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Die Hauptamtliche

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Foto: Gerd Grimm
?Eine Doktorarbeit ist wie ein Baum: Man muss den richtigen Ast finden, die anderen drum herum abschneiden. Und dann den einen Trieb geduldig hegen und pflegen, damit die schönste Blüte wächst.“ Was sich so nett anhört, lässt kaum ahnen, worüber Christine Ruhwinkel promoviert: über Steuern.
?Eine Doktorarbeit ist wie ein Baum: Man muss den richtigen Ast finden, die anderen drum herum abschneiden. Und dann den einen Trieb geduldig hegen und pflegen, damit die schönste Blüte wächst.“ Was sich so nett nach Bäumchen und Blümchen anhört, lässt kaum ahnen, worüber Christine Ruhwinkel promoviert: über Steuern. Ein Stichwort, das genügt, um die meisten Einkommensempfänger zu paralysieren. Die Diplom-Kauffrau dagegen begeistert sich: ?Was passiert aus steuerlicher Sicht, wenn sich zwei Unternehmen international zusammenschließen? Gibt es eine Empfehlung für eine steuerneutrale Verschmelzung? Das sind superspannende Fragen.“

Mit Gleichgesinnten umgibt sich die 25-Jährige seit einem Jahr – am Lehrstuhl für Steuerlehre an der Uni Erlangen-Nürnberg. Viel Zeit, internationale Steuergesetze zu wälzen und ihre Dissertation zu züchten, hat sie bei ihrer vollen Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin nicht: Gerade mal ein Fünftel der Arbeitswoche, so steht es in ihrem Vertrag, solle sie für die Promotion verwenden.

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Klausuren korrigieren, Übungen leiten – damit sind fünf Tage schnell dicht. Ruhwinkel sieht das gelassen: ?Es kann zwar sein, dass ich zwei Monate lang gar nicht zu meiner Dissertation komme. Aber mir macht die Arbeit am Lehrstuhl Spaß. Und man hat immer wieder Luft, wenn ein Projekt abgeschlossen ist.“ Wie sie sich dann motiviert weiterzumachen? ?Es muss. Auch wenn draußen das Wetter schön ist. Mein Abgabetermin ist Juli 2003.“

Die Westfälin weiß genau, was sie will. ?Ich bin halt der Typ straighte BWLerin“, scherzt sie. In neun Semestern hat sie ihr Studium durchgezogen. Das Angebot, anschließend bei der Investment-Bank JP Morgan als Trainee einzusteigen, lehnte Ruhwinkel ab. ?Mit gerade 24 Jahren fühlte ich mich noch sehr jung fürs Berufsleben. Und ein Job in der internationalen Konzernsteuerberatung läuft ja nicht weg.“ Bis dahin hat Ruhwinkel noch zwei Jahre Zeit, sich weiterzuentwickeln – gemeinsam mit ihrer Doktorarbeit.
Dieser Artikel ist erschienen am 20.07.2001