtiger ist, sich bei Kollegen und Vorgesetzten den nötigen Respekt zu verschaffen.

Wie das geht, zeigen wir in dieser Rubrik: Ob an der Uni, im Vorstellungsgespräch oder im Job - hier finden Sie für jede Karrierephase die passende Selbst-PR.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.07.2003