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Die Hitliste der ?Berufsopponenten?

Von Bert Fröndhoff
Eine unangenehme, wenngleich legale Methode, an Geld zu kommen, ist unter Aktionären fast zur Mode geworden: Gegen Beschlüsse von Hauptversammlungen klagen und Vergleiche anstreben. Nun nennt eine Studie erstmals Namen.
DÜSSELDORF. Für die einen sind es ?Berufsopponenten? oder ?Querulanten?, andere schimpfen sie gar ?räuberische Aktionäre?: Seit ein paar Jahren nimmt die Zahl der Fälle zu, bei denen Anteilseigner per Klagen die Beschlüsse von Hauptversammlungen anfechten und dadurch Neuausrichtungen von Unternehmen blockieren. In diesem Geschäft gibt es wenig Transparenz. Doch nun liefern zwei neue Untersuchungen Zahlen und zeigen, wer hinter den meisten Klagen steckt und wie die Streitfälle aussehen.Grundlage der Studien ist die seit November 2005 geltende Pflicht von Aktiengesellschaften, die Beendigung von Anfechtungsklagen im Bundesanzeiger zu veröffentlichen. Von diesem Zeitpunkt bis Ende Mai 2007 hat es in Deutschland 68 Veröffentlichungen gegeben, die sich ein Team um Manuel Theisen, Professor an der Ludwigs-Maximilian-Universität in München, angeschaut hat.

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Theisen sieht durch die Untersuchung die These gestützt, dass es sich bei den Klagen vielfach nicht um Einzelfälle handelt: Es stecke systematisches Vorgehen der ?Berufsopponenten? dahinter, die einen für sie lukrativen Vergleich mit den Firmen anstreben. Die Konzentration auf Klägerseite sei groß: Insgesamt wurden im Bundesanzeiger 551 Kläger genannt, von denen aber viele bei verschiedenen Fällen auftauchten. Sie waren im Schnitt etwa an acht Verfahren beteiligt.Wer zu den aktivsten Anfechtungsklägern in Deutschland zählt, zeigt eine Untersuchung des Münchener Beratungsunternehmens Max Equity Marketing. Sie beruht benfalls auf Daten des Bundesanzeigers.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Top-Ten der klagenden Einzelpersonen An der Spitze der Top-Ten der klagenden Einzelpersonen steht Peter Eck mit Wohnsitz in Geldern: Er hat in dem Untersuchungszeitraum vom 1. November 2005 bis 2. Januar 2007 allein 19 Klagen eingereicht. Er verwies damit Axel Sartingen, Jörg-Christian Rehling und Frank Scheunert auf die Plätze, die ebenfalls eine zweistellige Zahl Anfechtungsklagen einreichten.Die Top-Ten klagender Firmen wird von der Bremer Metropol Vermögensverwaltungs- und Grundstücks GmbH angeführt, die von Karl-Walter Freitag geleitet wird. Aktive Kläger sind auch die Würzburger JKN Beteiligung-GmbH und EO Investors GmbH aus Düsseldorf (Details siehe Grafik).Das Vorgehen der ?Berufsopponenten? ist ähnlich: Sie sind Aktionäre und fechten Hauptversammlungsbeschlüsse aufgrund von Gesetzes- oder Satzungsverletzungen an. Damit blockieren sie die Pläne der Firmen. Meist wird ein langwieriger Rechtsstreit durch einen Vergleich vermieden. Dabei werden ?nicht selten bis zu fünfstellige Beträge an die Opponenten gezahlt, die oft als Beratervergütungen bzw. überhöhte Anwaltshonorare getarnt sind?, heißt es in der Analyse des BWL-Professors Theisen, die kommenden Montag in der Fachzeitschrift ?Der Aufsichtsrat? erscheinen wird.Knapp 78 Prozent der von Theisen untersuchten Fälle wurden mit einem Vergleich beendet, bei immerhin 11,8 Prozent wurde die Klage zurückgenommen, bei 4,4 Prozent wies ein Gericht die Klage ab. Weiteres Ergebnis der Studie: Richteten sich die Klagen anfangs hauptsächlich gegen Großkonzerne, sind seit Oktober vorigen Jahres verstärkt kleinere Kapitalgesellschaften betroffen. In einem Drittel der Fälle wurde gegen den Squeeze-out, also das Herausdrängen und Abfinden von Minderheitsaktionären geklagt. Rund ein Fünftel richtete sich gegen Verschmelzungen und Formwechsel.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.07.2007